Menschen im Blick – schnelle Hilfe auf dem Mittelmeer
Shownotes
„Wenn ihr nicht gekommen wärt, wären wir jetzt wahrscheinlich tot.“ Diesen Satz hört die Crew unseres Schiffs nach einer Rettung auf dem Mittelmeer von einem 9-Jährigen: Zusammen mit 40 anderen Menschen war er zuvor drei Tage lang in Seenot auf einem völlig überfüllten Boot.
Diese Rettung war die erste mit dem neuen Schiff von Ärzte ohne Grenzen, der Oyvon: Unser Gast Camil El-Khoury war dabei. Er ist Mitglied der Crew und arbeitet als Intercultural Mediator (interkultureller Vermittler) an Bord: Er begrüßt die geretteten Menschen, erklärt die Regeln und Abläufe auf dem Schiff, übersetzt und baut Brücken für ein gutes interkulturelles Verständnis. Das macht ihn zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Crew und Geretteten. Ob medizinische Versorgung oder Brettspiel zum Zeitvertreib – Camil ist bei fast allem involviert, was auf dem Schiff passiert und ist eines der Crewmitglieder, das den intensivsten Austausch mit den Geretteten hat, auch dank der vielen Sprachen, die er spricht.
In seiner Rolle erlebt er auch immer wieder die emotionalen und psychischen Herausforderungen, die Menschen auf dem Weg übers Mittelmeer durchmachen: Er schildert etwa, was die Fluchterfahrung bei Kindern auslöst, was Mütter durchmachen, die jahrelang in Libyen festsitzen – und er erklärt, warum Sprache, Respekt und Zuhören bei einer Rettung wichtig sind.
Camil teilt auch seine eigene Geschichte: von Flucht, Neuanfang und dem Wunsch, endlich selbstbestimmt leben zu können. Eine Folge über Menschlichkeit auf See und über die tödlichen Folgen europäischer Abschottungspolitik.
In dieser Folge erfährst du:
- Wie Rettungen auch bei Nacht und schwerem Seegang gelingen …
- Warum das neue Schiff von Ärzte ohne Grenzen ganz anders ist als das vorherige …
- Warum auch Sprache, Respekt und Zuhören bei einer Rettung wichtig sind …
- Was Camil selbst erlebte und warum es ihm für seine Arbeit als Intercultural Mediator hilft …
- Welch fatale Folgen es hat, wenn sichere Fluchtwege fehlen, und die Verantwortung für Schutzsuchende mehr und mehr ausgelagert wird
JETZT SPENDEN – Damit wir Menschen in unseren Projekten weltweit Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglichen können.
BISHERIGE FOLGEN ZUR SEENOTRETTUNG AUF DEM MITTELMEER:
Folge 55: “10 Jahre Seenotrettung – Erfolge und Herausforderungen”
Folge 37 “Mit 606 Geflüchteten an Bord – Seenotrettung durch Ärzte ohne Grenzen”
Folge 23 “’Ready for rescue’ - Mit dem Schnellboot Leben retten”
Folge 14 “Rettung auf hoher See”
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Dieser Podcast wurde von Ärzte ohne Grenzen e.V. in Zusammenarbeit mit Christian Conradi produziert. Redaktion und Projektleitung: Clara Schneider, Andreas Koob und Regina Bischoff. Organisation Live-Event: Annika Fiegehenn. Moderation: Anna Dushime, Christian Katzer. Aufnahme, Schnitt und Produktion: Christian Conradi. V. i. S. d. P. Jannik Rust, Ärzte ohne Grenzen e. V., Schwedenstr. 9, 13359 Berlin. Bild: MSF
Transkript anzeigen
00:00:00: Ein anderer geretteten, die sechsundzwanzig Jahre alt war, sie heißt Sarah.
00:00:05: Sie hat uns auch erzählt an diese Rettung dass sie zehnmal versucht von Libyen diesem Weg zu nehmen um nach Europa zu kommen aber jedes Mal hat die lübische Kustwache sie abgefangen und dann zurück nach Libyen gebracht und dort inhaftiert.
00:00:25: das erste mal als sie das probiert hat war sich schwanger Und letztes Jahr war ihr Mädchen fünf Jahre alt, stellt ihr vor wie das Mädchen also ihre Tochter alles das erlebt und alles das mitgesehen hat.
00:00:43: Notaufnahme der Podcast von Ärzte ohne Grenzen.
00:00:49: Guten Abend und herzlich willkommen zu dieser Folge der Notaufnahme.
00:00:54: Hallo, liebes Publikum hier im Refugio in Berlin-Neukölln wo wir auch wieder dieses Mal live aufnehmen und ein herzliches Willkommen natürlich auch an unsere Liebenhörerinnen Zuhause.
00:01:04: mein Name ist Anna Duschime ich bin Journalistin Moderatorin und Autorin
00:01:08: Und ich bin Christian Katzer.
00:01:09: Ich bin Geschäftsführer von Ärzte und Grenzen in Deutschland.
00:01:12: Wir sind zurück im Refuge und auch Ärzten ohne Grenzen quasi irgendwie wieder zurück.
00:01:18: Damit meine ich nicht die gesamte Organisation, sondern dass die Organisation wieder ein Schiff für Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer hat.
00:01:25: was die Crew bei den ersten Rettungen Ende letzten Jahres erlebte wie ihre Arbeit auch in der stockfinsteren Nacht und bei schwerem Seegang funktioniert darüber sprechen wir heute live auf der Bühne mit einem festen Mitglied der neuen Crew Kamil Erhudi.
00:01:50: Vor allem wird es auch in unserem Gespräch heute um seine Rolle als Intercultural Mediator, also Sprach- und Kulturmittler auf dem Rettungsschiff gehen.
00:01:59: Und ich nehme einfach mal an durch deinen Job bist du so nah dran an den Überlebenden wie wenige sonst von der Crew.
00:02:04: wir freuen uns sehr dass Du hier bist.
00:02:06: herzlich willkommen lieber Camille.
00:02:07: Hallo Anna hallo Christian.
00:02:09: Ich freue mich sehr her zu sein.
00:02:10: hallo Kamil Willkommen Danke.
00:02:12: Aber eine kleine Ergänzung einfach noch vorne weg, um da sicher zu sein... Wir haben wieder ein Schiff die EUWON, aber im Moment liegt dieses Schiff auf Rede.
00:02:25: es wird gerade noch repariert und ist damit im Moment nicht im Mittelmeer im Einsatz.
00:02:28: wir hoffen aber sehr dass wir nach Abschluss der technischen Wartung mit dem Schiff wieder sehr schnell aus Wasser kommen.
00:02:35: Okay danke schön für die Ergänsung Christian!
00:02:37: Camille lass uns gleich direkt einsteigen.
00:02:41: besonderen, ganz speziellen Moment sprechen.
00:02:43: Du hast die erste Rettung mit dem neuen Schiff von Ärzte ohne Grenzen also der Euron wie Christian gerade gesagt hat im November zwanzig-fünfundzwanzig erlebt.
00:02:52: Wie war das?
00:02:53: Kannst du uns da ein bisschen mitnehmen?
00:02:55: Ja klar!
00:02:56: Also das war meine erste Rrettung überhaupt.
00:02:58: auch ich könnte sie als sehr emotional beschreiben nicht nur für mich sondern auch für die ganze Crew weil wir haben die ganze Nacht gesucht und dann Am nächsten Morgen, es war ein sonniger Tag.
00:03:14: Das Meer war ruhig.
00:03:16: Meine Kollegen hat das Boot gesehen und wir sind zu ihnen gefahren.
00:03:22: Es gab forty-one Menschen an diesem Boot im Seenot und genau sie seien sehr erschürft und sehr müde.
00:03:32: Ja und eine von den Geräteten hat mir gesagt, dass sie uns gesehen haben während der Nacht als wir sie gesucht hatten.
00:03:42: Und als wir Sie nicht gefunden haben in der Nacht, sie hatten ihre Hoffnung verloren.
00:03:52: Das ist auf jeden Fall hart also auch für die Überlebenden, also für die Menschen euch quasi sehen.
00:03:59: Es ist zum Greifen nah, aber dann klappst da nicht und auch stelle ich mir das sowieso extrem vor weil man ja nie weiß wie die Überfahrt endet.
00:04:08: also es ist ja nicht klar dass sie sozusagen immer in Sicherheit endet so dass sie auch immer gefunden werden.
00:04:14: definitiv die überfahrt über das zentrale mittelmehr ist eine der schwierigsten und gefährlichsten überfahrtsflucht rote in der welt.
00:04:25: aber trotzdem entscheiden sich Leute diese Überfahrt zu nehmen, um in Sicherheit zu kommen.
00:04:33: Es fällt mir immer diese Begegnung mit einem Jungen auf diesem Boot.
00:04:39: Er war neun Jahre alt.
00:04:41: Er hat mir gesagt, Camille weißt du wenn ihr uns nicht gefunden hättet wären wir jetzt tot.
