Nigeria: 7 Tage, 500.000 geimpfte Kinder – aber die Epidemie hält an

Shownotes

“Ohne Impfung und Behandlung kann etwa jedes dritte erkrankte Kleinkind sterben – eine Diphterie-Erkrankung ist eine wirklich ernste Angelegenheit”, sagt die Epidemiologin Verena Lauble. Sie ist momentan in Nigeria im Einsatz. Dort wütet seit 2022 eine schwere Diphterie-Epidemie. Zusammen mit den Co-Moderator*innen Christian Katzer und Anna Dushime diskutiert sie, wie Chaos und Gewalt sowie fehlende medizinische Versorgung den Bakterien in Nigeria in die Hände spielen.

Und dabei ist Diphterie nicht die einzige Herausforderung: Auch Masern, Meningitis und Keuchhusten sind auf dem Vormarsch. All diese Krankheiten ließen sich durch Impfungen verhindern, aber vor allem Kindern fehlt der Zugang zur Immunisierung. Das versuchen die Teams von Ärzte ohne Grenzen zu ändern und haben zusammen mit den nigerianischen Gesundheitsbehörden in nur einer Woche rund 500.000 Kinder gegen Diphterie geimpft – also etwa so viele Menschen wie in ganz Duisburg leben.

In dieser Folge hörst du mehr über diese beeindruckende Aktion, über bange Nächte auf der Kinderstation und eine nigerianische Kollegin, die Kochrezepte teilt.


In dieser Episode erfährst du …

… welche Herausforderungen eine Impfkampagne im Konfliktgebiet mit sich bringt …

… wie unsere Informationsteams Eltern in abgelegenen Gebieten erreichen …

… wie Impfskepsis zur tödlichen Gefahr werden kann …

… wie ernst es wird, wenn Kinder zugleich von Infektionskrankheiten und Mangelernährung betroffen sind …

… warum unsere Mitarbeiterin Maryam Muhammad Kochworkshops gibt, zu denen tausende Menschen kommen …


JETZT SPENDEN – Damit wir Menschen in unseren Projekten weltweit Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglichen können.

LINKS:

Hier findest du das Kochrezept von unserer Mitarbeiterin Maryam Muhammad auch als Video.



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Dieser Podcast wurde von Ärzte ohne Grenzen e.V. in Zusammenarbeit mit Christian Conradi produziert. Redaktion und Projektleitung: Clara Schneider, Andreas Koob und Regina Bischoff. Moderation: Anna Dushime, Christian Katzer. Aufnahme, Schnitt und Produktion: Christian Conradi. V. i. S. d. P. Jannik Rust, Ärzte ohne Grenzen e. V., Schwedenstr. 9, 13359 Berlin. Bild: MSF

Transkript anzeigen

00:00:01: Allgemein ist Impfung und die Bereitstellung von Impfungen auch wirklich ein integraler Teil unserer ständigen Aktivitäten vor Ort.

00:00:08: Also das Ziel ist, dass alle Patientinnen vor der Entlassung dann wirklich den aktuellen Impfstatus haben und dann eben zukünftig einfach besser geschützt sind.

00:00:30: Diese Krankheiten kennt ihr hoffentlich nur aus eurem Impfpass.

00:00:33: Für viele Menschen weltweit sind sie aber eine tödliche Realität, immer wieder kommt es zu großen Ausbrüchen und sogar Epidemien.

00:00:40: Teams von Ärzte ohne Grenzen versuchen diese zu stoppen oder sogar vorab ganz zu verhindern auch durch Impfungen – Aber Chaos und Gewalt sowie fehlende medizinische Versorgung spielen den Viren und Bakterien in die Hände!

00:00:52: Das schauen wir uns heute am Beispiel Nigeria ganz genau an, wo eine Defterieepidemie wütet.

00:00:57: Wer jetzt Sorge hat dass es zu düster wird nein das wird es nicht!

00:01:00: Wir werden auch viel über kleine und große Erfolge sprechen und Heute haben wir außerdem auch noch ein Kochrezept für euch wenn ihr bis zum Schluss dran bleibt und damit herzlich willkommen zu dieser Folge der Notaufnahme.

00:01:11: ich bin Anadushime Autorin und Moderatorin.

00:01:14: Hallo Anna, ich bin Christian Geschäftsführer von Erzonen Grenzen in Deutschland.

00:01:17: Unsere heutige Gästin ist meine Kollegin Verena Lauble.

00:01:21: Sie arbeitet aktuell für uns als Epidemiologin in Nigeria und ist uns aus Abuja zugeschaltet.

00:01:25: Herzlich willkommen liebe Verena!

00:01:27: Ja vielen Dank, ich freue mich sehr dabei zu sein heute.

00:01:30: Hi Verena schön dass wir heute mit dir sprechen.

00:01:33: bevor wir tiefer einsteigen eine ganz simple Frage vorab wenn dich Leute sagen wir mal in so einer Bar oder so fragen, wie erklärst du ihnen deine Arbeit?

00:01:42: ganz kurz und knapp?

00:01:43: Also was machst du als Epidemiologin ganz genau.

00:01:45: Zusammengefest

00:01:46: lässt sich, glaube ich sagen, dass ich mich vor allem mit Daten beschäftige und versuche diese zu analysieren.

00:01:51: Und dadurch dann Informationen bereitzustellen die im Idealfall dabei helfen unsere Arbeit zielgerichtet zu machen und auch effektiv.

00:02:00: Das ist natürlich für so eine Barunterhaltung vielleicht ein bisschen abstrakt.

00:02:05: Konkret bedeutet das jetzt in Nigeria.

00:02:07: In Nigeria gibt es verschiedenste Infektionskrankheiten, die hier endemisch sind

00:02:12: d.h.,

00:02:12: die hier dauerhaft vorkommen.

00:02:14: Und eine meiner Aufgaben ist zum Beispiel mehr Gesundheitsdaten anzuschauen und dann zu schauen, wo gibt es vermehrt Verdachtsfälle für bestimmte Krankheiten.

00:02:25: die Information dann zu analysieren und herauszufinden, ob zum Beispiel ein Krankheitsausbruch bevorsteht oder schon stattfindet.

