Erst Cholera, dann Ebola. Einsätze am Limit
Shownotes
“Wir hatten nur noch für einen Tag Kochsalzlösung, um die Patient*innen weiter behandeln zu können.” Dieser extreme Zeitdruck und eine verzögerte Materiallieferung prägt den Notfalleinsatz von Christina Böhrer. Sechs Wochen arbeitet sie im Osten der Demokratischen Republik Kongo mit ihrem Team daran, einen Choleraausbruch einzudämmen. Stockende Lieferketten, zusammenbrechende Netzwerke und die angespannte Sicherheitslage waren die größten Herausforderungen. Chris nimmt uns mit in einen Einsatz, in dem Schilder mit durchgestrichenen Waffen lebenswichtig werden und ein eingespieltes Team den Unterschied macht.
Kaum ist Chris zurück, bricht in derselben Region zusätzlich noch Ebolafieber aus: Plötzlich taucht der Ostkongo ganz oben in den internationalen Nachrichten auf. Und sofort beginnt Ärzte ohne Grenzen zeitgleich mit mehreren Notfalleinsätzen, um die hochansteckende Krankheit einzudämmen. Die Moderator*innen Anna Dushime und Christian Katzer löchern den erfahrenen Tropenmediziner Max Gertler mit Fragen zu seiner Erfahrung mit Ebola-Ausbrüchen. Er erklärt, warum jede Stunde zählt und Vertrauen oft genauso wichtig ist wie Schutzanzüge und Isolierstationen.
In dieser Episode erfährst du …
… warum Chris zu Beginn ihres Einsatzes erstmal 50 Schilder mit durchgestrichenen Waffen produzieren und aufhängen musste.
… wie ein Cholera-Notfalleinsatz funktioniert, wenn unsere Teams bei null anfangen müssen.
… wie lange es dauerte, bis die Materiallieferung mit den lebensrettenden Medikamenten und dem medizinischen Equipment ankam und wie das Team den Engpass bis dahin meisterte
… welche entscheidende Rolle Ebola-Überlebende in der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen spielen
… warum unsere Ebola-Behandlungszelte mit transparenten Planen gebaut werden.
JETZT SPENDEN – Damit wir Menschen in unseren Projekten weltweit Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglichen können.
LINKS:
Alle aktuellen Informationen zum Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo findest du hier auf unserer Website.
Du willst mehr über die Lage im Osten der Republik Kongo erfahren? Dann höre in unsere Folge “Verhandlungen um Leben und Tod” rein.
Du willst mehr über unsere Schilder mit den durchgestrichenen Waffen wissen? Dann schau dir unseren 5 Minuten Videopodcast dazu an.
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Dieser Podcast wurde von Ärzte ohne Grenzen e.V. in Zusammenarbeit mit Christian Conradi produziert. Redaktion und Projektleitung: Clara Schneider, Andreas Koob und Regina Bischoff. Moderation: Anna Dushime, Christian Katzer. Aufnahme, Schnitt und Produktion: Christian Conradi. V. i. S. d. P. Jannik Rust, Ärzte ohne Grenzen e. V., Schwedenstr. 9, 13359 Berlin. Bild: MSF
Transkript anzeigen
00:00:00: Liebe Hörerinnen, bevor es hier gleich mit der aktuellen Folge losgeht ein kurzer Hinweis in eigener Sache.
00:00:05: Am dreißigsten Juni podkasten wir live im Refugio in Berliner Köln.
00:00:10: Anna und ich sprechen dann mit dem Cultural Mediator Kamil Ehuri über seinen Alltag an Bord des neuen Rettungsschiffes Ovion von Erzonen Grenzen – und warum sein Job als Cultural Medietar dort so wichtig ist!
00:00:22: Mehr Infos zu diesem Event findet ihr natürlich im Netz unter msf.de-Veranstaltung, der Link ist wie immer in den Schoenurts an und ich würde uns natürlich sehr freuen wenn wir uns dort alle sehen würden.
00:00:34: jetzt geht es aber los mit der heutigen Folge.
00:00:37: Unser Puffer wird immer weniger, immer weniger und es ist dann halt wirklich irgendwann nur noch ein Tag.
00:00:41: Und dann haben wir eben nicht mehr genug Flüssigkeit für unsere Patienten und Patientinnen.
00:00:46: Bei
00:00:46: Ebola-Fieber geht es darum die Patienten zu isolieren und dann zu behandeln weil jede Behandlung die Sterblichkeit senkt.
00:00:55: Notaufnahme der Podcast von Ärzte ohne Grenzen.
00:01:11: Anfang dieses Jahres war Christina Böhrer dort im Einsatz, sechs Wochen lang um einen Kollerausbruch einzudämmen.
00:01:16: Und während wir diese Folge vorbereitet haben hat sich die Lage im Land dramatisch zugespitzt denn genau in dieser Region ist das Ebola-Fieber genaue eine Krankheit, die durch den Bundy Budji Virus verursacht wurde ausgebrochen.
00:01:29: In dieser Folge werden wir meist einfach Ebola sagen wenn wir die Krankheiten ein.
00:01:33: Die Hilfe von Ärzten in Grenzen läuft gerade auf absoluten Hochtouren und wir wissen aus Erfahrung, wie entscheidend wirklich die ersten Tage und Wochen sind.
00:01:41: Deshalb haben wir uns entschieden heute Kohlerer UND Ebola Raum zu geben – auch um die Gleichzeitigkeit von Krisen zu zeigen!
00:01:48: Und wir werden sehen, wie viele Überschneidungen es bei Notfalleinsätzen zu Kohlerers und Ebola gibt.
00:01:52: Genau, also wir werden heute erst mit Christina Böhrer über ihren kurzfristigen Notfalleinsatz sprechen.
00:01:57: Über die logistischen Herausforderungen und den Zeitdruck, über Infektionskontrolle und Kontaktnachverfolgung – all das trifft auch auf dem NotfallEinsatz zum Ebola-Ausbruch zu!
00:02:07: Und dazu löchern wir anschließend den Tropenmediziner und Epidemiologen Max Gärtler mit unseren Fragen.
00:02:12: Damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge Notaufnahme!
00:02:15: Mein Name ist Anna Dushime, ich bin Podcasterin und Autorin.
00:02:18: Und
00:02:18: mein Name ist Christian Katzer, Ich bin Co-Moderator und Geschäftsführer für den Herzen und Ganzen hier in Deutschland.
00:02:22: Ein ganz herzliches Hallo an Chris und Max.
00:02:25: Schön, dass ihr heute hier seid.
00:02:26: Hallo!
00:02:27: Gerne, hallo!
00:02:28: Noch gleich ein ganz zum Anfang ein kurzer Transparenz in Weiß.
00:02:31: Wir zeichnen die Folge heute am dritten Juni auf... Die Lage in der demokratischen Republik Kongo vor allem Bezug auf Ebola ist absolut dynamisch.
00:02:39: Informiert euch einfach auf unserer Webseite oder auf allen unseren anderen Kanälen zu den aktuellen Entwicklungen, wir packen euch die Links natürlich in die Show-Nords.
00:02:47: Chris als Verantwortliche für Personal und Finanzen warst du Teil eines kleinen Notfallteams das die Aufgabe hatte in Baraka im Südosten der Demokratischen Republique Kongo einen Kollerausbruch einzudämmen.
00:02:58: Das Ganze nennt sich Emergency Einsatz Ganz schön dringlich und auch sehr kurzfristig.
00:03:04: Wie lief das ab?
00:03:05: Das kam alles superkurzfristig zusammen, ich habe einen Anruf bekommen am
00:03:09: XXIII.,
00:03:11: Nachmittag, mein letzter Tag im Büro.
00:03:14: Und dann wurde ich gefragt ob ich innerhalb von wenigen Tagen also vor Silvester noch ausreisen kann.
00:03:21: Und klar muss man das mal kurz in der Familie besprechen und ja los!
00:03:26: Jedenfalls die Organisation mit Visa-Flug usw.
00:03:29: musste natürlich alles super schnell gehen, aber Feiertage gibt es ja überall und Botschaften haben zu.
00:03:35: Das heißt dann hat sich doch noch mal alles ein bisschen verzögert.
00:03:37: Aber in der ersten Januarwoche saß ich im Flugzeug tatsächlich Und bin erst mal nach Burundi geflogen, weil im Kongo selbst die Einreise gar nicht möglich war.
00:03:47: Also die Region und auch die Stadt in der ich eingesetzt werden sollte also Badaka ist.
00:03:52: wegen dem Krieg sind die Flughäfen, Zufahrtstraßen alles gesperrt.
00:03:56: das heißt wir mussten praktisch über den Seeweg aus Burundí mit einem kleinen Boot erstmal als kleines Notfallteam rein Und im Endeffekt war das allererste Ziellagebewerten, Teamaufbau und erste medizinische Maßnahmen starten.
00:04:14: Als ich da angekommen bin, war die Lage super unübersichtlich.
00:04:17: Die Klinik war noch überhaupt gar nicht funktionsfähig Es gab viel zu wenig Betten Viele von den Patienten und Patientinnen mussten tatsächlich auch auf dem Boden liegen.
00:04:27: Es gab nicht genug Material, und zwar halt sofort.
00:04:30: klar ist es richtig ernst und wir müssen jetzt sofort mit allem
00:04:33: starten.".
00:04:35: Also du bist wirklich mitten in der Krise angekommen ne?
00:04:38: Bevor wir jetzt ganz konkret über die ersten Schritte vor Ort sprechen kannst Du Christian uns nochmal kurz sagen warum die Situation im Osten der demokratischen Republik Kongo so schwierig ist?
00:04:48: Total gerne und wir haben ja auch im vergangenen Jahr schon eine Folge zur aktuellen Eskalation in Ostkongo gemacht.
00:04:53: Unser Kollege Markus Bachmann berichtet da von extremer Gewalt, die selbst ihn als erfahrener Kollegen extrem sprachlos gemacht hat.
00:05:01: Die Folge verlinken wie auch nochmal den Chounots aber ganz generell der Ostkongos seit Jahren ein sehr komplexes Krisenregion.
00:05:08: Seit über drei Jahrzehnten prägen bewaffnete Konflikte das Leben der Menschen in der Region Und es sind, ich glaube mehr als hundert bewaffnete Gruppen aktiv.
00:05:18: Wir sehen in unseren Krankenhäusern das die Zivilbevölkerung den Preis für diesen Konflikt zahlt und neben den gravierenden Verletzungen aufgrund von heftiger Gewalt, die wir an den Krankenhäuser sehen berichten Patientinnen von Entführungen, von Misshandlungen und immer wieder von sexualisierter Gewalt.
00:05:37: Und gleichzeitig ist das Gesundheitssystem chronisch interfinanziert, ja auch aufgrund der Konflikte.
00:05:42: Personal wird nicht bezahlt, medizinisches Material fehlt, Impfkampagnen werden abgebrochen, vermeidbare Krankheiten wie Masern oder M-Pox oder eben auch Kohlera breiten sich dann extrem schnell aus weil es einfach kein funktionelles Gesundheitssystem gibt die das auffangen würde und aufgrund schwierig zusätzlich zu der Vielzahl an verletzten diese Krankheiten einzudämmen und zu behandeln, also für das existierende Gesundheitssystem.
00:06:09: Und deswegen brauchst dann immer wieder humanitäre Organisation wie Erzene Grenzen die dann vor Ort die Arbeit nach oben fährt und gegen Masern oder Cholera aktiv wird.