00:04:48: ich war wirklich beeindruckt von ihm.
00:04:51: er war höflich und sprachlos, weil er diese Ausdrücke gesagt hat und mir gesagt.
00:05:01: Er hat gedacht, dass er tot sein könnte wenn wir ihn nicht gefunden haben.
00:05:07: Und was könnte etwas so also solche Erfahrungen mit ihm und sein Leben gestalten und prägen?
00:05:13: Und genau ich habe auch ein bisschen mit ihm gesprochen über.
00:05:17: er hat mir seine Pläne über seine Plähne gesagt.
00:05:21: er will gerne ein Arzt in Europa sein.
00:05:25: Also ja, mit neun Jahren alt wusste ich nicht was ich wollte.
00:05:29: Was ich sein werde?
00:05:31: Ja, ich weiß nicht ob du auch... Doch!
00:05:34: Ich wollte Sängerin werden aber dann habe ich Marketing studiert ist egal.
00:05:39: Aber
00:05:39: es ist schon beeindruckend mit welcher Klarheit er seine
00:05:42: Ziele
00:05:43: formuliert und wie er darüber sprichte.
00:05:46: Und er war selbstbewusst.
00:05:50: Und er war mit seinem Bruder und seinen Vater.
00:05:54: Sie haben den Krieg von in Zudalen überlebt, und sie sind geflogen zu Europa.
00:06:04: Also bei mir ist es ja so als ich neun Jahre alt bin, wenn ich jetzt zurückdenke... Ich bin in Osterschlank großgeworden in der DDR, seit ich neuen war und trotzdem total behütet in welchen Privilegien wir hatten.
00:06:17: Es gab keine Angst vor Krieg, für Flucht oder ähnlichen Sachen.
00:06:22: Und letztendlich ist aber das was du erzählt kam mir total typisch.
00:06:26: Das hören wir immer wieder von Menschen die entweder über zentrale Mittel mehr flüchten oder über die anderen Flucht ruten, über Griechenland dass die Menschen aus Kriegs- und Krisenkontexten fliehen einfach immer wieder diese Routen suchen weil es einfach keine Perspektiven gibt, weil es extrem gefährlich ist Familien, ganze Familien oder sogar unbegleitete Kinder.
00:06:48: Und wie du es schon sagtest, in der ersten Rettung waren das vor allen Dingen Menschen aus dem Sudan.
00:06:53: In der zweiten Rettungen waren es Menschen aus den Südsudanen und aus Eritrea – ja alles Länder, in denen wir arbeiten, in den Ärzten und ganzen Projekte hat die ich zum Großteil auch besuchen konnte oder für die ich verantwortlich war.
00:07:04: Es ist mir sehr klar wenn ich mich daran erinnere im Südsudaen welcher Gewalt die Menschen ausgesetzt sind finde ich total nachvollziehbar dass sie alle auf eine Karte setzen und versuchen ein besseres Leben oder überhaupt ein Überleben zu garantieren und damit die Gefahren, die vielleicht im Mittelmeer lauern einfach ausgeblendet werden.
00:07:24: Oder mit dem aufgewogen wären was Zuhause ist wo die Gefahr umgebracht zu werden einfach auch extrem groß ist.
00:07:30: Ja vielleicht noch größer ist.
00:07:32: man würde das ja nicht auf sich nehmen wenn es zu Hause entspannt ist.
00:07:36: Also deswegen, ich verstehe immer dieses Argument nicht.
00:07:38: Genau aber wie das aussieht und was du gerade beschrieben hast Kamil um es überhaupt vorzustellen zu können?
00:07:45: Es gibt eine Kollegin an Bord die die Kommunikationsarbeit macht und die hat die beiden Rettungen gefilmt.
00:07:50: lasst uns da zusammen einfach mal da reingucken.
00:08:02: Ich finde auch wenn man Wenn man sich dieses Video anschaut, es ist in echt ja wahrscheinlich noch viel, viel härter und viel beklemmender.
00:08:12: Also dieses dunkle Meer, dieses unruhige... diese Wellen und dann die Scheinwerfer mit denen ihr die Menschen sucht.
00:08:21: also ich kann mir gar nicht vorstellen was in deinem Kopf oder im Kopf der Crew, den Menschen, die gerettet werden.
00:08:27: So passiert in dem Moment.
00:08:28: Wir haben dich ja auch gesehen ganz kurz wie du die Menschen da bei der Rettung eben da hochgezogen hast.
00:08:34: Wie erinnerst du dich an diese Situation?
00:08:36: Die Bedingungen in dieser Rettungszeit waren sehr schwierig.
00:08:41: wir haben gerade gesehen wie dunkel es war Es gab hohen Wellengang und es war auch windig Und wir haben das Boot gesehen, weil es vielleicht einige Menschen am Boot – am anderen Boot ihre Handylichter ausgeschaltet haben.
00:09:02: Und deshalb könnten wir sie besser sehen und die Menschen waren wirklich erschöpft.
00:09:08: Es hat uns mehrere Stunden gedauert um diese Rettung zu einsen.
00:09:15: Und die Begrüßung am Anfang war ein bisschen zu kurz, weil einige Leute nach ihrem Einstieg sind... Sie waren erschöpft wie gesagt und sie haben sofort eingeschlafen.
00:09:30: Was war wirklich schwierig in dieser Situation?
00:09:32: In dieser Rettung gab es einen Baby, der sechs Wochen alt war.
00:09:39: An diesem Tag war mein Nichte auch sechs Wochen old daran nachzudenken, dass was wäre wenn meine Nichte an diesem Boot gewesen wäre.
00:09:54: Das erklärt wie die Eltern Entscheidungen treffen nicht nur wegen ihrer... Sie entscheiden für ihre Baby auch und nicht für ihr.
00:10:06: also ich bin kein Elternteil.
00:10:08: aber Eine andere Gerettetin, die die sechsundzwanzig Jahre alt ist oder war, sie heißt Sarah.
00:10:17: Sie hat uns auch erzählt an diese Rettung dass sie zehnmal versucht von Libyen in diesem Weg zu nehmen, um nach Europa anzukommen.
00:10:29: Aber jedes Mal hat die lübische Kustwache sie abgefangen und dann zurück nach Libyen gebracht und dort inhaftiert.
00:10:40: Das erste mal als sie das probiert hat war sie schwanger.
00:10:44: Und letztes Jahr war ihr Mädchen fünf Jahre alt.
00:10:49: Stellt ihr vor wie das Mädchen, also ihre Tochter Alles das erlebt und alles, was mitgesehen hat.
00:10:58: Und wie die Leute im Libyen inhaftiert wurden... Also
00:11:05: sollte kein Mensch mitmachen müssen?
00:11:07: Auf keinen Fallen!
00:11:11: Ja also ich bin bekanntlich sehr nah am Wasser gebaut und auch Mutter und deswegen geht mir das besonders nahe aber auch bevor ich Mutter war.
00:11:19: Ich finde es einfach so beklemmend zu wissen Also wie willkürlich irgendwie diese Welt und die Privilegien verteilt sind, es sollte natürlich eigentlich kein Privilegg sein leben zu können.
00:11:29: Und in Sicherheit zu sein aber eben das muss man sich glaube ich immer wieder vergegenwärtigen.
00:11:36: also dass was du auch mit deiner Nichte gesagt hast Das sind ja das sind Menschen da sind keine Zahlen das sind menschen Da sind Kinder mit Träumen die Arzt werden wollen und Ich glaube man vergisst das immer und schiebt es so weit weg wenn man sich eben vorstellt, dass die eigene Nichte oder das ist das eigene Kind wäre.
00:11:54: Und es ist natürlich gut, dass sie irgendwie dieses Kapitel, also Sarah und auch andere, die gerettet wurden, dass Sie sozusagen an Bord der Euron gekommen sind.
00:12:04: aber ich will nochmal kurz zu der Rettung zurückkommen.
00:12:08: Also ich habe jetzt im Video gehört.
00:12:10: ihr fragt dann schnell nach der Sprache Aber wie kann man sich das so vorstellen?
00:12:16: Wie läuft der Prozess ab, also wie agiert ihr?
00:12:18: Wer macht was sozusagen.
00:12:20: Wie kann man es sich vorstellen?
00:12:33: Wir alle machen, unsere Aufgabe ist die Search-and-Rescue Watch.
00:12:52: Das heißt wir nehmen unsere Ferngläser und versuchen die Boot in Seenot zu finden.
00:13:07: Ich stelle ihr vor, wir sollten ein kleines Boot, schwarzen Boot in eine große dunkle Wasserfläche zu finden.
00:13:19: In Dunkelheit und manchmal gibt es kein Mundlicht.
00:13:23: aber also wenn es ein Mundlicht gäbe wäre es einfacher das Boot zu finden.
00:13:29: Aber
00:13:30: die Leute machen dann ihre Handys an und versuchen dann so auf sich aufmerksam zu machen.
00:13:35: Genau!