00:02:33: Oder auch zu schauen, ob das lokale Gesundheitssystem adäquat reagieren kann oder an welchen Stellen vielleicht auch Überforderungen eintreten und wir von Ärzte ohne Grenzen Nothilfe in dem verleisten können.

00:02:45: Gleichzeitig... Auch noch im Fall von Krankheitsausbrüchen geht es natürlich viel so ein bisschen.

00:02:50: Das kennt man aus der Corona-Pandemie noch, ums auch wieder analysiert verdaten und bereitstellen zum Beispiel wie ist gerade die Ausbruchstynamik?

00:02:57: Wie viele Pfeilzahlen gibt's?

00:02:58: Was sind zum Beispiel vulnerable Gruppen auch?

00:03:01: Und dann entsprechend auch unsere Handlungen bzw.

00:03:05: unsere Intervention anzupassen?

00:03:07: Genau, das fällt.

00:03:10: Dann habe ich gleichzeitig als Epidemiologin beschäftigt man sich bei Erzionik Grenzen auch noch mit dem sogenannten Monitoring.

00:03:16: im Endeffekt geht es da vor allem um die Messbemachung unserer Arbeit also wie wirkt sich unsere Arbeit auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung aus und haben zum Beispiel die Person auch wirklich Zugang zu unserer Hilfe und kommt die Hilfe auch wirklich an?

00:03:31: Und dann gibt es noch einen letzten Bereich, der beschäftigt sich vor allem mit der Forschung.

00:03:35: Es geben ergeben sich immer mal wieder Fragestellungen aus der medizinischen Arbeit in Romantien an Kontexten und die bearbeitet dann Ärzte ohne Grenzen in einem wissenschaftlichen Zusammenhang und führt dazu Forschung durch.

00:03:48: das ist glaube ich so im groben zusammengefasst was ich als Epidemiologin mache.

00:03:53: Okay, das ist aber echt ganz schön viel.

00:03:55: Sehr sehr umfassend!

00:03:56: Wir steigen jetzt auch direkt mit Nigeria ein und werden noch viel über das Thema Impfungen sprechen.

00:04:01: Vielleicht haben ja ein paar von euch für den Sommerurlaub ihren Impfpass in den letzten Wochen in der Hand gehabt?

00:04:06: Ich suche den immer mal wieder... Das ist glaube ich bei jedem so.

00:04:10: eine Impfung die da auf jeden Fall drinstehen sollte, ist die gegen Difterie

00:04:14: Und das ist in Nigeria tatsächlich eine der Impfungen, die vielen Menschen fehlt.

00:04:17: Das leistet dem großen Ausbruch dort jetzt schon seit Jahren Vorschub.

00:04:21: Aber bevor wir da genauer darauf eingehen, Verena, könntest du einmal kurz noch mal beschreiben was bei einer Differiererkrankung eigentlich passiert und wie sich die Krankheit verbreitet?

00:04:29: Ich fürchte viele kennen den Namen aber können mit der Krankheit gar nicht so viel anfangen.

00:04:33: Defterie ist tatsächlich eine hoch ansteckende bakterielle Infektionskrankheit, die sich vor allem über Tröpfcheninfektion verbreitet aber auch über Kontakt mit infizierten Stellen und Wunden an der Haut.

00:04:45: Die Symptome sind vor allem im milden Verlauf Halsschmerzen, Fieber- und geschwollene Lymphknuten zum Beispiel.

00:04:50: auch Im schweren Verlaub zeigt sich dann aber oft ein stark ausgeprägte Halschwellung und sogenannte Stiernacken.

00:04:58: Oft bildet es sich ne graue Membran in dem Rachen, die zu Atem Und teilweise auch, wenn sich die Membranen ablöst zu Erstimmung führen kann und zum Ersteckungstot.

00:05:09: Und Hautgeschwürzungen sind auch ein Teil der Symptome bei einem schweren Verlauf.

00:05:13: Unser Erkrankten haben einen symptomatischen Verlauf, zeigen Symptomen und von diesen siebzig Prozent sind tatsächlich in achtzig Prozent der Fälle die Verläufe schwer.

00:05:26: Das heißt... Auch da wiederum, dass Difterie einfach eine wirklich sehr ernstzunehmende Erkrankung ist.

00:05:33: Nämlich ohne Impfungen und ohne Behandlung kann die Difteries vor allem bei kleinen Kindern in bis zu dreißig Prozent tödlich

00:05:39: verlaufen.".

00:05:40: Das klingt echt nicht gut!

00:05:41: Also vor allem weil Difteri in Nigeria ja derzeit sehr verbreitet ist oder?

00:05:45: Genau aktuell ist einer der größten Ausbrüche, die jemals verzeichnet wurden.

00:05:51: Der hat es im Jahr Und ist bis jetzt andauert und er hat einfach eine sehr große geografische Ausweitung, auch was die Personenzahlen angeht.

00:06:00: Das ist eigentlich sehr bemerkenswert.

00:06:04: in dem Zusammenhang das Difterie in Nigeria vor allem seit Beginn der zweitausender Jahre kaum mehr vorgekommen ist um es wirklich nur ganz vereinzelte zu fällen kamen aber seit Ende der zwei tausend zehner jahre wieder vermehrt.

00:06:16: und jetzt eben gipfelte in dem aktuellen ausbruch da jetzt schon seit mehreren Jahren andauern zu verstehen, wie irgendwelche Größenordnungen widersprechen.

00:06:27: Wir haben seit April-Zweitausendzweiundzwanzig bis dieses Jahr April-zweitauzentzeinswanzig einsechzigtausend Verdachtsfälle mit einer Todesrate von fünf Prozent.

00:06:37: Was bedeutet also, dass es schon über zwei tausend zweiter Tote gab?

00:06:41: Man geht aber auch vor allem davon aus, dass die Dunkelziffer der Betroffenen sowohl der betroffenen Fälle als auch der Todesfälle weitaus höher ist.