00:06:22: Also ich meine... Das klingt total düster, alles was du da gerade aufgezählt hast.
00:06:26: und mitten in dieser Krise warst du dann Christ.
00:06:29: Was war denn für dich die größte Herausforderung als du angefangen hast dort zu arbeiten?
00:06:34: Also man muss sich ja vorstellen dass wir in ein Geschehen reingekommen sind wo Kohlera schon in vollem Gange war sozusagen und das dann in einem Gebiet wo die Sicherheitslage so fragil uns so angespannt ist.
00:06:49: Du läufst, oder?
00:06:51: Wir könnten ja nicht mal laufen.
00:06:52: Also wir fahren durch die Straßen in unseren Autos und eigentlich fast jede Person, die wir sehen zu Fuß auf dem Motorrad, auf dem Fahrrad egal wo alle sind bewaffnet und nicht nur mit irgendeiner kleinen Waffe sondern mit automatischen Gewehren.
00:07:08: In teilweise Tarnkleidung, also das macht auch was mit dir.
00:07:11: Das macht einfach etwas mit deinem Gefühl.
00:07:14: Das machen natürlich auch etwas mit dir in deiner Arbeit wie du da rangehst und welche Freiheiten du hast, welche Möglichkeiten du auch hast.
00:07:21: Und dazu kommt ja auch dass die Stadt zwar selber nicht im Kriegszustand war es war eher so ein logistischer Knoten für das Militär aber es kommt halt trotzdem nicht wirklich jemand rein oder raus.
00:07:34: Das heißt die Riesenherausforderungen war die Logistik.
00:07:37: Und ich sage immer, auch wenn wir irgendwas egal welches Programm irgendwo starten.
00:07:42: Egal welche medizinische Hilfe leisten man sieht oft zu diesem Moment Aufnahme irgendeine Medizinerin macht irgend eine medizinischen Handlung an einem Patienten oder einer Patientin aber all das ist ja nicht vom Himmel gefallen.
00:07:54: also die Menschen müssen da hinkommen dass Material muss dahin kommen Die Medikamente müssen da hinkommen.
00:07:59: und wie schaffst du das?
00:08:00: Wenn drum herum einfach Krieg ist?
00:08:03: Das ist ein Riesen herausforderung.
00:08:05: Und dazu kommt natürlich auch die große Bevölkerungswanderung, also in der Stadt leben natürlich die Menschen, die ja schon immer gelebt haben.
00:08:14: Aber auch unheimlich viele Menschen, die in den letzten Monaten oder Jahren aufgrund von absolut krassen Gewalterfahrungen in der ganzen Region unterwegs sind.
00:08:23: Man sagt so Nordkivo und Südkivu also die zwei Bundesländer sozusagen drum herum, die sind in konstanter Bewegung und die die Menschen wandern konstant.
00:08:33: alle paar Monate müssen sie ihren ihre Heimat verlassen Und das macht auch wieder was mit Ressourcen Mit Möglichkeiten mit Krankheitsgeschichten Genau, und in dieses Setting kommt ein Kohlerer.
00:08:47: Und das obendrauf ist einfach unheimlich schwierig.
00:08:51: Ja, Christoph ist ganz gut, finde ich, plastisch beschrieben, dass diese chaotische Situation der die Menschen bewegen sich alle hin und her, Barakka als logistisches Hab mit vielen vertriebenen Menschen ... und das wird dann so ein absoluter medizinischer Notfall.
00:09:08: Und ganz kurze Cholera, dieses Jahr eine hoch anstrengende Magen-Damenfektion.
00:09:12: letztendlich unbehandelt kann sie innerhalb weniger Stunden tödlich sein weil die Menschen innerhalb kürzester Zeit wirklich extrem viel Wasser verlieren.
00:09:19: Gleichzeitig ist Cholara aber... echt gut und einfach behandelbar.
00:09:23: Wenn man gute medizinische Strukturen hat, die es ermöglichen dass Hygienestandards eingehalten werden und man genug sauberes Wasser und Medikamente zur Verfügung hat dann ist das gut behandelbar.
00:09:33: den Patientinnen wird halt Flüssigkeit zugeführt wird es einfach auch nur getrunken, so eine spezielle Salzlösung die dann halt dafür sorgt.
00:09:40: Das kennen wir alle kann vom Sport machen oder von Wandern das halt der Mineralienhaushalt wieder aufgebaut wird aber ist wirklich sehr einfach behandelbar und deswegen ist es halt wichtig da schnell zu reagieren und dafür zu sorgen dass halt die Materialien da sind.
00:09:55: Und die scheinen ja gefehlt zu haben Chris?
00:09:58: Ja genau!
00:09:59: Also, als ich ankam wurde uns gesagt es gäbe in der Stadt eine Krankenstation die auch wohl früher schon für verschiedene Ausbrüche von anderen Krankheiten genutzt wurde und da sind wir natürlich hin.
00:10:15: Und das ist dann aber auch nicht so ne Krankenstation wie man sich das vielleicht hier vorstellt sondern das ist an sich eine Struktur also ein Haus ein Gebäude mit Betonwänden aber zum Beispiel ohne Strom.
00:10:28: Es gibt einfach keine einzige Steckdose.
00:10:30: Und es gibt auch kein Licht in dem Moment, also es gibt einfach nur Räume die durch eine Tür vielleicht geschützt sind und da dann praktisch zu operieren, medizinisch zu behandeln ist schwierig.
00:10:45: Und dazu kommt das fehlende Material.
00:10:47: Dann ist man einfach im leeren Raum und hat Kodera-Patientinnen und dann wird's schwierig.
00:10:53: Also was willst du tatsächlich machen?
00:10:55: Und da kommen wir dann natürlich ins Spiel.
00:10:57: Wir bringen das Wissen, die Human Resources und das Material.
00:11:03: hinzu kommt jetzt die Sicherheitslage.
00:11:06: Die meisten Menschen sind bewaffnet.
00:11:07: Das heißt tatsächlich auch Angehörige sind bewappnet oder andere Männer, die einfach rein und rauf laufen.
00:11:17: Ich war ja geschützt durch meinen Logo sozusagen, mein T-Shirt.
00:11:22: Mein beruflichen Status.
00:11:23: aber wenn du da als Patientin drin nix und behandelt werden sollst und dann laufen einfach konstant... Also du bist ja schwach!
00:11:31: Du kannst dich kaum bewegen und dann laufen um dich herum halt bewaffnete Menschen Männer vor allem.
00:11:38: Das ist halt auch sehr, sehr schwierig.
00:11:40: Und die Patientinnen sind überhaupt nicht geschützt vor Übergriffen oder anderen Bedrohungen.
00:11:45: D. h., so die ganze Palette, die eigentlich eine Behandlung einfach und durch sichere Abläufe machbar machen würde, fehlt.
00:11:54: Da müssen wir an ganz vielen Stellen ansetzen.
00:11:57: Absolut!
00:11:59: Strickte Waffenverbot für alle Kliniken von Ärzten und Grenzen ist ein zentraler Punkt.
00:12:03: zum einen.
00:12:04: Natürlich, weil wir nicht als Konfliktpartei wahrgenommen werden wollen und dürfen.
00:12:09: also letztendlich erstmal der Schutz der Einrichtung dass da nicht bewaffnete Menschen drin sind die als Gefahr angesehen werden von einer anderen Gruppe und deswegen beschossen werden.
00:12:17: das andere aber des genauers wie du es beschreibst der Schutz Innen und der KollegInnen.
00:12:23: Also dass es auch keine Übergriffe gibt von Angehörigen, von Patientinnen gegenüber dem Personal.
00:12:29: also deswegen extrem wichtig.
00:12:31: Und das wir neutral und unparteiig sind heißt für uns auch, dass wir alle Menschen behandeln.
00:12:36: solange sie keine Waffen tragen oder reinbringen ist dann ganz praktisch oft so dass halt die Waffen sozusagen am Tor gelassen werden können, um dann zum Beispiel Angehörige zu besuchen oder sich selber behandeln zu lassen.
00:12:48: Um genau dafür zu sorgen, dass Kliniken ein sicherer Raum sind wo medizinisch gearbeitet werden kann.
00:12:54: Wir haben dazu auch einen Videopodcast gemacht den wir das nochmal ganz genau erklären und den verlinken wie euch natürlich noch mal.
00:13:01: Aber dieses System, dass keine Waffen zu uns rein dürfen muss ja erst einmal etabliert werden oder Chris?
00:13:07: Ja genau, weil wir sind ja vor allem keine Sicherheitskräfte.
00:13:10: Dann auch wieder nochmal ganz praktisch ich stehe an der Tür es kommt ein bewaffneter Mann und ich sage bitte keine Waffe und dann läuft er einfach an mir vorbei mit der Waffe.
00:13:19: so welche Möglichkeit habe ich denn?
00:13:21: Gar keine!
00:13:22: Ich werde mich ja dem nicht in den Weg stellen.
00:13:25: das heißt auch eine wirklich ganz kleine aber sehr wichtige Aktion Von mir eigentlich am ersten Tag war, fünfzig Schilder zu drucken mit durchgestrichenen Waffen in allen Größen.
00:13:37: Also von A zwei bis A sechs um es wirklich an jede Tür und jedes Fenster, an jede Ecke hängen zu kleben irgendwie mit dem Nagel oder wie auch immer.
00:13:47: Und dann wird immer wieder darauf hingewiesen Wir tapezieren sozusagen unsere Einrichtungen am Anfang mit diesen Schildern weil das für uns die absolute Grundlage ist, um arbeiten zu können.
00:13:59: Ja, und dann war natürlich der nächste Schritt Teamaufbauen.
00:14:03: Das heißt neben dem medizinischen Personal brauchen wir natürlich dann Wachleute die jetzt sich nicht in den Weg stellen aber die halt hinweisen auf verschiedene Regeln die bei uns in den Medizinischen Einrichtungen gelten und ja loslegen.
00:14:18: also es ging wirklich alles gleichzeitig Sicherheit, Team Geld, medizinisches Material Alles gleichzeitig.
00:14:25: Gingst dir da nicht manchmal so das Du nicht wusstest, wo du eigentlich anfangen sollst?
00:14:30: Dass da so viele Sachen sind irgendwie gleichzeitig angegangen werden müssen.
00:14:33: Dass man nicht richtig weiß, wo man ansetzen soll.
00:14:36: Ja doch ich glaube das Gefühl hat man so durchgehend sechs Wochen lang aber gleichzeitig hat man ja auch als Ärzte ohne Grenzen unheimlich viel Erfahrung.
00:14:47: also wir haben eine Prozesse die die sofort abgerufen werden.
00:14:51: Und man geht auch nicht in einen Notfalleinsatz, wenn man zum Beispiel noch keine Erfahrung in dem Gebiet hat oder selber vorher noch nicht in einem anderen Land im Einsatz war.
00:15:01: Das heißt ich komme an und ich weiß ganz genau für die Situation brauche ich die Abläufe.
00:15:07: Dann gucke ich kurz wo finde ich die Sachen?
00:15:09: Und dann los!
00:15:10: Auch die Kollegen vor Ort sind ein eingespieltes Team gerade auch im Kongo.
00:15:16: Wir sind da seit Jahrzehnten.
00:15:18: Das heißt, wir können auch da auf ganz viel Wissenstandards Erfahrung zurückgreifen.