00:13:38: In dieser Situation gab es Hilfe, wenn ich das sagen darf von den Geretteten.
00:13:45: Aber manchmal haben die Leute auch kein Handy und sie haben keinen Licht oder sie haben auch keinen Akku.
00:13:52: Ich finde, die schöne Nachricht da ist... einfach das Ärzte ohne Grenzen wieder Seenotrettung ermöglicht.
00:13:59: Als wir das letzte Mal vor ziemlich genau einem Jahr hier dazu gesprochen haben, war das ja noch nicht so richtig klar.
00:14:05: Christian vielleicht kannst du ein bisschen was dazu sagen?
00:14:06: Wie lief das ab?
00:14:07: Welches Ziel verfolgt der als Organisation?
00:14:10: wie habt ihr das jetzt wieder möglich gemacht?
00:14:11: Also letztendlich geht es erst mal uns darum ganz klares Zeichen zu setzen dass Seenodrettung weiterhin extrem wichtig ist und dafür zu sorgen dass es genug Schiffe auf den zentralen Mittelmeer gibt, einfach mal eine Zahl.
00:14:25: Seit dem Jahr zwei Tausend Fünfzehn haben Organisationen wie Erzine Grenzen und andere Seenotrettungsorganisationen insgesamt mehr als ninety-viertausend Menschen aus Seenot gerettet, also das extrem hohe Zahl.
00:14:37: Die Hürden um die Seenotsrettung haben sich über die Jahre weiter verschärft da.
00:14:42: wir sehen immer mehr rechtliche Einschränkungen politisch und trotzdem war die SeENOTRETTUNG und ist weiterhin sehr erfolgreich.
00:14:51: Und deswegen wird es für uns ein Ziel bleiben weiter aktiv mit einem Schiff oder Schiffhennen auch im zentralen Mittelmeer aktiv zu sein.
00:15:01: Das andere ist natürlich die Meta-Ebene auch jetzt, dass wir darüber sprechen und wir wollen einfach ein klares Signal setzen gegen diese Abschädtungspolitik der Europäischen Union.
00:15:12: Und zwar wollen wir da einfach Hilfe, Solidarität und Menschlichkeit im Entgegensetzen und dieses Boot – auch wenn es klein ist – ist halt unser Zeichen der Solidaritäts-, der Menschlichkeit und der Hilfe, die wir diesen Menschen entgegenbringen wollen.
00:15:27: Und deswegen sind wir so froh, dass wir mit der EUWON wieder ein Schiff gefunden haben von dem wir denken, das wir damit so'n bisschen den Regularien in Schnippchen schlagen können.
00:15:37: Das Schiff ist viel kleiner und wir werden es nachher noch mal sehen als das Vorre geschiffert.
00:15:42: wir hatten und ermöglicht uns einfach viel schneller und flexibler zu sein auch um auf die administrativen Herausforderungen ja die politisch gewollt sind reagieren zu können weil das Schiff einfach schneller ist.
00:15:53: Letztendlich kurz ein Hinweis in eigener Sache.
00:15:55: Wir können solche Sachen nur machen, wir können uns solche Schiffe nur chartern oder kaufen weil wir durch Spenden unterstützt werden.
00:16:03: deswegen ja liebe hörende Bitte unterstützt die Arbeit von Ärzte und Grenzen Weil wir aufgrund dieser Unterstützung unabhängig sind Und zum Beispiel dafür sorgen konnten, dass wir wieder ein Schiff im zentralen Mittelmeer haben.
00:16:18: Und nur durch diese Unterstützung konnten wir die EUI-Wohnen betriebsfertig machen und wieder im Zentrarmittel mehr haben.
00:16:24: Die EUI Wohne ist letztendlich ein viel kleineres Schiff.
00:16:27: Das war mal so'n Ambulanzschiff.
00:16:29: Im Norwegen war das unterwegs.
00:16:31: Ein Krankenwagen-Schiff sozusagen, was da unterwegs war in sehr abgelegenen Gebieten.
00:16:37: Von daher hatte es eine ähnliche Funktion auch medizinisch.
00:16:40: Es gab schon so einen kleinen Bereich wo es eine Liege gab sowie ein kleines Behandlungszimmer.
00:16:46: Deswegen hat das uns sofort angesprochen und dann haben wir das letztendlich umgerüstet, umgebaut.
00:16:51: Da gab's wirklich umfassende Baumaßnahmen.
00:16:54: Genau, das finde ich sehr spannend.
00:16:56: Ich habe jetzt eine richtig dobe Frage.
00:16:58: aber wo findet man denn so ein Boot?
00:17:00: Man geht ja nicht auf Kleinanzeigen oder windet und suche einen Rettungsboot.
00:17:04: wie findet ihr das?
00:17:05: Ja
00:17:05: doch vom Prinzip her schon, wir können uns das vorstellen vielleicht nicht windet aber so mobile mäßig.
00:17:09: also da werden.
00:17:11: Schiffe kann man kaufen.
00:17:11: du kannst so nen Supertanker kaufen also wer das nötige Kleingeld hat.
00:17:15: Das erklärt warum ich da noch
00:17:16: nicht draufgekommen bin Kannst du dir gucken alles vom Paddelboot bis zum Supertunker gibt es offiziell zu kaufen.
00:17:22: Und wir haben uns mehrere Sachen angeguckt und sind halt auf die Eurowohnen gekommen, weil es einfach von der Größe und von der Vorennutzung her uns am meisten versprochen hat das dass wir da zielführend unterwegs sein können und die Umbautmaßnahmen nicht zu komplex sein
00:17:38: werden.
00:17:39: Gibt es noch mehr konkrete Sachen, die du uns über dieses neue Schiff sagen kannst?
00:17:43: Es ist kleiner.
00:17:43: Es ist wendiger und ein ehemaliges Ambulanzschiff aus Norwegen.
00:17:47: Einfach viel schneller.
00:17:48: Warum das Schnelle spielt eine Rolle ist, dass wir in der Vergangenheit nach einer Rettung wieder zurück in den Hafen mussten.
00:17:57: Die anderen Schiffe sind groß und verbrennen viel mehr Treibstoffe und müssen trotzdem zurück ins Hafen.
00:18:03: Oft wurde uns auch ... Hefen zugewiesen, die extrem weit entfernt sind.
00:18:07: Dann hat das große Schiff einfach tagelang noch mal den ganzen italienischen Küste lang gefahren um dann zum Beispiel nach Genoa zu kommen.
00:18:15: da ist das kleine Schiff schneller unterwegs und erspart letztendlich den Gästen auf dem Schiff nochmal so ein Audio derweil sie sitzen da auf dem schiff und wissen nicht wie es weitergeht.
00:18:27: uns im anderen reduziert natürlich auch die Kosten einfach weil viel weniger Treibstoff verbraucht wird ist gut besser für die Umwelt Und wir müssen eh nach jeder Rettung in die Hefen zurück nachherziehen.
00:18:35: Das ist auch echt bitter, diese schikane und diese politisch motivierten Regularien, die einfach nur die Arbeit und das Leben schwerer machen sollen?
00:18:43: Absolut!
00:18:44: Es hat natürlich auch Nachteile.
00:18:47: Vielleicht kommen wir nachher noch mal drauf aber mit dem größeren Schiff konnten wir auch tagelang in der Zone uns bewegen, in der die meisten Schiffe gefunden werden.
00:18:58: Mit der Eurowun halt nicht so lange möglich, weil du nicht so viel Treibstoff hast.
00:19:01: Da ist es fast eher so dass wenn wir, wenn ein Alarm-Anruf kommt oder Schiffe gesichtet wurden.
00:19:07: Dass wir dann rausfahren sozusagen um diese Schiffe zu suchen.
00:19:10: Das kann man über was du beschrieben hast.
00:19:12: Die Suchen in der Vergangenheit konnten wir teilweise länger in der Search und Rescue Zone wie die heißt uns aufhalten.
00:19:18: das ist mit dem kleineren Schiff nicht möglich.
00:19:21: Ich glaube wir haben einen Videoeinspieler den wir mal kurz abschielen und dann können wir uns einen besseren Eindruck von her machen.
00:19:28: Genau da sieht man das Schiff und lass es doch zusammen einfach mal rauf gucken.
00:19:32: Das war ein kurzer Einspieler.
00:19:37: Man hat es auch auf den anderen Videos gut gesehen, dass die Rettungsschiffe, also die Schlauchboote viel kleiner sind im Vergleich zu den anderen Schiffen, die sonst unterwegs sind.
00:19:49: Man sieht das auch auf dem Bild hier, genau das sind halt die Nachteile.
00:19:51: wenn wir ein größeres Schiff finden würden Dann müssen wir zusätzlich Unterstützung dazu rufen, weil die Aufnahmekapazitäten halt auch beschränkt sind was Zuladungen betrifft.
00:20:04: Das würde mich mal interessieren, weil das konnte man ja in dem extrem kurzen Einspieler nicht sehen.
00:20:09: Aber welche Ausstattung gibt es dann auf so einem Schiff?