00:06:48: Dass da einfach das Meldesystem im Land nicht sonderlich gut funktioniert und deswegen Betroffene oft nicht gemeldet werden und deswegen auch nicht in die Statistik mit einfließen.

00:06:59: wie von Erziorne Grenzen unterstützen die Behandlung von Difterieerkrankten in den vier am meisten betroffenen Bundesstaaten, die vor allem im Norden sind.

00:07:08: Ja und wir sehen einfach die Hauptproblematik aktuell ist dass die Impfrate relativ gering ist, vor allem in den nördlichen Bundesstaats und somit auch die Eindämmung des Ausbruchs einfach sehr schwierig ist.

00:07:21: Genau, also das Ausmaß von dem was du beschrieben hast jetzt ist ja echt wirklich extrem groß.

00:07:26: Mehr als einseitigtausend Verdachtsfälle hast du gesagt und die Langwierigkeit des Ausbruchs sind wirklich erschreckend.

00:07:31: Zu Beginn der Epidemie war es auch wirklich schwierig eine Behandlung für die erkrankten Patientinnen zu ermöglichen weil das erforderliche Gegenmedikament nicht ausreichend verfügbar war.

00:07:40: da gab es weltweit Versorgungsengpässe einfach weil die Produktion zurückgefahren worden war und es nur wenige Hersteller gibt.

00:07:47: trotz Notfallbestellung konnten wir damals erst nicht ausreichend Medikament in die Projekte liefern.

00:07:53: Umso wichtiger ist also das Impfen, damit es zu diesen schweren Verläufen gar nicht erst kommt.

00:07:58: und einer der Ausgangspunkte für diese Folge war für uns ja auch eine Zahl, die wir wirklich beeindruckend fanden.

00:08:03: In nur einer Woche haben unsere Teams zusammen mit den nigerianischen Gesundheitsbehörden rund eine halbe Million Kinder geimpft.

00:08:10: Das sind etwa so viele Menschen, wie in ganz Duisburg zusammenleben.

00:08:14: Das ist echt eine beeindruckende Aktion mit der sie gegen diesen Deftereausbruch im Norden des Landes aktiv geworden sind.

00:08:19: Okay

00:08:19: krass!

00:08:19: Also ne halbe Million Impfungen in so kurzer Zeit.

00:08:22: wenn ich ein bisschen an die Pandemie, also in die Corona-Pandemie zurückdenke da hat es schon so'n bisschen gedauert bis ganz Duiskburg gegen Covid-IX geimpft war.

00:08:29: Sag mal Verena kannst du diese große Impfaktion einmal für uns einordnen?

00:08:34: Ja das tatsächlich nen wahnsinnigen Erfolg und auch seit Jahren.

00:08:38: die erste gute Nachricht gibt einem auf jeden Fall auch Hoffnung, dass der aktuelle Ausbruch auch wirklich effektiv langsam bekämpft werden kann.

00:08:46: Zusätzlich haben wir auch noch geschafft im April dreihundertsechzigtausend Kinder mit der zweiten Dosis zu impfen.

00:08:52: also auch da einfach nochmal ein wahnsinnig großer Erfolg was natürlich ein sehr großer logistischer als auch personeller Aufwand einfach mit sich gezogen hat wenn man sich das vorstellt einfach diese große Anzahl an Menschen wirklich zu impfern.

00:09:07: gleichzeitig Sehen wir aber immer noch, dass es leider nicht ausreichend ist.

00:09:11: Also die Impfkampagne hat in einer spezifischen Stadt stattgefunden In einem Bundesstaat der hauptsächlich betroffen ist Aber wie gesagt eben nur in dieser einen Staat.

00:09:20: und selbst in dieser Stadt konnten wir gar nicht alle Viertel abdecken da wir einfach nicht genug Impfstoffe zur Verfügung hatten.

00:09:26: Man muss sich das ein bisschen so vorstellen Alle anderen Teile des Bundesstaates, in welchem wir die Impfkampagne durchgeführt haben tatsächlich für uns nicht zu erreichen sind.

00:09:36: Damit ließen diese Gebiete kontrollieren und wir deswegen da auch die Impfung leider gar nicht durchführen konnten.

00:09:42: Das heißt es ist ein sehr große Erfolg aber leider vermutlich nicht der entschreitende Schritt um den Ausbruch wirklich effektiv einzudämmen Und auch nochmal um das Beispiel Duisburg aufzugreifen.

00:09:56: Ja, definitiv!

00:09:56: Das ist natürlich eine große Leistung so viele Menschen zu impfen.

00:10:00: aber wenn man sich jetzt vorstellt dass leider nur Duisburger Impft wird und Essen Oberhausen oder Krefeld nicht damit abgedeckt war und dort keine Menschen geimpft wurden dann ist es leider auch wirklich ein Zeichen dass es einfach wirklich immer noch große große Lücken gibt.

00:10:17: Das leuchtet mir ein.

00:10:18: Dafür müssen dann einfach mehr Leute die Schutzimpfung erhalten, da müssen wir aber gleich noch tiefer einsteigen.

00:10:23: Christian das ist doch sicher auch ein Problem, dass euch öfter beschäftigt, dass nicht genügend Impfstoffe in den Einsatzregionen zur Verfügung stehen oder?

00:10:32: Absolut es sind total vielschichtiges Problem.

00:10:35: fangen wir mal an mit dem Zugang und der Bezahlbarkeit von Impfstoffen.

00:10:38: ja die nicht immer gegeben Weil die Impfstoffknappheit wird, wie wir es schon öfter mal gehört haben davon befeuert.

00:10:44: sozusagen das ist kein gerechter Zugang zu Medikamenten und Impfstoffen gibt's.

00:10:48: Und Menschen leben müssen einfach vor Profitstreben kommen und die Forschung muss allen Menschen zur Verfügung stehen.

00:10:54: bei Weitem nicht der Fall ist, wir sehen immer wieder das selbststaatliche Förderung zur Forschung und Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente dann nur die Kassen von Pharmafirmen füllen.

00:11:04: Und die Produkte dann nicht global bei allen Menschen zur Verfügung stehen.

00:11:06: also wirklich ein Riesenproblem dass eine Impfstoffklarkeit befeuert.