00:15:25: Und dann ging das wirklich sehr gut und schnell.
00:15:29: Wir haben direkt auch fünfzig Leute rekrutiert für verschiedenste Tätigkeiten.
00:15:33: gerade am Anfang braucht es ja grundsätzliche Dinge wie Wände hochziehen, Löcher graben, Toiletten ausheben solche Sachen.
00:15:44: Da haben wir dann verschiedene Systeme, es gibt rotierende Systeme die die ganze Community mit einbinden.
00:15:50: Das heißt wir schauen dass wir sozusagen aus allen Stadtteilen auch Menschen bei uns dann beschäftigen ist ja auch wieder nicht die Community einzubinden.
00:16:00: Da gibt es ganz viele Aspekte.
00:16:01: Wir zeigen natürlich unsere Arbeit, das Schaffvertrauen.
00:16:04: Wir zahlen natürlich aber die Leute auch.
00:16:07: Das heißt wir sind ja auch eine Einkommensquelle.
00:16:10: Sie sehen MSF als Arbeitgeber können anderen davon erzählen.
00:16:14: also das ist nicht immer nur nur die Toilette ausheben oder nur das Loch graben sondern dahinter steckt auch ganz viel.
00:16:20: Wir gucken auch dass wir da ganz bewusst Frauen einstellen die dann eben Tätigkeiten machen können die auch für Frauen machbar sind.
00:16:29: bisschen die verschiedenen Aufgaben skizziert, also Löcherausgaben und so weiter.
00:16:34: Kannst du da ein bisschen näher noch mal darauf eingehen was die Leute ganz konkret gemacht haben?
00:16:38: Also wir mussten ja vor allem erstmal so gewisse Standards herstellen, die erst einmal nicht gegeben waren damit wir auch überhaupt mit der medizinischen Arbeit beginnen können.
00:16:49: Und dazu gehört dann zum Beispiel Gräbenzugraben, damit wir die Latrinen entleeren können.
00:16:55: Wir brauchen Teams, die tatsächlich diese Latrine entleert.
00:16:59: Andere haben nebenher weitere Latrinen gebaut.
00:17:02: Wir mussten natürlich auch Löcher graben, um Dinge zu entsorgen.
00:17:08: Wir haben Wachleute gebraucht die sicherstellen dass eben niemand mit den Waffen reinkommt.
00:17:13: wir haben ganz viel Reinigungspersonen eingebraucht weil viel Kohlerer natürlich auch mit Chlorin Desinfektionen einhergeht das heißt Leute die in Sicherheitsbereich betreten oder rausgehen verschiedene Handwasch, Sanitäranlagen überall.
00:17:29: Also auch bei uns zu Hause in den Krankenstationen an allen Ecken wo man sich bewegt oder begegnet.
00:17:35: und dann natürlich noch das ganze medizinische Personal.
00:17:38: die waren nicht alle bereit aus Barakka.
00:17:41: Die standen da nicht alle auf der Matte sondern da mussten viele erst mal anreisen.
00:17:46: Die mussten natürlich alle kontaktiert werden.
00:17:48: Arbeitsverträge mussten erstellt werden.
00:17:51: Knapp vierzig Arbeitsvertriege gemacht irgendwie in einer ersten Woche.
00:17:54: Und da habe ich schon auch gemerkt, dass wir ein unheimlich erfahrenes Team sind.
00:17:58: Dass uns unsere Protokolle und Standards zugutekommen und man da einfach sehr schnell einsatzfähig ist.
00:18:06: Und vor allem die Menschen vor Ort, die kannten unsere Organisationen.
00:18:11: Ich glaube, wir waren seit sechsundzwanzig Jahren in Baraka tätig – also wirklich lange!
00:18:18: Die meisten kannten Ärzte ohne Grenzen über irgendeine Ecke hatten wurden entweder selber schon behandelt oder kannten jemanden der oder die bei uns gearbeitet hat und haben sich auch wirklich stark engagiert.
00:18:31: Und es ist alles möglich gemacht, und es geht praktisch nicht nur darum jemandem in die Stadt zu bringen, der oder diese Experte für Wasser und Sanitär ist weil die Person alleine kann ja erstmal gar nicht so viel ausrichten sondern Es geht wirklich um das ganze Team Weil das eine riesengroße Leistung von sehr vielen Menschen gleichzeitig.
00:18:49: Absolut und darüber haben wir ja schon auch öfter hier im Podcast gesprochen, dass ungefähr neunzig Prozent unserer Mitarbeitenden immer aus den Orten, aus den Ländern kommen in denen wir arbeiten.
00:18:59: Ich finde an deinem Beispiel jetzt wieder sehr gut zu sehen wie schnell ein Festival es uns macht und wir absolut unabhängig sind weil wir durch private Spenden finanziert sind, dass wir dann vor Ort sagen okay wir brauchen jetzt Keine Ahnung, zehn Menschen, die da Gräben ausheben und zehn Menschen die Reinigung übernehmen.
00:19:17: Und können haben die finanziellen Mittel um da reagieren zu können besonders weil ja zum Beispiel diese Krise aus Kongo in Deutschland wenig präsent ist.
00:19:26: aber durch unsere Spendern haben wir halt die Möglichkeit mit genügend finanzielle Ressourcen auf so ein Ausbruch reagieren kann und das ratet im Moment einfach Leben.
00:19:37: Ja, absolut.
00:19:38: Geld war für uns in der Situation erstmal unheimlich wichtig aber gleichzeitig auch eine riesige Herausforderung.
00:19:45: Ich hatte ja auch am Anfang gesagt dass alles so schwer erreichbar ist.
00:19:48: das heißt die Dinge kommen natürlich auch schwer an Heißt im Umkehrschluss Angebot Nachfrage.
00:19:53: wenn dann doch mal was ankommt ist es halt zehnmal so teuer und Dann kann ich's entweder zum zehnfachen preis kaufen oder ich kaufe gar nicht.
00:20:00: Das heißt da muss man auch immer drauf reagieren gleichzeitig Bargeld zu bekommen, das muss da ja auch physisch hinkommen.
00:20:08: Wie kriege ich das denn überhaupt?
00:20:11: Das ist eine begrenzte Ressource.
00:20:13: und dann kommt noch dazu, dass Bargeld haben nicht ungefährlich ist.
00:20:19: Man muss sich vorstellen die Lebensumstände sind unheimlich prekär und dazu sind alle bewaffnet.
00:20:26: Diese Mischung ist sehr toxisch und explosiv.
00:20:31: Wir haben jetzt als Ärzte ohne Grenzen praktisch entschieden, dass wir auf die Bezahlung mit mobilem Banking, also mobile Money zurückgreifen und versuchen somit praktisch die Bargeldnutzung so niedrig wie möglich zu halten um weniger angreifbar zu sein.
00:20:48: Man hat ja dann verschiedene Tracing-Möglichkeiten man kann alles nachverfolgen, kann auch wirklich direkt... Also instant bezahlen.
00:20:56: Das hat auch schon Vorteile, natürlich hat nicht jeder dieses System aber die meisten schon und genau.
00:21:03: Okay also für die, die es nicht wissen Mobile Money das hatten wir auch im Podcast mit Markus Bachmann zum Ostkongo auch schon mal kurz gehört ist sehr beliebt vor allem in Ostafrika auch in Ronda.
00:21:12: verwenden wie das ganz viel.
00:21:13: das ist also ein digitales System bei dem Nutzerin Geld über ihr Handy also Mobiltelefon aufbewahren empfangen und versenden können können auch oft damit zahlen direkt.
00:21:23: Manchmal sagt man sogar Momo dazu, aber das ist jetzt nur als kleiner Exkurs.
00:21:28: Okay, erzähl weiter Chris!
00:21:29: Wie ging es dann weiter?
00:21:30: Ja also wir wussten ja, wir haben nicht viel Zeit.
00:21:32: Das heißt wir haben einfach non-stop daran gearbeitet ein großes Team zusammenzustellen die ersten Grundlagen zu schaffen Und gleichzeitig haben wir auf die Materiallieferung gewartet.
00:21:43: Also man muss sich vorstellen, dass wenn so ein Einsatz gestartet wird.
00:21:47: dann werden auf der einen Seite natürlich die Menschen rekrutiert.
00:21:49: Auf der anderen Seite wird aber auch erstmal die erste Materiallieffahrung losgeschickt weil sie braucht ja auch Zeit.
00:21:55: also ich brauche Zeit für mein Visum und meine Anreise.
00:21:58: Das gleiche braucht erst mal das Material auch.
00:22:00: D.h.,
00:22:01: das Material, was für Kohlereausbrüche schon in gewissen Kids sozusagen bereit steht wird dann gepackt und direkt losgeschickt vom Zoll abgefertigt.
00:22:11: Das Loschicken geht super schnell, das Ankommen dauert dann umso länger.
00:22:16: Der Weg ist langen und muss durch einige Zollstrukturen auch durch.
00:22:20: Also das hinkt zum Beispiel ewig lange in Addis Abeba fest.
00:22:24: Dann ist es in Burundi angekommen, hink da Ewigkeiten in den Lagerhallen fest.
00:22:30: Wir waren vor Ort jeden Tag hingegangen mit dem Zeug personal gesprochen.
00:22:34: Da muss das ja nochmal auf ein Schiff verladen werden, um über den See transportiert werden zu können.
00:22:40: Dann ist aber Sturm.
00:22:41: Da kommen Sachen zusammen, die man vielleicht nicht im Blick hat und auch nicht beeinflussen kann.
00:22:48: Dann ist der Zollbeamter einfach nicht da.
00:22:50: Wenn er nicht da ist, wird an dem Tag nichts abgefertigt.
00:22:54: Aber crazy, dass medizinische Notfallversorgung beim Zoll nicht eine Spezialbehandlung erfährt?
00:23:01: Würde man ja denken ... Ich glaube, wir kriegen schon die Spezial-Behandlung.
00:23:06: Die ist schon so langsam.
00:23:09: Und das heißt der Weg tatsächlich bis nach Baraka, der ist lang.
00:23:15: Wir sprechen hier von ungefähr vierzehn Tonnen medizinische Material auf das ich gewartet habe ganz persönlich und wie gesagt also da ist dabei Flugzeug, Lkw, Schiff... Das braucht ja auch alles Benzin!
00:23:30: Also so die kleinsten Dinge müssen alle irgendwie beachtet und organisiert werden und dann kam das halt einfach nicht.
00:23:38: Wir sitzen und unser Material läuft aus, wir haben nur ganz begrenzte Ressourcen.
00:23:42: Dann musst du doch natürlich lokal kaufen dann musst du zehn mal so viel bezahlen.
00:23:46: aber auch diese Dinge sind begrenzt.
00:23:48: das heißt man ist eigentlich den ganzen Tag am Hasseln schaffe ich es auf dieser Art oder die andere und man sucht immer Option abcde und schaut welche irgendwie gerade funktioniert.
00:23:57: und jeder tag ist einfach anders und unvorhersehbar.
00:24:00: und du weißt aber nur es muss funktionieren Ich muss einen Weg finden und gleichzeitig steigen halt die Kohle rauf helle.
00:24:09: Ich bin sehr in diesem finanziellen Personal und logistischen involviert.
00:24:14: Und jeden Morgen haben wir dann aber Briefing, und jeden Morgen kommen die Medizinerinnen um acht und geben die Fallzahlen durch.
00:24:21: Dann weißt du halt okay das muss funktionieren.