00:20:11: Also du hast schon vorhin die Liege beschrieben aber kannst du uns da einen besseren Eindruck vielleicht noch einmal geben?
00:20:17: Sehr gerne!
00:20:17: Also euch wollen ist zwanzig Meter lang wie Christian gesagt hat Es war ein ehemaliges Ambulanzschiff aus Norwegen.
00:20:27: Jetzt kommt ein bisschen der intercultural Mediaten in mir und ich werde jetzt das Wortschatz von der Anatomie des Schiffs vermitteln,
00:20:36: die
00:20:37: interessiert sind.
00:20:38: Also das Schiff ist... also der vorne des Schifs heißt der Bug und dann die hintere Seite des Schiffs heißt das Heck Genau.
00:20:48: Und dann gibt es die linken Seite, das heißt die Backboard-Seite...
00:20:54: Ah!
00:20:54: Das ist Backboard?
00:20:55: Ja.
00:20:55: Ich habe mich schon immer gefragt.
00:20:57: ...und die rechten Seite ist die Steuerbordseite.
00:21:01: Warum ist die Steuerbord-Seiten?
00:21:02: Weil der Kapitän sitzt auf der rechten Seite und er steuert das Schiff.
00:21:08: Also um zu Deine Frage zu antworten Wir haben die Brücke in dem höheren Bereich des Eubens
00:21:18: zwischen
00:21:19: der Mitte und dem Bug, nämlich vorne des Schiffs.
00:21:26: Und dann haben wir den Deck.
00:21:29: Am Deck gibt es den Bereich für die Geretteten.
00:21:33: an der rechten Seite, die Steuerbordseite sitzen normalerweise die Frauen und Kinder.
00:21:40: Und auf der Backboard-Seite sitzen die Männer Und gibt es auch die medizinische Raum.
00:21:52: Es gibt eine Liga, Medikamenten und Defibrillator und Monitor und auch Oxygen, Sauerstoff.
00:22:01: Auf dem Heck gibt es im Innenbereich eine Toilette für Frauen und Kinder.
00:22:07: Im Außen-Bereich gibt es eine Toile für Männer.
00:22:12: Im unteren Bereich vom Heck bis zum Mitte gibt es die Maschinenraum.
00:22:20: Doch, Maschineraum?
00:22:22: Wie heißt das?
00:22:24: Ich
00:22:24: erzähle ein bisschen über der Fohne und dann komme ich zurück für die Väter.
00:22:28: Also im Bug gibt es vier Kabinen drei, zwei Kabine und eine Kabine für vier Personen.
00:22:38: Und dann gibt es Küche.
00:22:39: Die Küche heisst die Kompüse.
00:22:42: Hinten im unteren Bereich gibt es den Engine Room.
00:22:46: Aha, der Maschinenraum.
00:22:50: Das war richtig eigentlich.
00:22:52: Nur Raum fehlte.
00:22:54: Genau und so ist irgendwann gestattet.
00:22:57: In welchen Kabinen schläft ihr denn?
00:22:59: Schleft die Crew...
00:23:01: Genau, also vorne wir haben wie gesagt drei Kabinen für zwei Personen und eine Kabine für vier Personen.
00:23:08: Also wenn wir die Zeit haben zu schlafen dann können wir ein bisschen ausruhen und danach... Wir müssen irgendwie ausruhren damit wir energetisch immer sein um in die Rettungen auszuführen und genau um die Geräte auch zu kümmern.
00:23:28: Es hört sich für mich sehr eng an Und es muss auch relativ schnell gehen und man verbringt dann relativ viel Zeit miteinander auf sehr engem Raum.
00:23:36: Wie fühlt sich das denn so an Bord an?
00:23:39: An Bord verliert man das Gefühl von Zeit und Raum, weil wir ... die ganze Zeit von einem Ort zu einem anderen.
00:23:51: Also Eubern, wie Christian gesagt hat ist ziemlich schnell im Vergleich zur andere Schiffe aber die Distanz in Mittelmeer ist zu groß.
00:24:02: deshalb könnte man das Gefühl von Zeit und Ort verlieren was das Enkelraum betrifft.
00:24:14: Ehrlich gesagt, wir denken nicht wirklich darüber weil wir immer fokussiert sind unsere Aufgaben zu erfüllen.
00:24:21: Immer wenn wir hören zum Beispiel MSF Team, MSF team, MSS Team get ready for rescue Wir fokussieren uns sofort auf unsere Aufgaben.
00:24:32: Es gibt viele Aufgaben zu erledigen, bevor die vor den Einstieg der Geretteten und wir müssen zum Beispiel unsere Westen tragen, unsere Helmet und dann müssen wir Toiletten vorbereiten und die Rettung
00:24:50: Jacke auch
00:24:51: vorbereiten für die Gerettete.
00:24:54: also Ja, wir fokussieren uns immer auf die Aufgaben und auf die Rettungen.
00:25:00: Deshalb kann man nicht wirklich an diesem engen Raum denken.
00:25:05: Das ist wahrscheinlich auch gar nicht so schlecht wenn man sich dann nicht die ganze Zeit darauf fokusiert
00:25:12: Total.
00:25:12: Und es ist ja auch ein Riesenunterschied jetzt zwischen den beiden Schiffen, also ich stelle mir das mal vor die großen Fernen mit denen wir hier in Mittelropa manchmal unterwegs sind Richtung Skandinavien oder im Mittelmeer.
00:25:24: Ja so sind natürlich viel größer als das vorherige Rettungsschiff aber von vergleichbar relativ stabil und auch um Seegang etc.
00:25:31: Die OVON ist eher vergleichbaim mit einem großen Segelboot.
00:25:34: Ich bin zweimal auf der Ostsee gesiegelt und ich muss ehrlich sagen ist nichts für mich.
00:25:38: Die zu einem die Enge unter Tage, sage ich jetzt schon im Schiff fühlt sich an.
00:25:47: Und das andere ist halt der Seegang schon extrem so klein boten ordentlich durch die Gegend schüttelt also mir wurde da immer ordentlich schlecht.
00:25:52: von daher habe ich große Hochachtung dafür.
00:25:55: Aber wie gesagt, das macht das Schiff einfach viel schneller und wendiger was sehr wichtig ist.
00:26:00: Das vorige Schiff die Geobarrens konnte bis zu siebenhundert Menschen aufnehmen also wirklich extrem viel.
00:26:05: da haben wir teilweise vier fünf Rettungen durchführen können oder auch größere Schiffe letztendlich übernehmen können Und dann aber in der letzten Zeit mussten wir oft die Search-and-Rescue Zone verlassen, als wir fünfzig Leute anbaut hatten.
00:26:17: Also total Unterkapazität, also viel zu viel Kapazität und was ich vorhin schon erzählt hatte das ist einfach extrem teuer wurde es zu machen.
00:26:26: Das war auch das Ziel von der italienischen Regierung letztendlich da Gesetze zu schaffen, die NGOs letztendig mehr oder weniger in den Bagrott schickt.
00:26:35: Mit der EU Wun versuchen wir da einen Gegenpol zu setzen und bis jetzt funktioniert das ganz gut.
00:26:39: Wir wissen schon, dass sich wahrscheinlich die Gesetzgebung wieder dem anpassen wird.
00:26:43: Das ist ein bisschen so ein Katz- und Mausspiel aber wir werden weiterhin versuchen da immer einen kleinen Vorteil zu haben um einfach für die Menschen dazusehen, die andersrum wahrscheinlich ertrinken würden.
00:26:56: Wir haben ja vorhin so ein bisschen schon darüber gesprochen, wie der Prozess so aussieht, sobald die Geretteten an Bord kommen.
00:27:03: Das hört sich so an wie viele verschiedene Aufgaben, die irgendwie auch sofort dann funktionieren müssen und viele Rollen, die auch vermutlich mal ineinandergreifen.
00:27:11: Vielleicht kannst du uns ein bisschen mitnehmen und uns dein Team vorstellen, dass wir einen Gefühl dafür bekommen wer eigentlich was wann macht?
00:27:19: Also unsere Großteam ist in zwei Teams geteilt.
00:27:22: Wir haben das Onshore Team, dass ich nicht vergessen soll weil ohne sie können wir gar keine Arbeit tun.
00:27:29: Sie sitzen in Elicata auf Sizilien und sind das administrative Team.
00:27:35: dort sitzt der HR Manager, Finanzmanager, Supply Manager und Logistics IT.
00:27:43: Und dann haben wir das On-Board Team also das Search and Rescue Team Und es ist von zehn Personen gemacht.
00:27:53: Wie Christian gesagt hat, die Ärzten und eine Krankenpflegerin.
00:27:57: dann haben wir ein Fieldcoms Manager und einen Humanitarian Affairs Officer.
00:28:04: Dann gibt es der Skipper das heißt der Kapitän des Schiffs und ein dreiköpfiges Rettungsteam für schnell Boot und die Projektordinatoren und der Intercultural Mediator Der
00:28:17: du ja warst.
