Das Wundermittel gegen HIV, an das kaum jemand rankommt
Shownotes
Stell dir vor, es gäbe ein Medikament, das eine HIV-Infektion verhindern kann – mit nur zwei Spritzen im Jahr. Das ist kein Wunschdenken, denn dieses Medikament gibt es wirklich. Aber kaum jemand bekommt es. Wie es wirkt und warum endlich mehr Menschen das Medikament erhalten müssen, erfährst du in dieser Folge!
⏱️ Darum solltest du reinhören:
Wusstest du, dass sich 1,3 Millionen Menschen jedes Jahr neu mit HIV infizieren?
Erfahre, wie hoch der Preis für dieses Gamechanger-Medikament ist und warum es sich schon oft ausgezahlt hat, Druck auf die Pharmaindustrie auszuüben und erschwingliche Preise zu fordern.
🎙️ Moderation: Patricia Neugebauer, Ärztin, mehrfach mit Ärzte ohne Grenzen im Einsatz. Wenn du wissen willst, wer Patricia ist, hör rein in unsere Folge “In eigener Sache”.
👉 Hör rein und hol dir Deine Dosis Wissen.
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Dieser Podcast wurde von Ärzte ohne Grenzen e.V. in Zusammenarbeit mit Christian Conradi produziert. Redaktion und Projektleitung: Clara Schneider, Andreas Koob und Regina Bischoff. Moderation: Patricia Neugebauer. Aufnahme, Schnitt und Produktion: Christian Conradi. V. i. S. d. P. Jannik Rust, Ärzte ohne Grenzen e. V., Schwedenstr. 9, 13359 Berlin. Bild: MSF
Transkript anzeigen
00:00:00: Stell dir vor, es gäbe ein Medikament das eine HIV-Infektion verhindern kann mit nur zwei Spritzen im Jahr.
00:00:06: Das ist kein Wunschdenken denn dieses Medikament gibt's wirklich!
00:00:09: Aber kaum jemand bekommt es – obwohl du super vor HIV schützt.
00:00:16: Und damit herzlich willkommen zu fünf Minuten Notaufnahme Deine Dosiswissen.
00:00:20: Hier gibts schnelle Fakten zur medizinisch humanitären Nothilfe.
00:00:24: Gibt es ein Thema dass dich besonders interessiert?
00:00:26: Dann schreib das gerne in die Kommentare.
00:00:28: vielleicht kommt dann schon bald eine Folge zu deinem Wunschtema.
00:00:32: Mein Name ist Patricia, ich bin Ärztin und immer mal wieder im Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen.
00:00:37: In den nächsten fünf Minuten erfährst du mehr über einen Wirkstoff der eine HEV-Infektion verhindern kann – und das funktioniert so einfach wie noch nie und schützt sehr sicher vor einer Erkrankung die Menschen sonst über ihr gesamtes Leben begleitet und ohne Behandlung immer noch tödlich endet!
00:00:53: Aber bevor wir tiefer ins Thema einsteigen habe ich hier erstmal drei wichtige Fakten für dich.
00:00:59: Erstens, HIV ist immer noch eine Epidemie.
00:01:02: Laut Schätzungen der WHO leben knapp einundvierzig Millionen Menschen weltweit mit dem Virus – also jeder zweihundertste Mensch auf der Welt!
00:01:09: Ohne Behandlung führt einer HIV-Infektion innerhalb von drei bis fünfzehn Jahren zu AIDS.
00:01:15: Zweitens die richtige und rechtzeitige Therapie wirkt.
00:01:19: HIV ist zwar noch nicht heilbar aber infizierte Menschen können ein langes und gesundes Leben führen wenn sie die richtigen Medikamente bekommen.
00:01:27: Wir MedizinerInnen sprechen von einer antiretroviral Therapie.
00:01:31: Die Viruslast wird reduziert und dadurch bricht AIDS gar nicht erst aus.
00:01:36: Kennst du selbst Menschen, die diese Therapie erhalten?
00:01:38: Wenn ja weißt Du wie viel sich dadurch für Betroffene verändert?
00:01:42: Denn auch eine Übertragung ist bei stark gesenkter Viruslast nicht mehr möglich.
00:01:47: Aber besser ist natürlich wenn Menschen sich gar nicht erstmal anstecken können Und damit bin ich schon bei.
00:01:52: drittens Eine Profilachse kann eine Infektion komplett verhindern.
00:01:57: Dafür gibt es schon länger hocheffektive Medikamente.
00:02:00: Sie schützen Personen ohne HIV vor einer Ansteckung, das ist v.a.
00:02:04: in Gegenden und Situationen wichtig wo viele Menschen infiziert sind.