00:24:24: Die Steigenheit.
00:24:26: Wir müssen woanders hinkommen.
00:24:29: Auch wenn ich nicht so in dem medizinischen Moment drin stecke weil die sind im Behandlungszentrum damit es auch irgendwie weiter läuft.
00:24:37: Und so funktionieren wir halt alle in diesem Gefüge und spüren aber, glaube ich, auch diese Dringlichkeit die da dahinter steckt.
00:24:45: Du erzählst das ja jetzt gerade so?
00:24:46: Aber wie lange bist du dann quasi schon ohne Materiallieferung zu dem Zeitpunkt?
00:24:52: Also ich wurde Ende Dezember angefragt.
00:24:53: Material wurde EndeDezember geschickt.
00:24:55: Ich bin Mitte Januar angekommen.
00:24:57: Ich war sechs Wochen vor Ort und ich glaub zehn Tage bevor ich wieder nach Hause bin kam das Material also... Nein.
00:25:07: Die vierzehn Tonnen kamen an und wir hätten noch einen Tag gehabt mit Flüssigkeit.
00:25:15: Ich will gar nicht sagen B und C, wir hatten so einen Plan K und L und M. Aber es war schon sehr gut, dass das dann gekommen ist.
00:25:25: Aber ihr müsstet auch in dieser Zeit improvisieren?
00:25:29: Es geht ja nicht anders.
00:25:31: Absolut!
00:25:32: Dann guckst du halt in alle Richtungen.
00:25:35: Das war die logistische Seite.
00:25:36: Hinzu kommt aber, dass eine Woche nachdem ich da angefangen habe also in der absoluten Startphase wo wir alles aufbauen noch die Struktur nicht so wirklich da sind... Da ist dann regional das mobile Netz zusammengebrochen.
00:25:51: Und mit Regional meine ich auch nicht nur irgendwie so in Baraka und hundert Kilometer drum herum, sondern wirklich flächendeckend bis runter nach Tanzania.
00:25:59: Also zwischen Rwanda und Tanzania... Das sind die Küsten so ungefähr.
00:26:07: Das war wirklich krass!
00:26:08: Also innerhalb von ein paar Minuten waren wir abgeschnitten und jetzt auch wieder.
00:26:13: also nicht vergessen wo wir sind alles bewaffnet militär keine Möglichkeit zu gehen in dem Moment ja auch.
00:26:21: Und wir haben Satttelefone, mit denen wir trotzdem noch kommunizieren können im Notfall.
00:26:28: Da muss man dann natürlich wieder die ganzen Sicherheitsprotokoll befolgen und da muss man sich halt immer einen regelmäßigen Abständen melden.
00:26:36: Und gleichzeitig arbeitet man natürlich mit Hochdruck dran irgendwelche alternativen Lösungen zu finden.
00:26:41: Jetzt fragt man sich wie lange wird das dauern?
00:26:43: Wie lange dauert in Deutschland irgendwie ein Mobilfunkausfall?
00:26:46: paar Minuten vielleicht eine Stunde.
00:26:48: Im Ostkongo war's dann, glaub ich zwei Wochen.
00:26:52: Wo wirklich gar nichts ging?
00:26:54: Ja!
00:26:55: Man muss sich so vorstellen es gibt sowas wie Telekom und O-Two also dort ist halt praktisch eins der beiden ausgefallen.
00:27:03: das Problem war nur dass unser komplettes Bankingsystem unser kompletes Kommunikationssystem genau an diesem an diesem Netzwerk ging.
00:27:11: Das heißt auch so blöd wie es klingt aber ich kann keine einzige Kollegin mehr anrufen weil ich habe nur die Telekommennummern sozusagen.
00:27:19: Ich habe keine Auto-Nummer, ich selber hab keine und die Kollegin hat
00:27:23: keine.".
00:27:24: Das heißt von Sekunde Null bist du einfach raus?
00:27:28: Genau um es kurz einzuordnen.
00:27:29: also diese Kommunikation ist zum einen natürlich wichtig was Du beschrieben hattest um überhaupt bezahlen zu können um die Leute zu erreichen zu sagen hey du musst morgen arbeiten als jemand krank geworden kannst du arbeiten kommen oder ähnliches.
00:27:38: ja das hat nicht mehr funktioniert.
00:27:39: aber auf andersrum ist natürlich auch extrem wichtig dass der Kontakt mit dem Team weiter da sehr dass die Menschen Zum Beispiel hier in Hennet Quarters in Europa wissen, dass es dem Team gut geht.
00:27:51: Dass die Sicherheitslage akzeptabel ist und das Team weit unterstützen zu können.
00:27:54: Und deswegen sind solche Kommunikations-Blackouts eine extreme Herausforderung.
00:28:00: Da ist es schon wichtig, dass auch Menschen für Ort sind Wo wir uns darauf verlassen, dass die Erfahrung da ist.
00:28:07: Dass sie weiter arbeiten können und sich in der sicherheitsrelevanten Situation richtig verhalten können.
00:28:12: Aber das sind natürlich absolute Extremsituationen für das ganze Team und die Organisation dann immer.
00:28:18: Und was habt ihr denn gemacht?
00:28:21: Wie geht dir mit dieser Situation um?
00:28:24: Das ist so ein bisschen dieser Aktionismus, den man von hier kennt.
00:28:27: Also wenn man hier lebt dann fragt man mal und das hast du gemacht?
00:28:30: Hier hat man so viele Möglichkeiten was du halt machen kannst.
00:28:33: aber wenn du in Barakas sitzt und kein Netzwerk hast da machst du einfach gar nichts Weil du kannst da einfach nichts machen.
00:28:41: Aber das ist das Anstrengste gar nicht der Welt, oder?
00:28:44: Man kann ja wirklich... Ja aber du musst dir halt auch vorstellen jede Möglichkeit die du anfängst zu denken dann kommst du ganz schnell an dem Punkt wo ne geht nicht, also geht nicht wird auch nicht gehen in den nächsten zwei drei Stunden oder zwei drei Tagen oder was auch immer.
00:28:58: das heißt Man muss mit sehr begrenzten Ressourcen einfach in dem Moment ad hoc irgendwie was versuchen.
00:29:04: Also tatsächlich Leute los schicken, dann musst du halt jemanden losschicken sagen so Du musst jetzt da hinfahren und musst da Bescheid geben das.
00:29:11: Oder jemandem sagen, dass die Person irgendwo wirklich Oldschooler muss man da hinlaufen.
00:29:16: Und was Christian gesagt hat natürlich alle auf ihren unterschiedlichen Leveln zum Beispiel.
00:29:21: Die Projektleitung versucht natürlich die Hauptstadt zu erreichen und versucht natürlich so auf diesem Level zu kommunizieren.
00:29:27: uns geht's gut.
00:29:29: es ist nicht hier ist nichts passiert sondern das Blackout und wir haben die und die Möglichkeiten.
00:29:34: ich gucke natürlich nach dem Personal nach den verschiedenen Möglichkeiten die wir haben.
00:29:39: Ich versuche die ganzen finanziellen Ströme wieder herzustellen.
00:29:44: Aber wie?
00:29:45: Ich kann ja noch nicht mal hier hinten anrufen und zu fragen, wie machen wir es denn?
00:29:49: Das heißt das Erste was wir gemacht haben ist an die Ecke laufen.
00:29:53: Wir hatten ein bisschen Bargeld als Reserve da.
00:29:57: Die erste Person habe ich das Bargeld in die Hand gedrückt hab sie an die ecke geschickt hab gesagt kauf jetzt einfach mal fünfzig SIM-Karten von diesem anderen Netzanbieter.
00:30:05: holt sich einfach unregistriert.
00:30:07: völlig egal Paxi mit irgendeinem Startbudget voll so schnell wie möglich bringt sie her und da haben wir sie im Karten verteilt an strategischen Menschen, um überhaupt operationell bleiben zu können.
00:30:18: Aber natürlich versuchen alle das Gleiche – ich bin ja nicht die Einzige, die diese Idee hatte, sondern alle Menschen in dieser Stadt hatten die gleiche Idee!
00:30:25: Alle sind losgelaufen, haben Alternative zum Karten gekauft….
00:30:30: Auch vielleicht noch mal zur Einordnung.
00:30:32: Die Region, die das praktisch betroffen hat ist ein Gebiet so groß wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen.
00:30:41: Und in dieser Region haben jetzt alle das Netz weggewechselt.
00:30:44: Das hat natürlich auch sofort überlastet!
00:30:47: Naja, aber wir haben ja ein gutes Standing und werden unheimlich viel Unterstützung auch von der Bevölkerung bekommen in jede Richtung.
00:30:55: Also auch dass zum Beispiel wir Gehälter nicht zahlen können.
00:30:58: Dann haben wir halt trotzdem Mitarbeiter, die jeden Tag zur Arbeit kommen und natürlich da hängen ganze Familien dran.
00:31:05: Manchmal ist es ja die einzige Person, die arbeitet in der ganzen Familie.
00:31:10: Aber da ist natürlich sehr viel Verständnis da und dann wird trotzdem gearbeitet.
00:31:13: Und auf Hochtouren haben wir dann halt versucht, das Ganze zu lösen.
00:31:17: Ich meine parallel kommen ja weiter unsere Patienten und Patientinnen.
00:31:20: also die bleiben ja nicht irgendwo stehen weil das Netz weg zusammengebrochen ist.
00:31:24: nur die Arbeit wird halt umso intensiver und schwieriger.
00:31:27: Und ich würde sagen so nach so drei vier Tagen haben wir ein System etabliert dass uns praktisch eine einigermaßen reibungslose Weiterarbeit ermöglicht hat.
00:31:38: Aber die Tage waren Tafel.
00:31:40: Ja, das klingt mega ... Ehrlich gesagt fast unmöglich!
00:31:44: Ich weiß gar nicht wie man es schafft.
00:31:45: und auch für die Menschen vor Ort, die so leidgebeutelt sind, dass da immer noch was draufkommt.
00:31:51: Noch irgendwas.
00:31:52: Okay aber nochmal zu Einordnung.
00:31:54: Das Internet kommt langsam zurück, ihr habt ein paar SIM-Karten finden können, verteilt vielleicht auch wieder Geld und könnt kommunizieren.
00:32:02: ist das medizinische Material endlich angekommen oder steckt's noch im Borundi fest?
00:32:06: Nee, nee.
00:32:07: Das steckt immer noch in Burundi... Oh Christ!
00:32:12: Genau und naja.
00:32:14: also wie auch vorhin schon mal erwähnt ne wir wussten ja dann irgendwann unser Puffer wird immer weniger immer weniger und das ist dann halt wirklich irgendwann nur noch ein Tag Und dann haben wir eben nicht mehr genug Flüssigkeit für unsere Patienten und Patientinnen, um sie halt zu versorgen.
00:32:30: Auch noch mal was Christian auch gesagt hat es ist ja wirklich nur diese Art Kochsalz-Lösung die diese Flüssigkeitszufuhr, die so unheimlich wichtig ist der Großhelbe handelbar.
00:32:43: Deswegen ist es auch so frustrierend manchmal, dass dann eben genau... Das ist kein Zaubermittel ne?
00:32:47: Das ist was eigentlich einfaches, das ist echt krass!
00:32:51: Wir haben ja wirklich nicht damit gerechnet, dass wir so lange überbrücken müssen und am Ende war das halt zwei Monate unterwegs wie ich vorhin schon gesagt hatte.