00:11:11: Dann kommen dazu noch logistische Herausforderungen.

00:11:13: Es braucht oft eine Kühlkette unter großen Zeitdruck.

00:11:16: Dann ist der Zugang aufgrund von Konflikt, wie im Norden Nigeria es nicht immer gegeben.

00:11:21: Also wirklich schwierig.

00:11:22: und dann kommen noch andere politische Probleme dazu.

00:11:26: Massive Kürzungen von internationalen Hilfen vor allen Dingen die verhandeln den Katztereusregierungen machen sich auch beim Thema Schutzimpfung deutlich bemerkbar.

00:11:33: Bei wichtigen Hilfsprogrammen und Bereitstellungsmechanismen für Impfungen etwa bei der Impferlehens Gavi wurde massiv gekürzt.

00:11:40: Wir sind davon nicht direkt betroffen weil wir uns aus privaten Spenden finanzieren, aber zum Beispiel Gesundheitsbehörden mit denen wir zusammenarbeiten erhalten Impfdosen etwa aus solchen internationalen Programmen die durch den Wegfall von US-Geldern drohen brach zu fallen.

00:11:55: Das darf so nicht sein denn wir sehen in unseren Projekten welche verheerenden Folgen eine geringe Impfquote für Gemeinden und Gesundheitssysteme hat.

00:12:02: an vielen Orten in denen wir arbeiten brechen Krankheiten eben aus die Durchimpfung vermeidbar wären.

00:12:07: Defterie Nigeria ist ein sehr eindrucksiges Beispiel dafür

00:12:11: und das eben auch zum Teil auf den begrenzten Zugang zu Impfstoffen zurückzuführen.

00:12:15: Deshalb setzen wir... Weil er zu dem Ganzen ist dafür ein, dass zum einen die Produktion erhält wird.

00:12:19: Dass Definienzierung wichtiger Mechanismen für die Bereitstellung von Impfungen weitergeführt werden und insbesondere Impfung auch in fragilen und humanitären Kontexten fortgeführt werde.

00:12:30: Denn schnell fallen gerade so Impfkampagnen hinten runter weil Gelder wegfallen und die Impfkosten einfach relativ hoch sind ja?

00:12:37: Also dann kann man sich vorstellen In-Konfliktgebieten brauchst du halt mehr Fahrzeuge teilweise halt in so Infkampagne machen.

00:12:46: die dann halt irgendwo wohnen, man kann nicht hin und her fahren einfach weil es zu unsicher ist.

00:12:49: Und das kostet alles mehr als wenn man's über normale Improgramme macht und das wird dann oft einfach gespart an der Stelle.

00:12:55: und dann die Folgen sehen wir in vielen Projektgebieten, in denen wir arbeiten.

00:13:00: Das ist echt bitter ne?

00:13:01: Und gefühlt sind ja diese Funding-Cuts irgendwie so ein Leitmotiv dass uns seit Antritt der aktuellen US Regierung Folge für Folge begleitet.

00:13:11: Da hast du echt recht, Anna.

00:13:13: Aber um jetzt mal nicht in eine total negative Spirale abzudriften würde ich gerne noch betonen was bei den Impfkampagnen wie die, die wir an Nigeria unterstützen mich immer echt begeistert.

00:13:22: also jetzt in dem Fall.

00:13:23: zum Beispiel haben Kollegen im Rahmen der Infektion ganz viele Menschen auf die Krankheit Aufmerksam gemacht über Symptome und Langzeitfolgen informiert.

00:13:31: Viele Menschen auch besonders viele Eltern haben deutlich zum allerersten Mal von Defteria fahren.

00:13:36: Unsere Teams haben auch ein paar Schilderungen von Eltern protokolliert, das haben wir jetzt für euch mal vertont.

00:13:40: Hört mal rein was sie uns berichten!

00:13:46: Wir sind am Samstag hier angekommen nachdem meine Tochter drei Tage lang Nackenschmerzen und Schwierigkeiten beim Schlucken hatte.

00:13:53: heute ist unser dritter Tag im Krankenhaus als Expertinnen uns zu Hause über die Impfkampagne gegen Defterie informierten und den Zustand meiner Tochter sahen Organisierten sie uns sofort ein Tuktuk für den Transport ins Krankenhaus.

00:14:14: Ich habe neun Kinder, das älteste ist fünfundzwanzig und das jüngste sieben.

00:14:19: alle sind geimpft auch mein Ältester.

00:14:22: ich weiß wie wichtig Impfungen sind.

00:14:25: Sie schützen Kinder vor Krankheiten und mildern den Krankheitsverlauf falls sie doch einmal erkranken.

00:14:31: erst vor kurzem hörte ich zum ersten Mal von Difterie.

00:14:35: Ich kannte die Krankheit nicht, bis ein Nachbarskind sie bekam.

00:14:39: Die Familie rief einen traditionellen Kräuterheiler hinzu – aber dem Kind ging es nicht besser!

00:14:45: Im Januar wurden dann zwei meiner Kinder krank.

00:14:48: Eines ist dreizehn und eins sieben Jahre alt.

00:14:51: Eine Gesundheitsberaterin von Ärzte ohne Grenzen kam gerade vorbei und informierte über eine laufende Impfkampagne für Kinder und erklärte die Symptome.

00:15:04: Dort wurde mein siebenjähriges Kind ambulant behandelt, während mein dreizehnjähriges kind für vierundzwanzig Stunden stationär versorgt wurde.

00:15:14: Generell akzeptieren wir Impfungen auch wenn manche Menschen sich weiterhin auf traditionelle Medizin verlassen.

00:15:21: Ich persönlich glaube dass Impfungen helfen Krankheiten zu verhindern und Sie sind in unserer Religion auch erlaubt.

00:15:29: Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist hier relativ unkompliziert Aber die Kosten sind eine Herausforderung.

00:15:36: Sowohl in öffentlichen, als auch in privaten Einrichtungen muss man die Behandlung meist bezahlen und das Geld dafür ist nicht immer leicht aufzutreiben.