00:28:19: Ich und es gibt auch ein andere, also wir arbeiten in Tandem.
00:28:21: Also der Andere heißt auch Camille übrigens.
00:28:23: Oh wie verwirrend!
00:28:24: Das
00:28:25: haben wir bei der Einstellung glaube ich drauf aufgepasst dass...
00:28:27: Camille eins und Camille zwei ist.
00:28:28: Camille Eins.
00:28:29: Ja
00:28:30: ich war auch Camile Eins ja.
00:28:33: Okay aber schon dann relativ viele Leute finde ich oder?
00:28:38: Aber braucht man ja auch, ne?
00:28:39: Genau.
00:28:40: Also es gibt viele.
00:28:41: Wir sind wie eine eingefamilie geworden.
00:28:45: Wir haben miteinander viel durcherlebt.
00:28:49: Wir hatten Trainings gemacht und das Team ist sehr eingebunden.
00:28:56: Wir verstehen uns miteinander sehr.
00:28:58: Das Field Commons Manager natürlich arbeitet in Medien.
00:29:03: Humanitarian Affair Officers kümmert sich um rechtliche.
00:29:08: Dann haben wir das Dreikörfiges Rettungsteam.
00:29:11: Sie sind die Personen, die wir jetzt im Video gesehen haben.
00:29:15: Sie gehen zu dem Boot in Seenot und dann bringen sie zu eurem Wohl.
00:29:23: Und dann gibt es die Projektkoordinatorinnen, die geordniert alles.
00:29:29: Ja, es ist echt krass wie viel Arbeit das ist.
00:29:32: Das kann man sich ja eigentlich schon denken.
00:29:34: aber wenn du das jetzt so ausführst ich find's auch krass dass da eine Kommunikationsperson da sein muss weil man trotz dieser... Notsituationen, in der sich alle Beteiligten irgendwie auf einer Art befinden.
00:29:45: Muss man trotzdem irgendwie aufpassen wie man was kommuniziert und sagt oder so gebe ich jetzt mal.
00:29:50: Genau
00:29:51: das ist
00:29:51: auch.
00:29:52: die andere Aufgabe ist natürlich zu dokumentieren und auch die Geschichte mit aufzuschreiben von den Leuten wenn sie das teilen möchten ja um einfach sichtbar zu machen warum fliehen die Menschen?
00:30:02: Und wie ist ihnen es ergangen?
00:30:04: und um das zu dokumentiren auch das geht ganz viel darum.
00:30:07: Das
00:30:08: ist natürlich auch wichtig.
00:30:09: wir haben auch übrigens für alle interessiert sind, über einige dieser Rollen auch in früheren Notaufnahmefolgen gesprochen und das verlinken wir natürlich wie immer in den Show Notes.
00:30:18: Da könnt ihr da mal gerne rein hören.
00:30:20: aber über Intercultural Mediator und was deine Aufgabe ist oder die Aufgabe der Camils war auf dem Boot.
00:30:28: Darüber haben wir noch nicht gesprochen und deswegen möchte ich dich nochmal fragen, wie kann ich mir ganz genau diese Rolle vorstellen also an Bord von einem Rettungsschiff?
00:30:38: Okay, der Intercultural Mediator ist wie ein Bündeglied zwischen der Crew und den Geretteten.
00:30:47: Das heißt wir sind eigentlich Teil des Medical Team, der auch ein Teil von der Survivor Care Team ist.
00:30:56: Als interkulturelle Mediator versuchen wir immer zu übersetzen, wenn es einen Bedarf gibt zwischen den Ärzten zum Beispiel.
00:31:06: Wenn es eine Behandlung gibt für eine gerettete Person und bei Dokumentationen von Erfahrungen und von geretteten Dokumentationssagen und Geschichten.
00:31:20: Dabei helfen wir die HAO, Humanitarian Affair Officers und die Kommunikation Field Manager.
00:31:29: Ansonsten haben unsere einige Aufgaben an Bord.
00:31:34: Am Anfang begrüßen die Personen, die geretteten mit der... Wir fangen mit unserem Begrüßung.
00:31:46: Sie kommen aus einem anderen Ort.
00:32:00: Und wir erzählen ein bisschen über die Sicherheit am Boot, die Regeln am Boot damit alles in Kontroll bleibt und wir erzählern über die nächste Schritte wenn wir wissen wo genau wir gehen, wohin fahren.
00:32:17: Ich möchte
00:32:17: glaube ich ganz kurz nur diese Teil der Ansprache übersetzen.
00:32:20: für die Leute ist mir gerade eingefallen.
00:32:21: vielleicht sprechen die Leute kein Englisch also ich finde das eine sehr schöne Ansprach.
00:32:24: Also ihr sagt den Leuten Sie sind hier an einem sicheren Ort.
00:32:28: Wir werden euch nicht dort zurückbringen, wo ihr gestartet seid sozusagen.
00:32:32: Und dann wir begleiten die Humanitarian Affairs Officer bei der Registrierung und wir geben auch Survival Kits.
00:32:42: in Survival Kids haben wir Zahnbruste und Zahnpasta-Paste und Kleidung neue Kleidungen auch und wir haben ein kleiner Snack Energy Bar für den Anfang.
00:32:58: Und wir versuchen immer zu vermitteln zwischen den Geretteten und den Personen, Wir haben auch eine sehr wichtige Aufgabe mit den Akteuren am Meer.
00:33:10: Wenn wir übersetzen zum Beispiel zwischen unserer Crew und der lübische Kunstwache sind wir hier zu übersetzen wenn es auf arabisch läuft.
00:33:22: ja
00:33:22: verstehe also das finde ich, das ist eine total wichtige Aufgabe.
00:33:29: Weil es ja nicht nur reines Übersetzen ist – also was auch eine wichtige Aufgabe ist aber die Menschen müssen ja sozusagen in der passenden Sprache angesprochen werden.
00:33:37: Die kommen im Ausnahmezustand zu euch und das ist schon tatsächlich mehr als übersetzen.
00:33:44: Das hat irgendwie auch so etwas Koordinierendes, aber man braucht glaube ich auch unglaublich viel Gutes Fingerspitzengefühl und irgendwie eine schnelle Auffassungsgabe, dass man in dieser krassen Situation genau weiß was man machen muss oder?
00:33:57: Ja auf jeden Fall.
00:33:58: Auf jeden Fall als Übersetzer kann ich mir nicht bezeichnen weil ich keine Ausbildung als Üersetzer gemacht habe.
00:34:04: Was wir machen ist wie übersetzen und im Hinblick auf der kulturellen Unterschiede zwischen den Personen mit denen wir kommunizieren Wir sorgen dafür, dass es keine Missverständnisse gibt zwischen den Empfänger und dem Sender im Dialog.
00:34:26: Die Sprache ist sehr wichtig auch.
00:34:28: Ja, also ich erinnere mich um unsere erste Rettung als wir das Wort gesehen haben.
00:34:34: Wir haben am Anfang ein bisschen auf Englisch gesprochen damit wir wissen woher kommen die Leute?
00:34:39: Und dann als wir die arabische Sprache gehört haben habe ich angefangen auf Arabisch zu reden und sie waren wie gesagt am Anfang sehr erschöpft.
00:34:49: aber wenn Sie die arabischen Sprachen gehört haben, Sie haben alles gelächelt Und an diesem Moment habe ich erfahren, dass mein Job als Intercultural Mediator ist sehr wichtig.
00:35:07: Weil wir wahrscheinlich ein Gefühl von Heimat geben in einer unsicheren Situation im Mittel des März und genau...
00:35:19: Ich glaube, wenn man eh auf der Flucht ist dann ist das Thema Heimat ja auch nochmal sehr groß und in einem Moment viel heimatloser kann man gar nicht sein als in dem Moment finde ich.
00:35:29: Und dann sozusagen so ein Stück Heimat irgendwie zurückzubekommen, das stelle ich mir total berührend vor ehrlich gesagt also
00:35:37: Ja, die Personen wahrscheinlich ... Sie werden ihre Heimat nicht für eine lange Zeit mehr sehen.
00:35:43: Und Ihre Kontakt mit ihren Familien und Freunden brechen für eine gewisse Zeit wenn sie nach Europa ankommen.
00:35:51: Wie viele Sprachen sprichst du denn?
00:35:54: Also neben meiner Muttersprache, die arabisch ist und jetzt also sie wissen sich spasche deutsch englisch französisch und spanisch Ein bisschen.
00:36:03: Und gerade lehne ich Italien, weil ich auf Likata tätig bin
00:36:10: und... Sardinien, wo das Office
00:36:13: ist?
00:36:13: Auf Sizilien.
00:36:13: Sizilient.
00:36:14: Genau, richtig!
00:36:16: Und ich versuche jetzt, Italien zu lernen.
00:36:18: Okay.
00:36:19: Schlecht.
00:36:22: Jetzt muss ich einmal kurz durchatmen.