00:33:00: Und wie war die Situation im Krankenhaus dann?
00:33:02: also du hast ja schon gesagt alle waren total glücklich und stolz aber jetzt ist das Internet wieder da die vierzehn Tonnen medizinisches Material sind endlich angekommen.
00:33:10: Wie geht's weiter?
00:33:11: In der Zeit, in der wir gewartet haben, saßen wir auch nicht mit den Händen im Schoß sondern in der Zeit sind halt sehr viele konstruktive Dinge passiert.
00:33:18: Also gerade diese ganzen Abläufe also wo kommen infizierte Menschen lang?
00:33:24: Wo kommen nicht infizierte Menschen lang?
00:33:26: Essen, Versorgung, Angehörige aber auch zum Beispiel Schutzräume für Frauen mit Kindern zu schaffen eben die Waffen draußen zu lassen.
00:33:35: All diese strukturellen Dinge, die ja auch unheimlich wichtig sind für die Behandlung zwischenzeit ja weiter gelaufen.
00:33:43: Und als dann das Material da war, ist praktisch das eine große wichtige Puzzleteil noch mit reingefallen.
00:33:48: und dann lief halt die ganze Maschinerie rund.
00:33:52: Wir hatten die Latrien entleert, wir hatten ein System für das Abfallmanagement implementiert.
00:33:58: Konnten da natürlich dann dadurch eine ganz andere Basis schaffen?
00:34:01: Hatten diesen Patientinnenkreislauf, die Infektionskontrolle wirklich auch dicht und eingeübt und praktiziert so dass da auch keine Fehler mehr passiert sind.
00:34:12: Die Patientinnen konnten gut behandelt werden.
00:34:14: Die Waffen waren draußen.
00:34:16: Wir hatten Soldatzellen auf dem Dach, wir haben Licht, wir hätten einen Generator Und dann war eigentlich alles aufgesetzt und ja, alles hat ineinander gegriffen.
00:34:26: Als ich danach knapp sechs Wochen auf dem Weg rausfahre, waren wir mit den Fallzahlen von knapp zweihundert auf knapp zehn pro Woche runter.
00:34:38: Das war schon eine Riesenleistung vom ganzen Team.
00:34:43: Das ist auch was wo du weißt warum du da bist, warum du das alles gemacht hast.
00:34:48: Du weißt auch, du kannst das Projekt jetzt übergeben und es ist was Gutes passiert.
00:34:52: Genau die sechs Wochen das zeigt jetzt auch wieder.
00:34:53: ja also unser Erfahrung ganz klar dass wir es meist schaffen, in der Zeit halt wenn wir Materialien und die Menschen vor Ort haben Fallzahlen im Kohlerausbruch nach unten zu drücken einfach durch die Behandlung, durch die verbesserte Sanitär für die Patientinnen und Übertragung zu verhindern.
00:35:10: Und gucken dann wirklich sehr kritisch ob wir denn noch gebraucht werden oder ob da nicht zum Beispiel das lokale Gesundheitspersonal den Ausbruch weiter behandeln kann hoffentlich weniger Patientinnen pro Woche selber behandeln können.
00:35:26: Wir würden dann Material da lassen und zurückziehen.
00:35:29: oder wenn es dann halt, ja wir merken erstens der Ausbruchs noch nicht vorbei oder der Bedarf ist strukturell, dann würde so ein Projekt in ein längerfristiges Projekt übergehen und von drunter und drüber.
00:35:41: Wie Chris hat super beschrieben wie so eine Notfalleinsätze aussieht wirklich auf den Standards gehalten werden?
00:35:45: Und wir könnten uns dann lang längerfristig um das Wohl der Patientin in der Region kümmern.
00:35:51: Genau, wir hatten jetzt dann praktisch als sozusagen dieser Notfallzeitraum rum war.
00:35:57: Haben wir noch mal ein paar Monate mit dem Projekt dran gehangen wie Christian auch gerade beschrieben hat und da war der Fokus tatsächlich auf die Communities.
00:36:05: Das heißt während... Wir, die ganzen Patienten in dieser akuten Phase bei uns aufgenommen haben.
00:36:13: Haben wir auch die Daten erhoben?
00:36:14: Woher kommen die Leute eigentlich, die infiziert sind?
00:36:18: Wo stecken sie sich an und haben nach den Infektionsquellen geschaut?
00:36:22: Und haben dann angefangen dort zu arbeiten.
00:36:26: Auch dort des Infektionmaßnahmen zu starten das Trinkwasser zu arbeiten usw.
00:36:33: Diese Arbeit ... viel in so präventive Ansätze übergeht, die haben wir dann noch weiter intensiviert.
00:36:41: Das heißt diese akute Behandlungsphase nimmt dann irgendwann Ende und geht soüber in diese Communityarbeit und Prävention.
00:36:49: Da gibt es dann vor allem so Aktivitäten wie hygienische Beratungen, Aufklärung über Ansteckung, Verlauf Und ich habe da auch nach wie vor Kontakt mit meinen Kolleginnen vor Ort.
00:37:04: Das Projekt war ursprünglich bis Ende Juni, Anfang Juli geplant.
00:37:09: Das wird wahrscheinlich jetzt bis Ende Juli laufen und dann können wir aber auch guten Gewissens uns zurückziehen.
00:37:16: Dann haben wir praktisch behandelt die Präventionsmaßnahmen nochmal eingeleitet viel mit der Community gearbeitet und können das in die Hände des Gesundheitsministeriums übergeben.
00:37:28: Genau, du hast den Prozess echt gerade gut beschrieben.
00:37:30: Wir ziehen uns da als Organisationen nicht einfach zurück und sagen okay jetzt sind es nur noch zehn pro Woche tschüss sondern wir setzen es dann mit den lokalen Behörden zusammen mit den Menschen zusammen und versuchen da uns geordnet zurückzuziehen Strukturen die aufgebaut sind zu hinterlassen und das endlich dafür zu sorgen dass zumindest in dem Ausbruch das ordentlich abgeschlossen werden kann lokalen Gesundheitsmitarbeitenden befähigen, da qualitativ eine hochwertige Arbeit zu machen.
00:38:01: Also ich muss sagen, ich bin vom Zuhören alleine schon echt erschöpft und ich frag mich wie ging es dir danach?
00:38:08: Ja, man merkt ja die Belastung meistens erst später.
00:38:13: Also wenn man mittendrin ist und das Adrenalin auf Hochtouren läuft, dann funktioniert man.
00:38:18: Und man weiß auch, man muss funktionieren.
00:38:20: ganz oft ist da so die letzte Woche wo man schon weiß okay in fünf Tagen fliege ich raus.
00:38:27: Dann lässt so psychologisch einfach.
00:38:29: innerlich gibt es einen Punkt wo man loslässt.
00:38:32: Ab diesem Punkt geht's dann abwärts mit Energie mit allem, was man so irgendwie die ganze Zeit gegeben hat.
00:38:40: Genau also es macht auch schon Sinn, dass so Notfalleinsätze immer zeitlich begrenzt sind.
00:38:45: Meistens bei Ärzte ohne Grenzen sechs bis acht Wochen das hat sich jetzt auch mitten mit meiner Zeit ein bisschen überschnitten.
00:38:51: Es ist ja praktisch die enorme Belastung passiert.
00:38:54: ja weil es gibt keine Pause.
00:38:56: aufgrund von der Sicherheitslage habe ich am gleichen Ort gelebt gearbeitet meine Freizeit verbracht.
00:39:02: da kommst du einfach nicht raus.
00:39:04: Gleichzeitig arbeitet man in einer anderen Sprache.
00:39:07: Man arbeitet an einer anderen Kultur und muss neben all dem schnellen, medizinischen, logistischen Professionellen auch innerhalb dieser Kultur agieren.
00:39:19: Das heißt den ganzen Tag bist du ja nonstop am Denken.
00:39:24: Am Denken und am Organisieren und am dich anpassen dann deine Abläufe anpassen.
00:39:31: Das am Ende ist wirklich anstrengend, aber es hat auch die einzige Möglichkeit, es gut zu machen und auch die einzig richtige meiner Meinung nach Möglichkeit das zu tun.
00:39:42: Und genau deswegen auch die zeitliche Begrenzung.
00:39:45: ich bin mit einem Gefühl gegangen dass wir gemeinsam das schlimmste abgewendet haben, dass wir ein richtig richtig gutes Projekt aufgesetzt haben, das alle alles gegeben haben und da waren wir ja vier Menschen Kongolesen oder Kongolesinnen waren und vierzig kongolesische KollegInnen.
00:40:06: Also das Verhältnis des ganzen Teams war auch wirklich so herausragend, da war es so viel Wissen und Kenntnis einfach da auf der Seite der Kolleginnen vor Ort Und wir haben einfach ein bisschen mitgemacht und da einiges gewuppt und das war richtig gut.
00:40:25: Und dann kann man auch mit einem guten Gewissen gehen und es in Hände übergeben, von denen man weiß, dass das gut weiterführt.
00:40:31: Also ich glaube, das war ein bisschen mehr als nur ein bisschen mitgemacht.
00:40:34: Ich bin froh, dass es Menschen wie dich, Chris gibt und ganz viele Ärzte ohne Grenzen Mitarbeitende die in diese Regionen gehen und vor Ort helfen und mit den lokalen Teams zusammenarbeiten.
00:40:45: Vielen vielen Dank für diesen extrem spannenden anschaulichen Einblick!
00:40:48: Und dass du uns diese herausfordernden Wochen so packend geschildert hast.
00:40:52: Danke schön, Chris.
00:40:53: Auch von mir vielen Dank.
00:40:54: Sehr gerne und danke fürs Zuhören!
00:40:56: Wir bleiben in der Region auch in derselben Krise, die hat durch den Ebola-Ausbruch ein ganz neues Gesicht bekommen.
00:41:02: Und dafür ist jetzt Max unser Experte.
00:41:04: Max du bist Tropenarzt und Epidemiologe.
00:41:07: Du warst vergangenes Jahr im Nordosten der demokratischen Republik Kongo ebenfalls für einen Notfalleinsatz um Cholera einzudämmen.
00:41:14: wir sprechen heute aber auch mit dir weil du Erfahrungen mit Ausbrüchen des Ebola-Fiebers hast.
00:41:18: Seit Jahrzehntelten war es Teil des Notfallteams, das in Guinea-Conakry während des großen Ebola Ausbruchs in Westafrika die Menschen behandelt hat.
00:41:26: Wir haben sie ja ganz am Anfang schon angesprochen.
00:41:27: Vieles was Chris gerade erzählt hat ist auch im aktuellen Einsatz zur Eindämmung des Ebola Fiebers wichtig.
00:41:33: Max welche Parallelen siehst du denn zum aktuellen Ebola ausbruch?
00:41:36: In der demokratischen Republik Kongo und Uganda?
00:41:39: Da gibt's eine Menge Gemeinsamkeiten.
00:41:40: bei den Epidemien Mensch zu Mensch übertragender Erreger sowieso.
00:41:45: Da geht es immer um Isolierung von Erkrankten, um gute Aufklärung der Bevölkerung.
00:41:50: Überhaupt ein gutes Zusammenarbeiten mit der Bevölkerungen was viel Vertrauen voraussetzt.
00:41:54: Kohlera und Ebola sind ja zwei wirklich unterschiedliche Krankheitserreger.