00:15:52: Meine Enkelin Shafa Ahtu entwickelte eine Schwellung am Hals und klagte über Schmerzen beim Schlucken von Essen und Trinken.

00:16:00: Ich hatte gehört, dass einige Nachbars Kinder diese Krankheit hatten.

00:16:04: Deshalb habe ich beschlossen mein Enkelkind ins Krankenhaus zu bringen.

00:16:07: Wir kamen zusammen mit anderen Kindern.

00:16:10: Vier von ihnen wurden ambulant behandelt aber Shafa Atu wurde stationär aufgenommen.

00:16:16: Jetzt sind wir schon den vierten Tag hier!

00:16:19: Ich hatte auch im Radio von der Krankheit gehört.

00:16:22: deshalb erkannte ich die Symptome.

00:16:29: Generell akzeptiere ich Impfungen.

00:16:31: Erst vor zwei Tagen kam ein Team in meine Nachbarschaft und impfte dort Kinder.

00:16:37: Seitdem wurden fünf meiner Enkelkinder geimpft.

00:16:40: Ich danke Gott, dass es Schaffer-Athu besser geht!

00:16:44: Und ich weiß die Arbeit der Ärztinnen sehr zu

00:16:46: schätzen.".

00:16:49: Ja das ist echt beeindruckend.

00:16:51: also im Rahmen der Impfkampagne wurde wirklich viel Wissen geteilt und Aufklärung auch über die Krankheit betrieben.

00:16:56: Sag mal Verena... Auch sonst ein relevanter Aspekt bei der Arbeit von Erzone-Grenzen in Nigeria?

00:17:01: Ja, definitiv.

00:17:02: Also die Sensibilisierung für Gesundheitsthemen ist wirklich essentiell für unsere Arbeit und das Ziel ist einfach dass die Menschen eine informierte Entscheidung treffen können Themen im Allgemeinen und in dem Fall eben über Difterie, im Speziellen.

00:17:19: Unsere Aufklärung beinhaltet allgemein die Aufklärungen über Erkrankungen, über Ursachen für Erkankerungen aber auch zum Beispiel über Infektionswege wie man sich schützen kann welche Symptome zb auf welche Krankheiten hindeuten und wo dann auch im Notfall Hilfe gesucht werden kann und die Gefahren die damit einfach einhergehen.

00:17:38: dazu gehört natürlich Prävention und Impfen als Präventions- und Schutzmaßnahme.

00:17:43: Allgemein ist Impfung und die Bereitstellung von Impfungen auch wirklich ein integraler Teil unserer ständigen Aktivitäten vor Ort.

00:17:51: Also das Ziel ist, dass alle Patientinnen nach der Behandlung also vor der Entlassung dann wirklich den aktuellen Impfstatus haben und dann eben zukünftig einfach besser geschützt sind.

00:18:04: Verena, fehlen in Nigeria noch weitere wichtige Schutzimpfungen?

00:18:08: Ja tatsächlich ist die allgemeine Impfabdeckung in Nigeria relativ gering, vor allem im Norden.

00:18:14: Gleichzeitig sehen wir hier einfach das relativ viele impfpräventable Krankheiten dauerhaft vorkommen.

00:18:19: also vor allem in der Trockenzeit gibt es immer wieder Ausbrüche von Defterie, Korch, Husten, Masern aber auch Meneditis zum Beispiel.

00:18:26: dann in der Regenzeit gibt's regelmäßig ausbrüchen von Kohlera.

00:18:30: Malaria ist einfach auch ein sehr großes Problem.

00:18:33: hier und da sehen wir natürlich dass eine höhere Impfabdeckung wirklich eigentlich die Situation definitiv verbessern würde, aber gerade in den nördlichen Landesteilen einfach durch den schweren Zugang zu den Gesundheitseinrichtungen.

00:18:46: Aber auch durch Konflikte wirklich die Impfquote seit Jahren auch leider rückgängig ist in Nigeria.

00:18:52: Also da sind ja wirklich fast alles Krankheiten, die wir aus unserem Impfpass kennen und die ließen sich damit ja eigentlich verhindern und eindämmen?

00:19:00: Ja, definitiv!

00:19:02: Wie ich gerade schon erwähnt hatte, ist die Impfabdeckung leider rückgängig in Nigeria und wir sehen auch das sie vor allem sehr variiert.

00:19:09: Also die Grundimmunisierung im Norden zum Beispiel beträgt um die dreißig Prozent, im Süden aber über sechzig Prozent.

00:19:16: Wir sehen einfach im Allgemeinen dass im operaren Raum die Impfabdecken höher ist da dort natürlich auch ein besserer Zugang zu Gesundheitseinrichtungen besteht.

00:19:25: Und hier sehen wir einfach auch ganz klar, wie sich der Konflikt im Norden wirklich auf die Gesundheitsversorgung und der Zugang zur Impfung und Gesundheitseinrichtungen auf die Bevölkerung auswirkt.

00:19:34: Gleichzeitig hat das Gesundheitssystem in Nigeria noch diverse Herausforderungen.

00:19:40: Man sieht einfach dass sowohl private als auch öffentliche Gesundheitseinrichtungen bieten medizinische Leistungen tatsächlich nur gegen Bezahlung an Und oft, vor allem in den öffentlichen Einrichtungen sehen wir eine niedrige Qualität.

00:19:52: Das heißt, oft gibt es keinen Personal, das ist Personalmangel, oft stehen Medikamente nicht zur Verfügung oder zum Beispiel auch Infektionsschutzmaßnahmen werden oft nur unzureichend durchgeführt.

00:20:04: Das trägt natürlich alles dazu bei im Endeffekt, dass leider in vielen Teilen des Vertrauen in das öffentliche Gesundheitssystem relativ niedrig ist hier im Land.

00:20:13: Also genau, das ist wirklich kompliziert.

00:20:15: Und neben der Gewalt ist auch die geringe Impfquote ein Problem.

00:20:19: Das sehen wir immer wieder.

00:20:20: Auch zu dem Thema haben wir mit unseren lokalen KollegInnen gesprochen und die haben protokolliert was ihnen einem Mutter im Rahmen der Impfkampagne erzählt hat.