00:36:27: Wir haben über deine Aufgaben gesprochen.
00:36:30: Ich würde gerne nochmal kurz auf die libysche Küstenwache zu sprechen kommen.
00:36:34: Die hast du ja kurz angesprochen und du auch Christian, dass ihr da auch kommunizieren müsst mit ihnen und auch mit ihnen irgendwie arbeiten müsst.
00:36:42: Wir haben auch ein bisschen über diese Schikane gesprochen, die von vielen Akteuren ausgeht.
00:36:49: Kannst du da vielleicht noch etwas dazu sagen?
00:36:52: Zusammenarbeit will ich es nicht nennen, aber du weißt was ich meine.
00:36:55: Zusammenarbeit
00:36:55: gar nicht sondern letztendlich ist so dass wir durch unsere langjährige Arbeit in Libyen die völlig prekäre und schutzlose Situationen der Menschen der Geflüchteten dort sehr gut kennen und wissen, dass Libyen selber keine sichere Anlaufstelle für Schutzsuchende ist.
00:37:12: Bis März, April, hat er zu den Grenzenprojekte in Libyen durchgeführt.
00:37:18: Wir haben dort etwa für geflüchtete Menschen in Lagern medizinisch und psychologisch versorgt, mussten aber dann die Arbeit aufgrund der Anweisung der dortigen Behörden einstellen und versuchen trotzdem weiterhin mit viel Ausdauer wieder dort arbeiten zu können weil wir einfach wissen das der Bedarf extrem groß ist.
00:37:36: Welche extremen Gewalt die Schutzsuchende im Land ausgesetzt sind, haben wir da mal erfahren.
00:37:41: Hören wie auch immer wieder regelmäßig durch Menschen, die halt auf ihrer Flucht nach Europa treffen und letztendlich gibt es dann nichts was man sich leider nicht vorstellen kann.
00:37:53: Was wenn ich schon gehört hatte ist Folter, es gibt sexualisierte Gewalt, Entführungen, Zwangsarbeit, Menschenhandel und extremste Wildkür in.
00:38:02: Menschenrechtsverletzungs stehen einfach auf der Tagesordnung.
00:38:05: Die Lebensbedingungen sind extrem miserabel für die Menschen in Lager, in Libyen und es gibt fast gar keine medizinische Versorgung.
00:38:14: Das alles zeigt einfach ganz klar das ist ja Libyen kein sicheres Land für Menschen auf der Flucht sind.
00:38:21: Und doch fängt die sogenannte libysche Küstenwache immer wieder Menschen auch in internationalen Gewässern ab Boote ab und bringt sie zurück nach Libyen.
00:38:33: Also was es noch schlimmer macht, ist dass letztendlich die sogenannte lübische Küstenwache genau da für finanzielle und materielle Unterstützung von der EU bekommt.
00:38:41: Und das ist einfach mein Blog.
00:38:43: Das kann man sich nicht vorstellen und absolut inakzeptabel!
00:38:47: Absolut, also ein Beispiel ist Irini.
00:38:51: Irini ist eine Militäroperation im zentralen Mittelmeer.
00:38:54: die soll eigentlich einen Waffenembargo kontrollieren das gegen Libyen existiert und dafür sind Schiffe eingesetzt.
00:39:02: Deutschland beteiligt sich an dieser EU-Militäeroperation mit einem Bundeswehrmandat.
00:39:10: nur ist es interessanter an diesem Mandat und das hoch problematische ist dass seit November von zwanzig dieses Mandat theoretisch auch zulassen würde, dass sich Deutschland an der Ausbildung und Unterstützung der sogenannten lübischen Küstenwache beteiligen könnte.
00:39:25: Die Bundesregierung sagt das es im Moment nicht beabsichtigt aber technisch ist es und rechtlich wäre das möglich.
00:39:32: Allein bis finde ich schon totalen Skandal weil wir wissen einfach was.
00:39:36: die sogenannte Küstenwachemacht bringt Menschen zurück in sehr unmenschliche Bedingungen freulter sexuelle Gewalt.
00:39:43: Wir haben gerade darüber gesprochen.
00:39:45: Trotzdem läuft das europäische IRINI-Mandat bis zu dem Jahr.
00:39:48: im Jahr ist es weiter.
00:39:50: Auch wenn die zentrale UN-Grundlage, die die IRINII befähigt hat, Schiffe zu durchsuchen um das Waffenanbau durchzusetzen, ist es ausgelaufen.
00:39:58: Also diese Grundlage
00:40:00: gibt's nicht mehr?
00:40:00: Ach so!
00:40:01: Die dürfen jetzt keine Schiffe mehr kontrollieren ob die Waffen nach Libyen bringen und trotzdem wurde dieses Mandat verlängert.
00:40:09: Da fragen wir uns natürlich, warum?
00:40:12: Was soll denn die eigentlich machen?
00:40:13: und unsere große Sorge ist dass Irini mehr und mehr dazu genutzt wird.
00:40:16: um Mittelmeer-Anreinerstaaten beim Abfangen von Menschen auf See zu unterstützen, letztendlich diese Festung Europa zu verstärken und die Kontrolle auszulagern.
00:40:29: Und zum Beispiel mit Lagebildern, mit Koordinaten, mit Trainingen und politischer Rückendeckung in die Mittelmeerer-Anrainerstaat damit auch Libyen halt in ihrer sogenannten Seenotrettung und Küstenwache zu unterstützen.
00:40:43: Deswegen ist es ganz klar Für uns, das Deutschland und die EU jede finanzielle und technische Unterstützung als auch operative Unterstützung für die sogenannte lübische Küstenwache beenden muss.
00:40:55: Also wer Einheiten unterstützt?
00:40:57: Die Menschen aufs See abfangen und in den Land zurückbringen, in denen Folter, Inhaftierung droht, Erpressung willkürliche Haft macht sich in unseren Augen absolut politisch mitverantwortlich für diese Gewalt.
00:41:09: Und was die Menschen dabei persönlich machen Kamila hast du ja gerade schon beschrieben.
00:41:13: Und zum Beispiel von der Mutter und dem Kind, das Kind ist in Lübingen geboren, ist dort aufgewachsen und die waren mehr als fünf Jahre in diesem Teufelskreis gefangen.
00:41:24: Das veranschaulicht genau diesen Punkt total
00:41:27: deutlich.".
00:41:32: ein irgendwie steriler Vorgang, die man halt so macht.
00:41:35: Sondern da sind Hoffnungen und Sachen gebündelt und dann musst du das immer wieder machen.
00:41:40: also ich finde dass wirklich bemerkenswert und verdeutlicht ja auch in welcher Situationen die Menschen sind wenn sie das Schiff besteigen und mit welchen Ängsten
00:41:51: Und Lebensgefahr jedes Mal.
00:41:52: Also das ist ja ganz klar, dass es Leben riskiert wird.
00:41:55: die Menschen mit denen wir sprechen sind sehr klar, sie wissen welche Gefahr auf Sie wartet im Mittelmeer?
00:42:01: Ich finde umso zynischer und schlimmer und brisanter ist es ja... Das muss man sich dann ja mal vor Augen führen diese Rufe, die da neulich von ein paar Wochen im EU-Parlament zu hören waren Send Them Home oder Send Them Back.
00:42:13: Wenn man das dann alles in diesem Kontext mal setzt, dann läuft so einem echt eiskalt den Rücken runter den Schlenker trotzdem machen.
00:42:22: zurück zu deiner Aufgabe auf dem Schiff, wie wichtig sie ja auch ist also wirklich in dieser Notsituation da zu sein.
00:42:31: Du hast gesagt dass du dich nicht als Übersetzer bezeichnen kannst weil du keine formelle Ausbildung hast.
00:42:35: ich bezeichne mich auch als Moderatorin und habe es nicht gelernt.
00:42:38: deswegen ich finde eigentlich naja egal das ist eine andere Geschichte.
00:42:41: aber erzähl uns doch trotzdem mal auf welche Erfahrung und Ausbildung du für deine Tätigkeit als Intercultural Mediator zurückgreifen kannst.
00:42:50: Als berufliche Erfahrung habe ich schon in Dresden als Kulturvermittler gearbeitet, in zwei Kindergärten.
00:42:58: Dort habe ich zwischen den Erzieherinnen und die Kinder und ihre Eltern vermittelt auch damit es keine Missverständnisse gebe Und als Akademisch habe ich einen Master absolviert für Berufspädagogik und Personalentwicklung.
00:43:20: Und neben meiner akademischen und Berufserfahrung, ich hab auch meine Lebenserfahrung.
00:43:26: Ich war im Libanon geboren, ich habe in Dubai und Deutschland auch gelebt.
00:43:33: In Dubai hat mein Interkulturelle Kompetenz sehr geprägt, weil dort verschiedene Menschen von verschiedenen Kulturen, von verschiedenen Orten.
00:43:43: Es wird verschiedene Sprachen täglich gesprochen.