00:41:58: Ein Bakterium, ein Virus verursachen unterschiedliche Symptome Und trotzdem macht die Situation in Kongo und dass wir dort diese Ausbrüche regelmäßig sehen so deutlich.
00:42:11: Das Medizinische ist das eine für das Entwickeln einer Krankheit, aber der Boden auf dem so eine Epidemie gedeiht oder dann für ganze große Bevölkerung tödlich ist.
00:42:26: Das ist die soziale Situation der Menschen dort.
00:42:28: Es ist die Armut, der Krieg, die Gewalt, die politische Instabilität und natürlich hier ganz besonders ein Gesundheitssystem, das mit solchen Erkrankungen überfordert
00:42:39: ist.".
00:42:39: Was Ebola und Kulera unterscheidet von den Epidemien her ist, Ebola ist nicht so wahnsinnig anstecken wie wir das immer auf dem Schirm haben.
00:42:50: Ebola ist dafür aber unbehandelt sehr häufig tödlich.
00:42:53: Man kann häufig tötlich verlaufen und macht es vor allem deswegen bedrohlich.
00:43:01: Außerdem sieht man natürlich die Erreger nicht, es kann eine kleine Menge Erregeaufnahmen reichen um krank zu machen Und deswegen hat man mit dieser hohen Sterblichkeit und fehlenden Medikamenten keine andere Chance als diesen starken, robusten Infektionsschutz aufzubauen den wir da üblicherweise sehen.
00:43:19: Kannst du uns vielleicht erklären was Ebola-Fieber eigentlich mit den Menschen macht?
00:43:22: Also wie würdest Du das beschreiben?
00:43:24: Von der Pathophysiologie her ist es ein gar nicht so kleines Virus dass eine Vielzahl von Zellen im menschlichen Körper angreift an einen wie viele Infektionkrankheiten recht unspezifisches Bild am Anfang macht mit Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen kurz um.
00:43:40: Warum sage ich das?
00:43:41: Weil man das nicht erkennen kann anhand der Symptomatik gerade in der frühen Phase.
00:43:45: aber dann sind die Personen trotzdem schon ansteckend.
00:43:48: Und das ist natürlich für das Personal in den Gesundheitseinrichtungen im Zentralafrika dass laufend mit fibrigen Krankheitsbildern zu tun hat sehr häufig.
00:43:58: es ist Malaria können auch Masern Atemwegserkrankung
00:44:01: usw.,
00:44:02: wo man nicht so einen hohen Infektionsschutz Anwenden würde automatisch und schon gar nicht, wenn nicht immer das Material selbstverständlich vorhanden ist.
00:44:12: Das macht es so perfide dieses unspezifische mäßige Krankheitsbild am Anfang.
00:44:17: In der Folge in den Folgetagen entwickeln viele Patienten ein sehr schweres Krankheits Bild durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems im Rahmen dessens zum allgemeinen Organversagen von Nieren Daum und auch der Blutgerinnung kommen kann.
00:44:32: Im letzten Fall kommt es zu den Blutungen dann typischerweise, die das Bild so prägen, auch wenn wir das gar nicht so häufig sehen.
00:44:41: Und das ist eine Situation medizinisch, die man in vielen Regionen wo dieses Virus auftaucht, nicht gut beherrschen kann.
00:44:48: Wird Ebola über die Luft übertragen oder über Körperkontakt?
00:44:53: Wichtig, darüber zu sprechen.
00:44:55: Das wird nicht über die luftübertragend wie Covid-Masern und Gripper, sondern das ist klassischerweise Schmierinfektion.
00:45:01: also man muss im Grunde Körperflüssigkeiten der Kranken in den eigenen Körper aufnehmen.
00:45:07: überschleimen heute wunden Nadelstichverletzungen im Gesundheitskontext sind eine sehr gefährliche Angelegenheit.
00:45:14: also körperflüssigkeiten wie Blut erbrochenes Stuhl schweiß können ansteckend sein, sind anstecken in allermeisten Fällen und machen den unmittelbaren Kontakt zwischen den Menschen so gefährlich.
00:45:25: Und führen zu den tragischen Infektionsketten in Familien wo dann Pflegende erkranken und auch natürlich Gesundheitsmitarbeiter.
00:45:35: Wie hoch ist die Sterblichkeit über die wir hier bei Ebola-Fieber sprechen?
00:45:38: Das hätte ich gesagt, die Dramatik von Ebola wird durch die hohe Sterblichkeit wenn man keine Behandlungsmöglichkeiten hat ausgemacht.
00:45:46: Wir kennen Ausbrüche wo das bei siebzig bis neunzig Prozent war.
00:45:50: es gibt Ausbräuche wo die Sterblichkeit wesentlich geringer war.
00:45:53: Das kann auch.
00:45:54: die Statistik kann da auch verzerrt sein in Kontexten wo man keine sicheren Daten hat.
00:46:00: Wenn zum Beispiel am Anfang der Ausbrücke gar nicht alle Leichterkrankten gefunden werden dann ist die Sterbligkeit statistisch höher als später, wenn man eine besseres Monitoring hat.
00:46:10: Und dann gibt es möglicherweise Unterschiede bei den verschiedenen Viren, die das Ebola-Fieber oder die Ebola-Krankheit auslösen.
00:46:19: und da ist aber vieles muss man ehrlich sein auch nicht sicher was da wirklich an der Struktur des Virus oder an der Immunreaktion liegt oder ob das auch mit den Ausbrüchen zu tun hatte.
00:46:29: Bundy Buczow hatten wir ja erst zweimal im Grunde in dem Jahr.
00:46:33: Da war die Sterblichkeit niedriger als in anderen Ebola-Ausbrüchen.
00:46:37: Und kannst du uns so eine Zahl nennen?
00:46:40: Du hast ja gerade von siebzig bis neunzig gesprochen, was echt krass ist.
00:46:43: Aber bei diesem aktuellen Erreger, wo liegen wir da zahlenmäßig?
00:46:47: Bei den beiden Ausbrüchern, die es schon gab lag die Sterbligkeit zwischen fünfunddreißig und fünfzig Prozent wenn ich das richtig erinnere.
00:46:53: Das ist niedrige.
00:46:55: aber Ich finde wichtiger ist zu betonen bei Ebola oder Ebola-Fieber geht es darum, überhaupt die Patienten zu isolieren und dann zu behandeln.
00:47:04: Weil jede Behandlung ... Die Sterblichkeit senkt!
00:47:08: Wir wissen das Patienten, die aufgenommen werden in Ebola-Behandlungszentren niedriger Sterblichkeiten haben als solche, die gar keine Hilfe bekommen.
00:47:15: Wir wissen dass wenn wir den ausreichend Flüssigkeit geben können, wenn wir Kreislauf stabilisieren können... Wenn wir Co-Infektionen behandeln, dass dann die Sterblichtkeit weiter sinkt.
00:47:24: Mehr Medizin man adäquat an die Erkrankten bringen kann, desto erfolgreicher ist man.
00:47:31: Dann schafft man unter Umständen an die zwanzig Prozent auf ungefähr dieses Level der Sterblichkeit zu
00:47:36: kommen.".
00:47:38: Die Situation entwickelt sich ja gerade ziemlich schnell also die Fälle im Osten der demokratischen Republik Kongu werden immer mehr in Uganda ebenfalls.
00:47:45: wie ernst ist die Lage gerade?
00:47:47: Na, heute ist die Lage extrem ernst.
00:47:49: Die Zahl der Verdachtsfälle und der Todesfälle steigt extrem schnell.
00:47:52: Gleichzeitig wissen wir natürlich dass wir längst nicht alle Fälle erfasst haben oder erfasst wurden.
00:47:58: das tatsächliche Ausmaß des Ausbaus liegt vor allem aufgrund fehlender Diagnostik und daher einer hohen Dunkelziffer wahrscheinlich noch weiter höher.
00:48:08: und es vollumfänglich bekannt was die Situation zusätzlich verschärft Und das haben wir ja sowohl von Chris Alsach, von Max schon gehört ist dass der Ausbruch in der Region stattfindet die ohnehin vom bewaffneten Konflikten Vertreibung und einem überlasteten und schwachen Gesundheitssystem geprägt ist.
00:48:26: Die heftigen Kämpfe zwischen den bewaffneten Gruppen und den Regierungstruppen haben sich letztendlich noch verschärft in den letzten Wochen und Monaten und daher kam es zu nochmal einer entsprechend großen Fluchtbewegungen.
00:48:37: Kolarer Malaria Masern sind hier schon extremer Herausforderungen.
00:48:43: Und das ist wirklich eine extrem schwierige Ausgangslage für die Eindämmung von Ebola-Fieber, was jetzt noch dazukommt.
00:48:49: Das spielt alles mit rein, warum dann Diagnose, Isolation und Behandlung aber auch die Nachverfolgung der Krakten zurzeit einfach extrem schwierig
00:48:58: sind.".
00:48:58: Ja es klingt echt heftig!
00:48:59: Also vor allem diese Gleichzeitigkeit von Krieg, Armut, Krankheitsausbrüchen ist unvorstellbar.
00:49:05: Max, was macht denn diesen Ausbruch so besonders schwierig im Vergleich zu früheren?
00:49:10: Der Kontext, das hat Christian noch mal ausgeführt.
00:49:13: Dass das eine, dass bei Aufdeckung eines Ausbruchs wir bereits über zweihundertfünfzig Fälle sprechen so wie es am fünfzehnten Mai der Fall war.
00:49:21: Das ist auch etwas was für die letzten zwölf Jahre absolut ungewöhnlich ist Die große Epidemie mit dreißigtausend Fällen in Westafrika.
00:49:29: da hatten wir ja am Anfang auch mittlere zweistellige Zahlen glaube ich und durch das Versagen der internationalen Aufmerksamkeit und Hilfe ist es dann zu dieser Tragödie mit so vielen Fällen gekommen.
00:49:43: Jetzt sehen wir eine noch höhere Zahl am Anfang.
00:49:47: in diesem Kontext, das macht auf jeden Fall erstmal besorgt.
00:49:50: die epidemiologischen Parameter sind da also.
00:49:53: so viele Fälle so ein großes Ausbreitungsgebiet so eine Dynamik ist sehr besorgniserregend.
00:49:59: medizinisch kommen natürlich noch Aspekte dazu.
00:50:03: Das Virus kennen wir nicht so gut Es gibt keine ... Also es gibt auch Diagnostika dafür, aber das ist nicht so etabliert wie für das Sairevirus.
00:50:13: Wahrscheinlich auch deshalb die späte Entdeckung.
00:50:16: Zweitens gibt's hier bisher keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Virus und keine kausal wirkenden Medikamente von denen wir wissen dass sie tatsächlich das Virus im Körper bekämpfen können.
00:50:30: Und ein dritter Aspekt dazu kommt weniger medizinisch.
00:50:33: Das ist das erschütternd niedrige Vertrauen der Bevölkerung in die Gesundheitsversorgung, in den Helfen verschiedener Strukturen und Organisationen.
00:50:43: Die jetzt präventive Maßnahmen umsetzen müssten.
00:50:47: und Prävention ist nun mal eine Bevölkerungsaktivität.
00:50:52: Gemeinden setzt Kooperation mit der Bevölkerungsvoraus – das setzt Vertrauen voraus.
00:50:57: Das macht es im Moment ganz, ganz schwer.
00:51:00: Warum ist das so wichtig?