00:20:28: Das ist leider eine echt traurige Geschichte.

00:20:31: Sie heißt Aysha Lavane und es ist sechsundzwanzig.

00:20:33: hören wir doch mal rein, was sie zu berichten hat.

00:20:37: Ich habe vier Kinder – das älteste ist elf Jahre alt, das jüngste zwei und mein fünfjähriges Kind habe ich verloren.

00:20:45: Anfang twenty-sechsundzwanzig wurde mein achtjähriger Sohn krank.

00:20:50: Zuerst ging ich mit ihm zu einer Apotheke vor Ort, um Medikamente zu bekommen.

00:20:55: Später als auch mein anderer Sohn krank wurde – der anfangs mildere Symptome hatte – riet man mir in die Apotheker ihn schnell ins Krankenhaus zu bringen.

00:21:05: Er klagte über Halsschmerzen und hatte Schwierigkeiten beim Schlucken.

00:21:09: Er wurde für drei Tage stationär aufgenommen Und schien sich zu erholen, obwohl sein Körper anschwoll.

00:21:16: Einen Tag bevor er starb, trank er sehr viel Wasser und ich dachte es ginge ihm besser!

00:21:21: Doch am nächsten Tag starb er dann.

00:21:24: Meine Kinder waren nicht geimpft – mein Mann hatte uns nicht erlaubt ins Krankenhaus zu gehen außer wenn es absolut notwendig war.

00:21:32: Dazu hat ihn seinen Bruder beeinflusst.

00:21:34: Einige meiner NachbarInnen ließen ihre Kinder impfen aber der Bruder meines Mannes hatte auch davon abgeraten.

00:21:46: Oh Mann, das ist wirklich, wirklich hart.

00:21:48: Und zugleich sieht man auch Mechanismen am Wirken die einem nicht unbekannt vorkommen ne?

00:21:53: Also wenn meinungsstarke Familienmitglieder oder Freunde so wichtige Entscheidungen beeinflussen und dadurch dazu beitragen dass eine Erkrankung so schlimm endet also ich finde es fast schon ärger.

00:22:03: also ich könnte mich da auch reinsteigern um mich darüber so krass ärgern und ich find besonders schwierig wird's ja wenn man selbst nicht die Möglichkeit hat sich zu informieren.

00:22:11: in abgelegenen Regionen auch einfach mal der Fall.

00:22:14: Und deshalb finde ich aber auch noch einmal wichtig zu betonen, dass es nicht nur ein Problem ist, das jetzt nur in Nigeria betrifft.

00:22:19: Das ist ein weltweiter Trend – auch wir kennen ja diese Stimmungsmache gegen empfohlene Schutzimpfungen zu gut!

00:22:25: Also vielleicht habt ihr ja sogar selbst Familienmitglieder oder andere Menschen in eurem Umfeld die das irgendwie propagieren?

00:22:30: Ich find', die Pandemie hat einem da wirklich die Augen geöffnet mit einer massiven Meinungsmachung gegen Impfungen und erschreckenderweise gab's dafür wirklich große, große Zustimmung in Teilen.

00:22:40: Das ist ja auch ein Thema, das schon Wellen vor der Pandemiewelle geschlagen hat.

00:22:49: Ein Bezug auf Defterie vielleicht weniger, sondern eher bei uns Masern.

00:22:53: Da haben wir hier sogenannte Masampartys für viel Aufregung gesorgt und haben Eltern ihre Kinder bewusst nicht geimpft und sie dann mit infizierten Kindern spielen lassen.

00:23:01: Da sorgten immer wieder Berichte für große Irritationen.

00:23:05: Die Bedenken vor der Impfung sind durch den Verdacht entstanden, dass die Impfungen Autismus auslösen könnten.

00:23:10: Das ist absolut wissenschaftlich widerlegt.

00:23:12: und noch mal ganz klar eine Masenerkrankung kann schwer wie eine Komplikation hervorrufen und diese Gefahr ist bei einer Impfung wesentlich geringer.

00:23:20: Ja das ist echt spannend.

00:23:21: also aber lass uns nochmal vielleicht ganz kurz zurück nach Nigeria schauen oder Verena?

00:23:26: Ja, definitiv.

00:23:28: Und da eben auch zum Thema Impskepsis.

00:23:30: wie wir gerade schon gehört haben ist es natürlich ein Problem.

00:23:33: hier hängt das vorwiegend damit zusammen dass oft nicht genug Zugang zu Informationen bereitstehen also Menschen sich nicht wirklich umfassend informieren können und eine schlechte Versorgungssituation herrscht.

00:23:46: Das führt dann leider oft dazu, dass Personen nicht in die nächste Gesundheitseinrichtung gehen können.

00:23:50: Weil sie entweder zu weit weg ist oder auch geschlossen, weil nicht genug Personal zur Verfügung steht und auf traditionelle Heilerinnen ausweichen, die oft günstiger sind und einfacher zu erreichen.

00:24:01: Bei ernstzunehmenden Erkrankungen wie z.B.

00:24:03: Difterie ist natürlich den ihr Handlungsspielraum sehr gering und dann leider auch keine adäquate Behandlungen anbieten.

00:24:11: Das sehen wir einfach dann auch die Konsequenzen daraus, dass der allgemeine Gesundheitszustand der Bevölkerung in Nigeria wirklich sehr schlecht ist.

00:24:18: Und oft ist das da noch in der Kombination mit Mangelernährung, die vor allem auch im Norden des Landes vorherrscht eine sehr schlechte Kombination und wirkt sich wirklich sehr dramatisch auf die Bevölkerung aus.

00:24:30: Also als Epidemiologin beschäftigst du dich also gar nicht nur mit Infektionskrankheiten sondern auch mit Mangellernährungen?

00:24:36: Das finde ich schon irgendwie interessant!

00:24:38: Ja genau, das gehört alles dazu.

00:24:39: Als Epidemiologin beschäftigt man sich allgemein mit der Analyse des Gesundheitszustands innerhalb der Bevölkerung.