00:02:09: Die Wirkstoffe dieser Medikamente verhindern bei einem HIV-Kontakt dass sich die Viren vermehren können und die Person kann sich nicht infizieren.
00:02:16: Als erstens spreche ich bei dieser Profilachse von einer Prä-Expositionsprofilachse kurz PREP Warum der Schutz, also die PrEP eine riesige Chance aber auch eine echte Herausforderung für unsere Patientinnen ist?
00:02:29: Das schauen wir uns jetzt genauer an.
00:02:32: Für Prophylaxe gab es lange Zeit nur eine Möglichkeit – die tägliche Einnahme von Tabletten!
00:02:37: Das ist nicht immer einfach schon gar nicht in Kriegen oder auf der Flucht und eine waglige Gesundheitsversorgung und unterbrochene Lieferketten sind das Eine.
00:02:46: Aber in geflüchteten Cams fehlt auch Privatsphäre.
00:02:49: Eine diskrete Einnahme jeden Tag ist nicht möglich und die Angst vor Stigmatisierung ist groß!
00:02:55: Das sind zu viele Hürden, und das bedeutet weiterhin zu viel Ansteckung.
00:03:00: Da sprechen wir weltweit von µm Menschen, die sich jedes Jahr neu infizieren – das sind mehr Personen als in ganz Köln leben.
00:03:09: Und genau hier kommt die Spritze ins Spiel, den ich am Anfang erwähnt habe.
00:03:13: Ihr Wirkstoff heißt Lena Kapavir Und damit ist nach einer kurzen Startphase nur noch eine Spritze alle sechs Monate notwendig.
00:03:21: Die Firma Gillette hat ihn entwickelt – auch mithilfe öffentlicher Gelder!
00:03:25: Forschende sprechen von einem echten Game-Changer, aber in vielen Ländern wo der Wirkstoff am meisten helfen könnte, ist er nicht bezahlbar oder gar nicht verfügbar.
00:03:34: Eine jährliche Dosis mit zwei Spritzen kostet halte ich fest bis zu US-Dollar.
00:03:41: Und zu bezahlbaren Preisen ist Lena Kapavir bislang nur für wenige Länder über ein Verteilmechanismus verfügbar und auch hier ist das Kontingent viel zu gering.
00:03:50: Ärzte ohne Grenzen würde Lena Kapavier gerne direkt vom Hersteller kaufen, um den Schutz zum Beispiel für Menschen in geflüchteten Cams bereitzustellen.
00:03:59: Da geht es gerade um Frauen die einen besonders hohes Risiko haben Opfer von sexualisierter Gewalt zu werden und dabei auch mit HIV angesteckt zu werden.
00:04:07: Und es geht auch um weitere Risikogruppen wie etwa sechs Arbeiterinnen, die stark profitieren würden.
00:04:14: Aber uns wird sie innovative Vorbeugespritze nicht verkauft.
00:04:18: Bisher haben wir nur in einem einzigen Land das Präparat bekommen und zwar indirekt über einen Verteilmechanismus – und das war so wenig dass die Dosen dann nach vier Wochen schon alle verbraucht waren!
00:04:29: Das hat einen Grund.
00:04:30: Die Firma hat vor allem die Märkte mit hohen Einkommen im Blick.
00:04:35: Aber bisher sind unsere Verhandlungen mit Gillette gescheitert.
00:04:38: Wir fordern den Hersteller auf, das Medikament zu bezahlbaren Preisen verfügbar zu machen – auch das gehört zu unserer Arbeit!
00:04:44: Denn Innovationen wie diese müssen allen zugänglich gemacht werden.
00:04:49: Jetzt fragst du dich, wie groß unsere Chancen sind das zu schaffen?
00:04:52: Bei der Behandlung von HIV-mit hochwirksamen Medikamente haben wir zusammen mit anderen Akteurinnen in den frühen zwei Tausendern richtig viel Druck gemacht.
00:05:01: In der Folge sanken die Behandlungskosten um neunundneinzig Prozent und damit wurde auf einen Schlag für Millionen Menschen eine Therapie möglich.
00:05:10: Einen solchen Wendepunkt brauchen wir jetzt auch für die HIV-Profilaxe, denn mit der Spritze über die wir heute gesprochen haben ließ sich die HIV Epidemie weltweit eindämmen!
00:05:21: Wenn du noch mehr zu unserer Arbeit rundum HIV wissen möchtest dann hör dir gerne unsere Folge an HIV Eskalation einer Stillkrise.
00:05:29: Und falls du diesen Podcast noch nicht abonniert hast, dann ist jetzt der beste Moment das zu tun.
00:05:35: So, das war's für heute!
00:05:36: Wir hören und sehen uns das nächste Mal bei fünf Minuten Notaufnahme Deine Dosis Wissen.
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