00:51:01: Warum ist Vertrauen so wichtig für die Eindämmung?
00:51:03: Da
00:51:04: beschäftigen sich zum Glück auch bei MSF echte Spezialistinnen und Spezialisten mit, diese ... das zu verstehen.
00:51:10: Das ist ja auch von Kontext-zu-Kontext unterschiedlich.
00:51:13: Aber wir erleben das immer wieder, dass es Gruppen gibt, die das ganze Konzept des Virus ablehnen.
00:51:20: oder der Mensch zur Menschenübertragung.
00:51:23: Und dann kennen wir ja auch aus unseren eigenen Erfahrungen, wie disruptiv so eine Epidemie und die Epidemie bekämpfungsmaßnahmen sein können für eine Gesellschaft.
00:51:33: Das in einem Kontext mit großer Armut den genannten Vertreibung der Gewalt durch unterschiedliche Gruppen der Erfahrung dass Gesundheitsversorgung oft Geld kostet aber selten effektiv ist.
00:51:48: gehört in so einem Interventionsteam eben auch immer ein Team, das sich nur um Aufklärung Information Austausch besseres Verstehen der betroffenen Bevölkerungen kümmert und die entsprechenden Informationskampagnen dann entsprechend formt.
00:52:06: Das geht in der Medienberichterstattung total unter.
00:52:08: Scheint aber, wenn ich euch zuhöre, ein zentraler Aspekt zu sein ... Ich kann das auch verstehen?
00:52:15: Man hat ja Angst im Krankenhaus zu gehen, indem alle Schutzanzüge tragen und man nicht so richtig weiß, komm ich da Leben draus oder nicht!
00:52:22: Das kann ich schon nachvollziehen.
00:52:24: Absolut, es ist wirklich sehr nachvollziehbar.
00:52:27: Da kommen dann ganz viele ausländische Hilfsorganisationen an gerannt.
00:52:30: Und diese Zelte werden aufgebaut.
00:52:35: Was ist denn das überhaupt alles?
00:52:36: Und gleichzeitig, genau wie du es gesagt hast wird mir dann erzählt ja mein Kind hat Fieber.
00:52:40: Das muss dann in diese Station da darf ich nicht mehr dabei sein.
00:52:44: Das ist so eine ganz mysteriöre Krankheit.
00:52:46: Ich kann mich nicht mehr um meinen Kind kümmern und ja, fünfzig Prozent der Leute die da eingeliefert werden kommen da nicht mehr Leben draus.
00:52:53: Nein danke!
00:52:54: Also einfach das Sanare ist total nachvollziehbar und deswegen ist es so extrem wichtig mit den Leuten zu sprechen, wirklich erst mal sagen ja es gibt dieses Virus ist halt nicht sichtbar.
00:53:04: Ja wir haben jetzt auch keine Behandlung hier.
00:53:06: da muss noch ganz ehrlich sein im Moment gibt es keine zugelassene Behandlungen für dieses Virus.
00:53:11: in dem letzten großen Ausbruch konnten wir dann Behandlungsmöglichkeiten schaffen es wurde eine Impfung entwickelt.
00:53:17: also da gibt's jetzt schon Hoffnung dass es eventuell auch für diesen ausbruch sehr schnell gehen kann hoffentlich eventuell doch noch Präventivmaßnahmen durchzuführen weil dann kann ich das anbieten und sagen ja hier dein Kind hat Fieber Wir müssen das isolieren, damit es euch nicht ansteckt.
00:53:30: Wir können euch aber impfen und damit ist die Gefahr geringer, dass sich die anderen Kinder auch noch krank werden.
00:53:35: Also da einfach Vertrauenschaften.
00:53:37: Da fehlt uns gerade relativ viel.
00:53:44: Als ich zum Beispiel bei einem Ebola-Ausbruch dabei war, waren das halt alles abgezeugt ganz weit weg und die Familien konnten ihre Angehörigen gar nicht mehr sehen.
00:53:51: Das waren dann also zwanzig Meter Luftlinie.
00:53:55: Das wurde jetzt verbessert.
00:53:56: Wir haben jetzt Zelte, die auf der einen Seite transparent sind, wo man reingucken kann, wo wir auch regelmäßig Angehöhrige lassen, ja?
00:54:05: durch eine dicke Plasseplanung.
00:54:06: Da kann kein Virus durchgehen, mit den Leuten sprechen können die sehen können und einfach Transparenz schaffen ist andere.
00:54:13: was Transparens schafft?
00:54:14: es natürlich Leute die die Erkrankungen überlebt haben ja die da gesund werden wieder die sind erst mal nicht wieder können sich nicht wieder infizieren und damit können sie auch viel näher an Patienten etc.
00:54:25: und können über das erzählen ... was Sie erlebt haben.
00:54:27: Ja, also aus meiner eigenen Erfahrung ist es dann so wenn wir die fragen ja... Ich hatte eine Patientin mit der ich länger gesprochen als ich in einem Ausbruch im Marburg-Ausbruch auch ein hemorrhagisches Fieber in Angola war und die konnten mir dann überzeugen sagen, kannst du nicht mit uns arbeiten?
00:54:43: Ich habe einen Begräbnisteam geleitet und da hatten wir immer... diese Personen dabei und die ist dann erst mal immer auf die Familien zugegangen.
00:54:50: Und gesagt, hey da kommen jetzt gleich ja... Die sehen alle gefährlich aus, sie sind alle gleich aus, die haben dieses Schutzanzüge an und es geht darum dass wir halt dafür sorgen das nicht noch mehr infiziert werden.
00:55:00: ich selber hatte dieses Virus aber man kann's auch überleben und da sozusagen vermittelt hat zwischen dem medizinischen Bedarf und dem Bedarf den die Angehörigen hatten und das ist extrem schwierig und damit wird er aber vertrauenaufgebaut.
00:55:13: Ich meine, Zeit ist ja jetzt auch ein entscheidender Faktor.
00:55:16: Was passiert gerade ganz konkret am Anfang eines Ausbruchs?
00:55:19: Am Anfang ist natürlich zentral dass man diese schwer kranken und ansteckenden Patienten findet oft in normalen Gesundheitseinrichtungen mit allen möglichen anderen Fällen zusammen und da muss man mit robuster Schutzausrüstung Und viel Fingerspitzengefühl entweder die Ebola-Verdächtigen in eine Isolierstruktur bringen, die man wahrscheinlich parallel baut.
00:55:43: Manchmal baut man die erste Struktur auch um die Patientinnen und Patienten herum in der Einrichtung und bringt die anderen in eine Quarantänestation, um sie zu beobachten.
00:55:55: Man hat ja nicht das Zentrum gleich vor Ort, was man da braucht.
00:56:00: Aber darum geht es natürlich, dass man eine Logistik hat, die dann auch schnell innerhalb weniger Wochen Isolierzentren baut mit definierten Zonen unterschiedlichen Risikos in denen man unterschiedlich vorgehen kann und in denen die Patienten möglichst separiert werden können voneinander so dass man bei den Verdachtsfällen weniger Übertragung untereinander hat usw.
00:56:22: Da ist man schon dort wo man mehr Zeit braucht ganz am Anfang die ersten Patienten isolieren und herausfinden, mit wem sie Kontakt hatten.
00:56:29: Um diese Personen auch zu kontaktieren und eine Weiterverbreitung zu
00:56:34: verhindern.".
00:56:35: Du hast ja vorhin auch noch mal betont wie wichtig es ist dass Menschen mitmachen müssen das die Bevölkerung mitarbeiten muss sozusagen nicht nur bei der Prävention sondern auch bei der Behandlung.
00:56:45: Christian was genau macht denn jetzt Ärzte ohne Grenzen vor Ort?
00:56:49: im engen Zusammenarbeit mit den conkulisischen Gesundheitsbehörden und den Kolleginnen von der Weltgesundheitsorganisation, gerade dabei in mehreren Gebieten, mehreren Orten Isolierstationen aufzubauen um Patientinnen dort drin behandelt zu können.
00:57:03: Also Isoliersstation sagen wir jetzt immer das sind letztendlich Stationen wo Patienten isoliert werden aber vor allem behandelt werden.
00:57:10: ja also es ist eine Behandlungsstation und sind auch dabei, zum Beispiel diese Nachverfolgung von Kontakten etc.
00:57:17: zu unterstützen.
00:57:18: Letztendlich ist für eine Bekämpfung von diesem Ausbruch sechs Säulen total wichtig.
00:57:22: Zum einen die Versorgung also auch der Isolierung der Patientinnen ja dann die Rückverfolgungen nach Verfolgung Kontakten der PatientInnen.
00:57:31: Das heißt, dass dann alle Menschen die mit einer Person, die Symptome entwickelt hat, Kontakt hatten regelmäßig besucht werden und dann entwickeln sie auch Symptomen.
00:57:42: Und wenn die Symtome entwickeln, dass sie dann auch versorgt werden und isoliert werden um dann den so wird der Ausbruch eingedämmt auf der klinischen Seite.
00:57:50: Dann brauchst als dritten Punkt eine proaktive Erkennung neuer Fälle durch Labore.
00:57:55: Ja das wird ein Labor bestätigt Max hat es ja beschrieben, dann kommen Leute und sagen ich habe Fieber mir geht's nicht gut.
00:58:01: Und das kann so ziemlich alle sein zum Beispiel auch Ebola-Fieber.
00:58:05: Ja?
00:58:05: Und die schneller dann die Diagnostika funktioniert können wir sagen okay ja das ist jetzt Ebola-fieber sprich isoliert wird behandelt nach Ebola- Fiebers oder nein das sind Masern dann brauchst du nicht zu viel Schutzausrüstung und es kann viel besser behandelt werden.
00:58:19: also da dir ist die Diagonistik extrem wichtig.
00:58:22: Dann auch Max ist angesprochen eine sichere.
00:58:25: als vierten Punkt, sichere und würdige Bestattung.
00:58:27: Also da sind oft die Traditionen, die da sind mit der medizinischen Bedarf nicht unbedingt hundert Prozent überdeckbar und da kommt es darauf an halt wirklich mit den Angehörigen Wege zu finden dass während der Bestattungen keine weiteren Infektionen stattfinden.
00:58:43: dann müssen unbedingt als fünften Punkt Bestehende Gesundheitseinrichtungen weiter unterstützt werden.
00:58:49: Also wir haben in vorherigen Ausbrüchen gesehen, dass oft das gesamte Gesundheitssystem zusammengebrochen ist und dass letztendlich mehr Menschen eventuell an anderen Krankheiten noch gestorben sind ja schwangere Frauen unter der Geburt Kinder an Masern Kindern Malaria Menschen an Kohlera die halt nicht behandelt wurden, weil sich keiner mehr getraut hat irgendjemand anzufassen mit Personen die Fieber hatte.
00:59:11: Also deswegen bestehende Gesundheitsstrukturen müssen weiter gestärkt werden damit eine weitere Zugang zu gesundheitsvorgung für den Rest der Bevölkerung möglich ist.
00:59:19: und dann als letzten Punkt sind Sensibilisierung der Bevölkerungen für die Krankheit um halt wirklich Prävention durchzusetzen Abstand möglichst wenig Körperkontakt.
00:59:31: Max hat es ja gesagt, die Ebola-Viren sind nicht so leicht übertragbar.
00:59:35: Sprich so ein zwei Meter Abstand wenn man sich nicht mehr anhusten kann ist das schon gut der Schutz und dafür muss aber erst mal Vertrauen geschaffen werden dass die Leute glauben dass es das Virus wirklich gibt und dass es die Ursache ist für die Sterblichkeit.