00:24:45: Das heißt auch Mangelernährungen ist dann natürlich ein Teil davon aber auch zum Beispiel chronische Krankheiten weil das alle sind natürlich Faktoren die sich auf den Gesundheitszustand der Bevölkerungs auswirken.

00:24:59: Es leuchtet auch irgendwie ein.

00:25:01: Aber ich will noch mal zurück zu den Kindern und der Mangelernährung, also wenn sie Difterie oder andere Infektionskrankheiten bekommen sind Sie ohnehin schon von Mangelernehrungen geschwächt?

00:25:11: Also das klingt ja nach einer sehr, sehr ernsten Ausgangslage.

00:25:15: Ja definitiv.

00:25:15: Und das sehen wir wirklich sehr in unseren Einrichtungen wo wir mangelernährte Kinder behandeln.

00:25:20: oft kommen die Kinder wirklich schon an einem sehr schlechten Zustand und neben der Unter Ernährung haben oft weitere Erkrankungen, wie zum Beispiel Meningitis.

00:25:31: Aber auch Masern ist tatsächlich – wir haben vorher schon über Masern gesprochen – ein Riesenproblem und immer wieder gibt es Masernausbrüche.

00:25:39: Aktuell haben wir gerade wieder einen Maserenausbruch im Norden des Landes.

00:25:44: Das oft einfach leider dazu führt, dass Kinder auch eine Sepsis entwickeln und dann intensivmedizinisch betreut werden müssen.

00:25:52: Allgemein sehen wir wirklich eine beunruhigende hohe Sterblichkeit bei unseren Patientinnen.

00:25:57: Teilweise haben wir Wochen da eine Sterblichkeitsrate von bis zu acht Prozent um das vielleicht mal ein bisschen mehr in Zahlen zu fassen.

00:26:05: also zum Beispiel eine Einrichtung hat Zwarhundert und drehundert Aufnahmen, neue Aufnahmen von Kindern pro Woche.

00:26:15: Was auch nochmal natürlich sehr verdeutlicht was Mangelernährung wirklich ein Riesenproblem ist.

00:26:21: Und dann sehen wir einfach zwischen zwölf und teilweise fünfundzwanzig Todesförder pro Woche im Schnitt drei Todesfälle pro Tag und das ist einfach wirklich sehr, sehr beunruhigend.

00:26:35: Ich hatte der Masern erwähnt.

00:26:37: Masern ist vor allem Masern in Kombination mit Mangelernährung ist leider ein Riesenproblem und trägt zur hohen Sterblichkeit auch bei.

00:26:45: Vor allem sehen wir auch viele Postmasernfälle, also Kinder die da vorne Masernerkrankungen überstanden haben.

00:26:51: Die dann aber bei uns eingeliefert werden als mangre Ernährte-Kinder und dann aber oft leider sehr viel anfälliger für andere Infektionskrankheiten sind.

00:27:00: Das ist einfach auch dadurch geschultet dass Masern sich auf das Gedächtnis des Immunsystems auswirkt und dieses aussetzt Teilweise zwei bis drei Jahre.

00:27:09: Das heißt, dass man dann einfach in der Zeit die Immunität, die man davor schon entwickelt hatte gegenüber anderen Krankheiten nicht mehr hat und sich deswegen nochmal sehr häufig zeigt, dass diese Kinder tatsächlich anfällig sind für andere Infektionskrankheiten.

00:27:25: Ich bin echt noch bei den Zahlen hängen geblieben.

00:27:28: Ich finde das so krass, dass viele Kinder in einer Nacht oder einem Tag sterben.

00:27:33: Das ist ein absoluter Albtraum.

00:27:35: Ja, auf jeden Fall.

00:27:37: Und das ist wirklich erschreckend zu sehen und natürlich noch mal viel mehr auch für meine Kolleginnen wirklich die dann medizinisch also klinisch an den Patienten arbeiten und dem auch wirklich jeden Tag ausgesetzt sind.

00:27:50: Das ist wirklich selber unruhigend.

00:27:52: Also wir sehen dann vor allem auch sehr oft bei mangelernährten Kindern, die zusätzlich noch eine Masenerkrankung haben.

00:27:58: Dass wirklich sehr schnell eine Dehydrierungen einsetzt sich teilweise auch die Haut ablöst und der Verlauf einfach sehr, sehr heftig ist und es leider auch oft tödlich verläuft.

00:28:07: Was ist echt schockierend?

00:28:09: Ich finde man kann sich das eigentlich nicht so richtig vorstellen.

00:28:11: Vor allem weil es eigentlich so vermeidbar ist.

00:28:14: Stell mir vor, dass es nicht leicht ist das zu verarbeiten für die Hinterbliebenen.

00:28:19: Für die Eltern, für die Community aber auch für das medizinische Team was mit den Kindern arbeitet.

00:28:26: also du kennst ja auf der einen Seite die drastischen Zahlen und auf der anderen Seite bekommst du auch immer die ganz persönlichen Schicksale mit.

00:28:33: gibt es bei all dem bei all diesen krassen zahlen bei all diese schilderung Etwas, was dir Hoffnung gibt?

00:28:40: Also irgendwo wo du ein Hebel siehst um vor Ort in den Projekten etwas verändern zu können.

00:28:44: Ja auf jeden Fall und ich glaube da ist vor allem der Forschungsaspekt nochmal ganz wichtig.

00:28:49: Aktuell zum Thema Mangelernährung starten wir zb gerade eine Studie Und da geht es vor allem darum Kinder mit moderater Mangel Ernährungen Zu behandeln.

00:28:59: Dafür wollen wir stärker auf eine Art lokales Porridge setzen dem wir zusätzlich noch Mikronährstoffe beimischen.

00:29:06: Dieses Polish hat einen sehr lustigen Namen, Tom Brown heißt es.

00:29:11: Und vor allem in der Kombination mit den zugesetzten Mikronährstoffen würde das wirklich sehr viele Vorteile bieten.

00:29:25: Es ist einfacher zu erwerben vor Ort und wir dadurch eben die Hoffnung haben... viele Kinder davor zu schützen, dass sie wirklich kritisch Mangel ernährt werden.