00:43:47: Das hat irgendwie meine interkulturellen Kompetenzen geprägt und auch hier in Deutschland ist auch jetzt sehr divers geworden.
00:43:57: Und dann gibt es... Ich habe auch eine Fluchtgeschichte mit selbst, das hat auch meine irgendwie meine Empathie gestärkt gegenüber die andere Personen.
00:44:12: Natürlich möchte ich jetzt hier dass meine Erfahrung nicht mit den anderen vergleichen.
00:44:17: es ist eine unterschiedliche Erfahrung aber ein gewisses Wissen und Gefühl von was ...eine Person fühlt, wenn sie hinter sich viele hinterlässt und dann zu einer neuen Kultur... ...zu einer neuen Sprache, neues Leben anfängt.
00:44:38: Und auf jeden Fall auch keine zukünftige Perspektive hat.
00:44:42: also das kenne ich.
00:44:44: Das
00:44:44: kannst du nachvollziehen?
00:44:45: Ja ja und ich könnte irgendwie mit den Personen
00:44:50: fühlen.
00:44:51: Ja, das glaube ich sofort auch wenn es nicht die identische Fluchtgeschichte ist so ist ja auch trotzdem die Beweggründe können irgendwie ganz ähnlich sein.
00:44:58: Magst du uns wenn du's nicht zu persönlich findest?
00:45:01: Guck mal jetzt frage ich dich ja schon jetzt musst du ja quasi antworten aber du musst nicht eigentlich was dich dazu bewegt hat nach Deutschland zu kommen und in Deutschland Asyl zu beantragen.
00:45:10: Es ist eine nicht ganze einfache Geschichte aber ich könnte ein bisschen darüber reden.
00:45:15: Im Jahr, ich habe eine Nahtoderfahrung erlebt und mein Herz hat für sieben Minuten nicht mehr geklopft.
00:45:30: Und dann war das wie eine Erfahrung für mich... Ich musste irgendwas in meinem Leben ändern.
00:45:42: Wahrscheinlich war ich auch nicht sehr zufrieden.
00:45:45: Ich gehöre zur LGBT-IQ-Community und im Libanon konnte man, und auch in Dubai auch, kann man immer noch nicht wirklich selbstbestimmt leben.
00:45:55: Deshalb wollte ich ein Leben für also ein selbstgestimmtes Leben führen.
00:46:02: deshalb habe mich entschieden hier nach Deutschland zu kommen neuen Leben, nach einem sicheren Leben in welchem ich selbst gestimmt sein könnte.
00:46:16: Ohne nachzudenken was ohne Lügen irgendwie
00:46:21: oder sich verstellen
00:46:23: und verstecken von mich selbst.
00:46:25: ja und es hat mir ein bisschen sehr gedauert um das zu mich selber akzeptieren eigentlich.
00:46:33: und aber hey Ich bin jetzt hier Genau.
00:46:39: Danke,
00:46:39: dass du das geteilt hast.
00:46:41: Das finde ich total berührend und ich habe in der Recherche auch ein YouTube Video entdeckt.
00:46:47: Da sitzt du auf einem Podium und sprichst über einen Projekt beim Christopher Street Day in Dresden.
00:46:52: Du hast ja auch erzählt, dass ihr in Dresten studiert hattest.
00:46:54: Und das Projekt hättest du mit organisiert und es ist aus dem Jahr zwetausendundzwanzig und ich hab dadurch den Eindruck gewonnen, dass du dieses selbstbestimmte Leben nicht nur persönlich sondern auch irgendwie in deinem Aktivismus leben kannst oder lebst, Fragezeichen?
00:47:13: Genau.
00:47:13: Also das Projekt hat mir wirklich geholfen um eine Selbstbestimmung zu bekommen.
00:47:20: Das Projekt hieß Bestimme selbst.
00:47:23: Es war an... also als ich in der TSD Dresden-EV gearbeitet habe.
00:47:30: Ich hab an diesem Projekt sowohl teilgenommen als auch gearbeitet.
00:47:37: Der Theater-Therapeut Hendrik Fritsche hat eine sehr gute Arbeit geleistet, er hat die Teilnehmerinnen dabei geholfen ihre Traume zu verarbeiten und ein besseres Leben zu haben.
00:47:53: Genau!
00:47:53: Und das hat mir auch geholft.
00:47:55: irgendwie ein Aktivist ist auch ein irgendwie sehr stark.
00:47:59: also aktivist würde
00:48:00: ich nicht nennen
00:48:02: aber Genau, also ich habe auch die Definition von Aktivist gehört.
00:48:06: Ich denke jede von uns hier ist irgendwie ein Aktivistauch wenn wir nicht laut schreien.
00:48:12: aber genau und dieses Projekt hat mir wirklich dabei geholfen.
00:48:16: nach diesem Projekt war ich auf der Bühne bei CSD in der Gay Pride Und ich hab auch eine Rede über die Sprache.
00:48:25: wie kann man und die negative Konnotation damals von dem Wort Flüchtlinge?
00:48:33: Und ich habe auch erklärt, warum soll man die Eigenschaften der Personen benutzen und nicht immer Flüchtlinge für alles was wir reden möchten.
00:48:44: Genau!
00:48:46: Ich strebe mich dann immer dran... Ja,
00:48:50: ich strebe
00:48:51: danach um andere Leute zu empowern und etwas an der Gesellschaft zu ändern.
00:48:57: Ich könnte sagen, dass ich ein Aktivist bin.
00:49:00: Ja,
00:49:00: finde ich auch.
00:49:01: Also alles was du gerade aufgezählt hast, sag ich es aber eigentlich.
00:49:04: Ich will dich jetzt nicht zwingen, aber eigentlich klingt das doch sehr nach Aktivismus.
00:49:07: Ich find vor allem die Zeit über die wir grade sprechen, zwanzig-einundzwanzig, das war ja auch jetzt gar nicht so eine richtig einfache Zeit in Dresden.
00:49:14: da sind ja Rechte also die Pegida Bewegung und die rechte und flüchtlingsfeindliche Pegida Bewegungen ist der regelmäßig in Dresten marschiert.
00:49:23: Das hat eine ohnehin schon sehr schwere Aufgabe noch Herausfordernder gemacht.
00:49:29: Wenn wir jetzt nochmal zurück zum Rettungsschiff und deinem Job als Intercultural Mediator zurückkehren, inwiefern oder wie teilst du überhaupt?
00:49:38: Und wenn ja Wie teilst Du deine eigenen biografische Erfahrung Deine Fluchgeschichte auch explizit mit den geretteten Menschen an Bord?
00:49:47: Ja also ich mache davon kein Geheimnis.
00:49:51: Ich erzähle aber die ganze, ins eins zu eins.
00:49:55: nicht wirklich weil ich auch nicht möchte dass jede Person ihre Entscheidungen anhand meiner Erfahrung treffen.
00:50:01: Es ist wichtig das jeder Person ihre Entscheidung und ihre Wünsche macht.
00:50:07: Wenn ich mit anderen Leute in der Gruppe rede, dann ja natürlich.
00:50:13: Ich sage ihnen was gibt es und was habe ich gemacht?
00:50:16: Und wo hab ich gearbeitet haben zum Beispiel?
00:50:20: Es gab eine Situation in welchem also während der erste Rattung am Ende gab es einen Mann, der mich gefragt hat Was erzählte uns?
00:50:30: Also was könntest du uns empfehlen von für unsere Leben in Europa?
00:50:36: Jetzt können wir ein bisschen über Aktivisten hier reden.
00:50:39: Und meine erste Antwort war, bitte macht keine Probleme.
00:50:44: und dann hat mich zwei Sekunden gedauert um mich selbst zu reflektieren und ich habe gesagt Entschuldigung!
00:50:51: Ich habe mich entschuldigt und erklärt in Europa werden die Gesetze sehr ernst genommen, nicht wie uns in unseren Ländern.
00:51:01: Deshalb wenn ihr an diese Gesetze halten dann werden viele Türe für euch offen geöffnet.
00:51:16: Es ist schwierig manchmal zu diesen Konstrukten die wir aufgewachsen sind damit aufgewachsen sind verlernen, genau.
00:51:29: Aber man kann sein Mindset ändern und man kann immer sich selbst reflektieren und seine Gedanken hinterfragen und alles was sagt.
00:51:40: Am Ende des Tages, also wahrscheinlich heute Nacht werde ich nach Hause gehen und mich selbst reflektiere was ich hier jetzt gesagt habe.
00:51:46: Und das mache ich jeden Tag um mehr zu lernen, um besser zu werden der nächsten Tag mit anderen Leuten besser zu begegnen und unterhalten.
00:51:56: Ja!
00:51:58: Ich stelle mir das aber echt schwer vor.
00:52:00: ehrlich gesagt da immer so... Das ist so ein schmaler Grad.
00:52:04: Zwischen wie kann ich sozusagen auch meine eigene Geschichte erzählen, dass es empowernd ist aber nicht so sehr, wie du schon sagst das die Leute dann denken, dass sie auf eine Art beeinflusst, die dann vielleicht da nicht so konstruktiv ist?