00:59:49: Ganz konkret, jetzt wieder zurück zu deiner Frage.
00:59:51: Haben wir schon fast einhundert Menschen mit Erfahrung in der Behandlung von heboratischen Fiebern weltweit gefunden und in die Region ins Sand?
01:00:02: Zusätzlich ist mehr Personal sowohl logistisch als auch medizinisches vor Ort rekrutiert in der demokratischen Republik Kongo.
01:00:09: Wir bringen momentan Schutzanzüge, Medikamente, Labormaterial, Generatoren und Solaranlagen alles was wir brauchen um so eine Isoläer- und Behandlungsstation betreiben zu können in die Region zum Großteil halt per Flieger, per Lastwagen aus Kenia
01:00:23: z.B.,
01:00:24: um halt wirklich da effektiv jetzt reagieren zu können.
01:00:28: Wir führen auch Trainings durch Umhalt.
01:00:30: neue Kolleginnen, die noch nicht Erfahrung haben bei der Behandlung von Ebola Viren trainieren zu können halt, ich sag mal jetzt im Trocknen ja dass wir dann eine isolierte Behandlungsstation aufbauen und dann da Abläufe getrainiert werden können etc.
01:00:46: Natürlich extrem wichtig.
01:00:47: das dann... Dass die das können, dass wenn der Patienten Kontakt da ist, dass es sicher ist sowohl für die Patientinnen als auch für unsere Kolleginnen Das Ganze können wir eigentlich letztendlich nur machen weil wir seit Jahrzehnten in der Region Aktiv sind.
01:01:00: Wir haben bestehende Projekte, wir haben Kolleginnen die sich mit dem Kontext auskennen, die zum Beispiel auch mit der schwierigen Sicherheitslage gut umgehen können, die da verhandeln können vor Ort Umzugang zu bestimmten Dörfern und Regionen verhandeln zu können und natürlich um auch weiter das Grundsatzsystem aufrechtzuerhalten.
01:01:17: Und wir werden da versorgen, dass unsere Projekte weiterlaufen.
01:01:21: Wir behandeln Malaria, Masern – wir haben heute über Kulara gesprochen.
01:01:25: Aber auch Mütter- und Kindergesundheit sind natürlich extrem wichtig und wie gesagt müssen unbedingt parallel weiter laufen.
01:01:31: Max wenn du auf frühere Ausbrüche von Ebola-Fieber zurückblickst was sind die wichtigsten Lehren, die jetzt Anwendung finden?
01:01:38: Es muss einen politischen Willen geben Und zwar der auch Taten zufolge hat, anders als was es im Fall war.
01:01:47: Wo wir eigentlich ein halbes Jahr lang Schweigen international hatten zu dieser Epidemie.
01:01:52: Dann gab es irgendwann Bekenntnisse auf die Hilferufe von vor Ort und dann hat das immer noch Monate gedauert bis wirklich große internationale Partner massiv Personal und Material in die Region gebracht haben.
01:02:10: Es wurde sich dann immer gerne dahinter versteckt, dass das so neu unerwartet und medizinisch kompliziert ist.
01:02:16: Also diese Maßnahmen der Epidemiebekämpfung, die kennt man seit langem, kann man zur Anwendung bringen.
01:02:21: Das ist jetzt noch schwieriger in dem instabilen Kontext aber bisher waren es diese Maßnahmen, die alle Ausbrüche im Wesentlichen eingedämmt haben oder mit Hilfe dieser Ausbrücke eingedämnt wurden.
01:02:36: Ein Wundermittel wird man nicht in kürzester Zeit finden, um das damit zu beenden.
01:02:41: Was
01:02:41: braucht es jetzt aber von der internationalen Gemeinschaft?
01:02:44: Oder gibt's ein paar Sachen.
01:02:45: Zum einen brauchst du wirklich eine Stelle und koordinierte Unterstützung... Kongolesischen Gesundheitsbehörden und der Weltgesundheitsorganisation.
01:02:54: Also wir hatten ja darüber gesprochen, die Behörden vor Ort und auch Zentrale in Kentschasser haben ja Erfahrung aus den siebzehn Ebola-Ausbrüche in der Region.
01:03:04: also da gibt es eine Erfahrung, da fehlt's an finanziellen Kapazitäten.
01:03:08: meisten Wir haben ja heute durchaus gehört das Brauch da einfach Geld um Patientinnen zu behandeln, zu isolieren.
01:03:16: Die Insolidation aufzubauen des Materials bekommen die Kontaktnachverfolgung das kostet alles Geld.
01:03:20: Da brauchst du jetzt einfach internationale Unterstützung über die Weltgesundheitsorganisation um da jetzt adiquat reagieren zu können.
01:03:28: und es braucht halt haben wir auch gerade übersprochen ja eine Präventionsmöglichkeit also eine Impfungen wäre super gut.
01:03:34: dann muss jetzt die welt in die Schuhe kommen und sie zusehen dass ist seine Zulassung für dieses Virus gibt.
01:03:43: Und das braucht Medikamente, also wir wollen die Menschen dezidiert behandeln können und nicht nur Fieber senken Schmerzen lindern und Flüssigkeit zu führen.
01:03:50: auch da gibt es versprechende Kandidaten Da gibt's Medikamente, die eventuell funktionieren könnten.
01:03:56: Da brauchst du klinische Studien vor Ort Da gibt es Erfahrung mit, ja.
01:04:00: Also auch in dem großen Ausbruch in Westafrika wurden klinische Studien während des Ausbruchs durchgeführt die dann Menschen zugute kamen noch während desselben ausbruchs.
01:04:07: also da bin ich persönlich eigentlich ganz gute hoffnung dass wir da an den nächsten wochen Möglichkeiten sehen.
01:04:15: und Dazu kommen natürlich noch und das haben wir gerade vor allen Dingen von Chris gehört, wie angespannte Situationen in der Region an sich schon ist.
01:04:23: Und wir haben ja auch in einer vergangenen Folge im Herbst mit meinem Kollegen Markus zur Eskalation der Gewalt in den Regionen.
01:04:33: Da muss einfach was passieren.
01:04:34: die Menschen im Ostkongo haben in den vergangen Jahren und Jahrzehnten wirklich Schreckliches erlebt.
01:04:40: dass jetzt das Ebola-Fieber die Region nochmal so häftig trifft, ist ganz klar ein Thema von Armut und Vernachlässigung.
01:04:46: Das sind aus den kolonialen Strukturen, aus dem singulären Profitinteresse, wie ich sage mal der Firm und des Westens daraus geschuldet, dass die Region so vernachläßigt ist.
01:04:59: Der Mensch im Ostkongo braucht da jetzt einfach unsere Aufmerksamkeit und wir müssen das strukturell als Weltgemeinschaft ran, um das aufzulösen.
01:05:07: Weil nur dann können zukünftige Ausbrüche halt im kleinen Maß gehalten werden.
01:05:12: Es wird weiter Erkrankungen geben.
01:05:13: ja es gibt der des Virus lebt in Tieren die wir sind davon nicht krank übertragen ist auf den Menschen.
01:05:20: diese Übertragung ist sehr wahrscheinlich dass sie in Zukunft stattfindet.
01:05:22: aber wenn ein funktionierendes Gesundheitssystem da wäre dann wäre das für die meisten Menschen untragisch, weil es dann kein Ausbruch geben würde.
01:05:30: Sondern die einzelnen Menschen würden behandelt werden und isoliert werden.
01:05:34: Es wurde eine Impfung geben um diese Menschen herum und der Ausbrucht wäre eingefangen.
01:05:38: also da muss wirklich jetzt richtig was passieren.
01:05:43: Ich meine viele Menschen, die diesem Podcast hören fragen sich auch wahrscheinlich ganz konkret was sie tun können?
01:05:47: Was würdest du ihnen antworten?
01:05:49: Ganz konkret spenden!
01:05:50: Spendenhelfen hier extrem.
01:05:52: Ich glaube, im Moment stehen wir von Erzene Grenzen.
01:05:54: bei einem avisierten Budget von irgendwie fünfzehn bis zwanzig Millionen Euro.
01:05:59: Das sind erst mal nur Vorhersagen... wird wahrscheinlich mehr die Fallzahlen steigen.
01:06:03: Also es braucht signifikantes Geld, ich habe gerade auch schon mal darüber gesprochen, auch die Behörden vor Ort brauchen Unterstützung
01:06:09: etc.,
01:06:10: also Spenden hilft hier absolut.
01:06:13: Wir haben Expertise und die praktische Erfahrung.
01:06:15: wir sind gut vernetzt.
01:06:16: Wir können mit unseren Teams sehr professionell und verantwortungsbewusst vor Ort arbeiten um unsere Mitarbeitenden zu schützen.
01:06:24: werden rotieren, ja also wir brauchen da viel Personal und die Spenden ermöglichen uns wirklich sehr schnell zu regieren.
01:06:31: Also dass wir jetzt so schnell vor Ort sind liegt auch daran das wir zweckungebundene Spenden haben, dass wir im letzten Jahr von mehr als siehundertfünfzigtausend Menschen in Deutschland unterstützt wurden und damit können wir dann halt unabhängig reagieren und sagen das ist jetzt eine medizinische Priorität.
01:06:44: Da packen wir das Geld hin was wir haben und reagieren jetzt in dem Maße.
01:06:48: Diese finanzielle Unabhängigkeit und die Unterstützung, die wir weltwahlend sehen aber auch hier in Deutschland macht so eine Notfalleinsätze wie zu Kohlera oder Ebola überhaupt das möglich.
01:06:58: Das ist echt ein klarer, wie ich finde, unser wichtiger Aufruf.
01:07:01: Zwei Dinge... Ne drei Dinge, die ich mir heute gemerkt habe Vertrauen ist extrem wichtig.
01:07:06: Wir haben keine Zeit zu verlieren Und damit beenden wir die heutige sehr intensive Folge.
01:07:11: Vielen, vielen Dank Max und Danke Chris!
01:07:14: Danke dass ihr uns mit in den Osten der demokratischen Republik Kongo genommen habt und uns ein Teil der Lebensrealität der Menschen dort näher gebracht
01:07:22: habt.
01:07:22: Vielen Dank an euch für euer Interesse gerne!
01:07:25: Danke euch!
01:07:26: So das war jetzt aber wirklich eine lange und intensive Folge und deshalb halten wir es jetzt echt kurz.
01:07:31: alle aktuellen Entwicklungen zum Ausbruch vom EboLiveUr findet ihr auf unserer Webseite und auf all unseren Kanälen, die wir natürlich auch in den Schonels verlinken.
01:07:39: Meldet euch mit Fragen und Feedback!
01:07:41: Ihr hört dann in zwei Wochen wieder von uns wenn meine Kollegin Patricia neue spannende Fakten zu unserem Video-Podcast fünf Minuten Notaufnahme erzählt.
01:07:49: Am besten ihr folgt dem Notaufnahmepodcast im Feed eurer Wahl, dann verpasst ihr wirklich keine Folge mehr.
01:07:54: Tschüss!
01:08:05: Moderation Anna Toshime und Christian Katzer.
01:08:08: Redaktion und Projektleitung Clara Schneider, Andreas Kobb und Regina Bischoff.
01:08:14: Aufnahmeleitung und Produktion Christian Konradi.
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