00:29:35: Das ist wirklich sehr vielversprechend und das schauen wir uns jetzt gleich nochmal genauer an.

00:29:39: aber jetzt wollt ihr bestimmt erst mal kurz mehr über dieses Porridge-Wissen oder?

00:29:42: Eine Kollegin beschreibt ganz gut wie man Tom Brown zubereitet.

00:29:45: Jetzt hören wir uns mal an was uns Maria Mohamed berichtet.

00:29:48: damit bekommt ihr endlich das Kochrezept das uns Anna schon am Anfang der Folge versprochen hat.

00:29:53: Sehr gut.

00:29:53: ich schreibe

00:29:55: mit

00:29:58: Tom Brown ist das Einfachste, was ein Kind zu sich nehmen kann.

00:30:02: Die Zutaten sind sechs Teile Sorgum drei Teile Sojabonen einen Teil Erdnüsse und ein paar Moringablätter.

00:30:11: Das alles wird vermischt.

00:30:13: wenn man daraus dann Pulver macht wird es Tom Brown genannt.

00:30:21: Ich möchte, dass jeder versteht wie man es macht und ich wünsche mir auch das alle aus der lokalen Gemeinschaft involviert sind.

00:30:29: Denn wenn wir das Wissen an die Community weitergeben dann ist es eine wirklich nachhaltige

00:30:34: Sache.".

00:30:35: Ich kenne das Getränk über dieses Rezept, weil so was ähnliches habe ich früher als Kind in Ronda zum Frühstück gegessen.

00:30:41: Also auf Basis von Sorghum und dann haben wir aber noch andere Sachen reingemischt.

00:30:45: Auf jeden Fall kein Moringa!

00:30:46: Aber ich hab mitgeschrieben und ich werde ja vielleicht das mal ausprobieren.

00:30:49: Aber auf jeden Fall können wir das Rezept noch in den Show Notes verlängen oder?

00:30:52: Ja, das machen wir unbedingt aner.

00:30:54: Und was mich besonders begeistert zusammen mit ihrem Team hat sie in nur fünf Monaten über fünfhundertfünfzig Kochworkshops gegeben um Eltern zu zeigen wie man Tom Brown für ihre Kinder herstellt und mehr als dreizehntausend Menschen haben teilgenommen.

00:31:07: Hast du es eigentlich mal probiert Verena?

00:31:09: Tatsächlich noch nicht aber ich habe es auf jeden Fall vor.

00:31:12: Okay

00:31:12: dann sag Bescheid!

00:31:13: Du

00:31:14: werde ich tun... Und ansonsten hat es tatsächlich wirklich sehr viele Vorteile da es an sich schon sehr nährstoffreich ist und wir das dann eben nochmal weiterentwickelt haben mit lokalen Ernährungsspezialistinnen, und auch kontinuierlich verbessert haben so dass es wirklich dann auch als Nahrungsergänzungsmittel fungieren kann.

00:31:33: Und gezielt für Moderatmangel ernährte Kinder eingesetzt werden kann.

00:31:37: Gleichzeitig ist es in der Community einfach wirklich schon etabliert.

00:31:40: die Leute kennen es sie wissen es Sie können es auch selber zubereiten natürlich dann ohne dem Zusatz der Mikronährstoffe.

00:31:48: Aber allgemein, es ist einfach wirklich sehr akzeptiert innerhalb der Bevölkerung und es ist viel einfacher verfügbar als zum Beispiel die spezielle hoch kalorischen Erdnusspaste, die wir sonst als Therapiemittel einsetzen.

00:32:01: Die kenne ich auch noch aus einer Folge.

00:32:03: Somit haben wir einfach die Hoffnung dass wenn unsere Studie erfolgreich ist wie mehr Kinder mit weniger Aufwand therapieren können.

00:32:09: Das finde ich echt cool und ist auch ein bisschen hoffnungsvoll, weil nach all diesen drastischen Schilderungen die wir heute gehört haben.

00:32:15: Danke auf jeden Fall dass du das auch nochmal mit uns geteilt hast Verena!

00:32:18: Und überhaupt fand ich es sehr, sehr spannend.

00:32:21: also alle diese verschiedenen Themen die sozusagen in deinem Projekt in Nigeria zusammenkommen Diese anhaltende Defterieepidemie Die weiteren Infektionskrankheiten wie Masern Und dann das große Problem, wenn sich quasi auch noch alles mit Mangelernährung überschneidet.

00:32:34: Also vielen, vielen Dank, dass du uns da durchgeführt hast und uns da sozusagen an die Hand genommen hast!

00:32:39: Ja danke auch und ich freue mich sehr, dass ich dabei sein konnte.

00:32:43: Ich weiß auch super spannend, Verena.

00:32:44: Vielen Dank dafür!

00:32:46: Wenn ihr, liebe Hörerinnen noch weitere Fragen an Verena oder uns habt dann schreibt es doch gerne oder schickt uns einen Kommentar unter notaufnahme-därzte-ohne-grenzen.de.

00:32:56: Wir freuen uns über Anregungen, Kritik und Vorschläge für weitere Folgen Und ich vergesse die nächste lange Folge der Notaufnahme kommt

00:33:03: voraussichtlich

00:33:04: Ende September

00:33:05: Und zwischendurch begrüßt euch auch noch Patrizia zur fünf Minuten Notaufname.

00:33:10: wenn ihr jetzt aber noch Austauschbedarf habt kein Problem.

00:33:12: Schaut einfach mal auf unserem Instagram-Account et Ärzte ohne Grenzen rein, da könnt ihr all eure Fragen stellen und wenn euch unser Podcast gefällt dann folgt uns doch gerne im Feed eurer Wahl, dann verpasst ihr auf keinen Fall unsere nächste Folge!

00:33:25: Danke Verena.

00:33:26: das war es jetzt aber tschüss und tschüß Christian!

00:33:29: Tschüss!

00:33:42: Redaktion und Projektleitung Clara Schneider, Andreas Kobb

00:33:46: und Regina

00:33:47: Bischoff.

00:33:47: Aufnahmeleitung und Produktion Christian Konradi.

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