00:52:16: Aber ich frage mich sowieso Wie viel Zeit habt ihr eigentlich mit den Menschen an Bord?
00:52:19: also wie viel Zeit für dieser art der Gespräche gibt es überhaupt?
00:52:23: Viel zeit haben wir nicht und Es ist unterschiedlich je nach der Situation.
00:52:31: Also bei der ersten Rettung hatten wir nur drei bis vier Stunden mit den geretteten.
00:52:37: Deshalb hatten sie ja nicht so lange Zeit, zu unterhalten und bei der zweiten Rettungen hatten die ganze Nacht über.
00:52:54: Wir genießen immer die Zeit.
00:52:56: Und wir versuchen, mit denen zu verbringen und um ihnen zu kümmern.
00:53:05: Also wir sind Teil der Survivor Care Team und das machen wir auch immer.
00:53:12: Unsere Aufgabe ist nicht nur, die Personen zu retten sondern auch um sie zu kümmern um ihnen einen Ort, ein Safe Space zwischen Afrika und Europa zu geben damit sie sich besser fühlen.
00:53:35: Du hast ja auch gesagt ganz am Anfang gibt es so eine Willkommensrede.
00:53:44: Was gibt es am Ende dann auch einen Abschied?
00:53:48: Wenn das dann zu Ende ist, das stelle ich mir sehr emotional vor.
00:53:51: Genau richtig!
00:53:52: Am Anfang gibt es ein Welcome Speech und inzwischen gibt es Aktivitäten.
00:53:57: wenn wir Zeit hätten zum Beispiel im ersten Rettung hatten wir keine Zeit um Aktivität zu tun.
00:54:04: Aktivitäten können also Garten spielen sein singen tanzen Tanzen könnte auch mein Mann nicht wirklich, weil euch von selbst bewegt sich sehr.
00:54:13: Also wir tanzen im Sitzen eigentlich und genau und wir hören Musik Und am Ende gibt es einen Abschied.
00:54:24: also ab dieser Wörtlichen auf Schiffung Speech Wir machen das gemeinsam mit der Humanitarian Officer.
00:54:41: Wir unterstützen die Leute, sorry wir erklären die Leute was die Regen in Europa sind und irgendwie was sie erwartet im Land in Europa wenn sie mit der Organisation reden.
00:55:04: Das ist aber auch eine krasse Aufgabe.
00:55:06: Irgendwie jemand auf einen neues Leben vorzubereiten auf das, was jetzt quasi kommt.
00:55:13: Was ja auch noch mal komplett unterschiedlich sein kann.
00:55:16: Das stelle ich mir total herausfordernd.
00:55:18: Ich will das jetzt nochmal alles so ein bisschen allgemeiner einordnen.
00:55:20: also das haben wir heute schon ein bisschen angerissen.
00:55:23: Also diese ganzen Gesetzesänderungen die ganze Dinge die dann irgendwie so passieren sind ja Teil einer größeren politischen Entwicklung.
00:55:33: Also, dass die EU zunehmend versucht Verantwortung auszulagern an die Küstenwachen in Anführungszeichen und Drittstaaten an Orte außerhalb des eigenen Rechts- und Kontrollraums.
00:55:45: Wie bewertet ihr das als Organisation?
00:55:47: Also wie bewertete Ärzte ohne Grenzen diese diese Entwicklung?
00:55:51: Das ist absolut hochproblematisch.
00:55:52: ja also gerade die Reformen des gemeinsamen europäischen Asylsystems da wird es für viele Schutzsurren in Zukunft noch schwieriger, überhaupt ein faires Asylverfahren zu bekommen.
00:56:05: Die Verfahren werden beschleunigt an Grenzenfallagert und können unter haftähnlichen Bedingungen stattfinden.
00:56:11: Wir sehen das jetzt in vielen Ländern immer wieder.
00:56:14: Und die Menschen können aus verschiedensten Gründen abgelehnt werden ohne dass ihre eigene Schutzbedürftigkeit wirklich ausreichend erkannt wird.
00:56:22: Letztendlich werden solche Menschen oft in sogenannte Return-Habs an Drittstaaten außerhalb der EU gebracht oder sollen gebracht werden.
00:56:30: Und das ist dann so eine doppelte Auslagerung, von der Verantwortung erst wird der Schutz schwer erreichbar gemacht und fast unmöglich gemacht.
00:56:38: Dann werden die Menschen aus dem europäischen Rechts- und Verantwortungsraus herausgeschoben in den Drittland.
00:56:44: Wir wissen letztendlich aus unserer Arbeit als Ärzt zu einer Grenze Wohin solche Auslagerungsmodelle führen?
00:56:49: Wir haben zum Beispiel auf Nauru Menschen behandelt.
00:56:53: Naurur liegt ungefähr dreitausend Kilometer vom australischen Festland entfernt, wo die Australische Regierungs- und Auslaggerungsmodell betrieben hat.
00:57:03: Die sind dort gelandet mitten im pacifischen Ostean wirklich ja umgeben von mehr großen Teiles Menschen auch aus Zentrall Asien, aus Afghanistan oder aus anderen Ländern dahin geflüchtet.
00:57:15: Die Menschen dort litten einfach unter schwersten psychischen Erkrankungen und wir haben extrem viel Suizidabsichten gesehen.
00:57:22: Und unsere Erfahrung zeigt einfach ganz klar, dass Deutschland solche Abschiebezentren außerhalb der EU nicht unterstützen darf.
00:57:31: Wenn ich mir anhöre, Camille was du heute erzählt hast dann wird es nochmal ganz deutlich dass die Menschen geraten nicht zufällig in Lebensgefahr, sondern sie geraten im Lebensgefahr weil sichere Wege fehlen.
00:57:43: Weil Europa seine Grenzen immer weiter abschottet und Wahlverantwortung an Drittstaaten, an Küstenwachen und an Orte außerhalb des eigenen Rechtsraums ausgelagert werden.
00:57:55: Das sehen wir auf dem Mittelmeer, das sehen wir in Libyen und das sehen aber auch jetzt in der Debatte über Rückführungszentren außerhalb der EU.
00:58:05: Ja, ganz klar.
00:58:06: Diese Politik schützt keine Menschen sondern macht das Leid dieser Menschen nur unsichtbarer.
00:58:13: Das klingt so ein bisschen aus den Augen und aus dem Sinn.
00:58:16: Absolut!
00:58:16: Und der versucht die Verantwortung abzugeben.
00:58:20: Deswegen ist es auch wenn es nur ein kleiner Teil ist aber ich glaube deswegen ist es wichtig dass wir diese Art von Podcast-Folgen machen um das wieder auf die Tagesordnung zu bringen dieses Thema und immer wieder zu besprechen sehr inspiriert.
00:58:35: Ich weiß, dieses Wort ist eigentlich ein bisschen cringe inzwischen aber ich finde das trotzdem sehr inspirierend mit wie viel Entschlossenheit und Nachdruck du dieses Thema angehst und im Hinblick auf deine Arbeit auch mit deiner Biografie und dass du das sozusagen in gesundem Maße als Intercultural Mediator an Bord des Rettungsschiffs einfließen lässt.
00:59:00: Danke, dass du auf jeden Fall uns heute mitgenommen hast und einen Einblick gegeben hast in diese Arbeit, in dieser Abläufe.
00:59:08: Das war wahnsinnig interessant!
00:59:10: Und jetzt habe ich auch dieses Schiffsvokabular drauf – Backboard?
00:59:13: Ich frage euch gleich ab, gibt gleich ein Test.
00:59:16: Das fand ich auch sehr gut, damit kann ich auf jeden Fall ein paar Leute beeindrucken.
00:59:20: Also vielen, vielen Dank dass du heute hier warst lieber Camille und danke für die Eindrücke die du uns gegeben hast!
00:59:25: Es hat mich heute sehr gefreut hier zu sein und danke das ich die Gelegenheit hatte über meinen Job an Ulvern zu berichten und Danke für beide
00:59:38: Super spannend, total motivierend.
00:59:40: Camille vielen Dank dafür!
00:59:42: Mit euch hier vor Ort machen wir gleich noch weiter und freuen uns jetzt schon auf eure Fragen aber von unseren Hörerinnen zu Hause verabschieden wir uns schon mal an die Menschen, die uns hören.
00:59:53: Falls ihr Fragen habt dann schreibt uns gerne wie gewohnt ein Kommentar unter notaufnahmeetärzte- ohne minusgrenzen.de.
01:00:01: Wir freuen uns über Anregungen, über Kritik, über Vorschläge für weitere Folgen und nicht vergessen... Die nächste Folge zur Notaufnahme kommt voraussichtlich Ende August.
01:00:34: Das war's von uns aus dem Refugio.
01:00:37: Vielen Dank, Christian!
01:00:38: Vielen dank Camille und vielen danke an alle, dass ihr gekommen seid.
01:01:09: Tschüss!
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