Mittelmeer: Aus Seenot gerettet und dann?
Shownotes
Die meisten kommen mit nichts – nach einer oft tagelangen Tortur auf See. Was brauchen die Überlebenden, sobald sie an Bord des Rettungsschiffs sind? Wie kann Ärzte ohne Grenzen die Menschen unterwegs versorgen?
⏱️ Darum solltest du reinhören:
Wusstest du, dass das Mittelmeer zu den tödlichsten Migrationsrouten weltweit gehört?
Du erfährst, warum medizinische Versorgung an Board so wichtig ist und warum viele Gerette unterwegs Verätzungen erlitten haben…
Viele Menschen besteigen das Schiff nur mit dem, was sie am Körper tragen – und das ist oft nicht mehr als ihre teils völlig durchnässte Kleidung. Deshalb haben wir etwas für sie – egal ob 5, 15 oder 100 Personen das Schiff besteigen. Wenn du wissen willst, was es ist, hör rein…
🌍 Schau dir unsere Arbeit an:
Erfahre, wie Merel Cosijn als Teil der Crew die ersten Rettungen mit dem neuen Schiff erlebt hat und welche Herausforderung die dunkle Nacht für die Arbeit mitten auf dem Mittelmeer mit sich bringt.
⚠️ Zwischen Rettung und Ertrinken
Teils sind die Menschen tagelang in Seenot, bevor sie gerettet werden. Wie die Rettung gelingt und welche Versorgung an Board unerlässlich ist, das weißt du nach dieser Folge.
🎙️ Moderation: Patricia Neugebauer, Ärztin, mehrfach mit Ärzte ohne Grenzen im Einsatz. Wenn du wissen willst, wer Patricia ist, hör rein in unsere Folge “In eigener Sache”.
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Dieser Podcast wurde von Ärzte ohne Grenzen e.V. in Zusammenarbeit mit Christian Conradi produziert. Redaktion und Projektleitung: Clara Schneider, Andreas Koob und Regina Bischoff. Moderation: Patricia Neugebauer. Aufnahme, Schnitt und Produktion: Christian Conradi. V. i. S. d. P. Jannik Rust, Ärzte ohne Grenzen e. V., Schwedenstr. 9, 13359 Berlin. Bild: MSF
Transkript anzeigen
00:00:00: Wusstest du, dass das Mittelmeer zu den tödlichsten Migrationsrouten der Welt gehört?
00:00:04: Erste ohne Grenzen ist dort seit mehr als elf Jahren aktiv.
00:00:07: Und mehr als neunzigtausend Menschen haben wir teils auch zusammen mit anderen Helferinnen vor dem Attrinken gerettet.
00:00:13: Oft ausgezehrt und unterkühlt besteigen die Menschen das Rettungsschiff.
00:00:16: Die meisten kommen mit nichts – nach einer oft tagelangen Tortur auf sie!
00:00:20: Was brauchen die Überlebenden sobald Sie am Bord
00:00:22: sind?!
00:00:23: Wie kann Ärzte ohne Grenzchen die Menschen unterwegs versorgen?
00:00:29: Herzlich willkommen zu fünf Minuten Notaufnahme, deine Dosis Wissen.
00:00:32: Hier gibt's schnelle Fakten zur medizinisch-humanitärer Nothilfe!
00:00:36: Du hast diesen Podcast noch nicht abonniert?
00:00:38: Dann ist jetzt der Moment dazu – damit verpest du keine weitere Folge.
00:00:42: Mein Name ist Patricia und ich bin Ärztin und immer mal wieder im Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen.
00:00:47: In den nächsten fünf Minuten erfährst du warum es bei uns auf dem Mittelmeer keine Schiffscrew ohne Ärztinnen und Pflegefachkräfte gibt Und wie wir es schaffen, alle Menschen erstmal mit dem Nötigsten zu versorgen.
00:00:58: Egal ob fünf, fünfzehn oder hundert Personen das Schiff besteigen.
00:01:02: Neugierig geworden?
00:01:03: Dann hol dir jetzt deine Dosiswisten!
00:01:05: Starten wir erst mal mit drei Fakten die du über zivile Seenotrettung unbedingt wissen musst.
00:01:11: Erstens – Es gibt so gut wie keine legalen Fluchtwege nach Europa.
00:01:15: Die EU setzt auf Abschottung.
00:01:17: Das Zwingt Schutzsuchende auf gefährliche Roten etwa über das zentrale Mittelmeer.
00:01:22: Viele der Boote, in denen die Menschen die Überfahrt wagen sind, sehuntauglich.
00:01:26: Seit Jahrzehntausend sind mehr als vierundzwanzigtausend Menschen ertrunken oder gelten als vermisst.
00:01:31: Die Dunkelziffer ist noch höher!
00:01:34: Viele Menschen kommen aus Bürgerkriegsländern wie aktuell etwa dem Sudan – weil sie keine andere Perspektive sehen.
00:01:40: Wagen Sie die lebensgefährliche Überfahrts nach Europa.
00:01:43: Zweitens Ärzte ohne Grenzen und andere NGOs sind präsent Aber Hilfe auf dem Meer wird systematisch erschwert, durch Schikanen, Dekrete und Verordnung.
00:01:53: Das gilt für die Rettung aber auch für das was danach kommt.
00:01:57: Manchmal wurde unser vorheriger Schiff weit in den Norden bis in die Toskana oder nach Genoa geschickt statt in den nächsten sicheren Hafen aus den Zielen einfach um es aus den Rettungszonen zu verdrängen.
00:02:08: Drittens, die allermeisten Menschen konnten gar nichts mitnehmen oder sie haben unterwegs alles verloren.
00:02:14: Viele kommen mit alten Folterwunden etwa aus Lagern in Libyen andere mit frischen Verletzungen von der Überfahrt manche sind schwanger oder chronisch krank.
00:02:23: Sie alle sind dem Ertrinken erstmal entkommen aber sie brauchen an Bord dringend Unterstützung und Versorgung.
00:02:28: Wie lässt sich das bewerkstelligen?
00:02:30: Da schauen wir uns genauer an und werfen dafür einen Blick auf unser aktuelles Rettungsschiff Die Euron.
00:02:35: Es ist ein ehemaliges Ambulanzschiff aus Norwegen.
00:02:38: Wir haben es für unsere Arbeit auf dem Mittelmeer umgerüstet.
00:02:41: Seit November, zwanzig-fünfundzwanzig, ist es im Einsatz.
00:02:44: Mindestens eine Ärztin und eine Pflegekraft sind immer am Bord Denn mitten auf sie ist jede andere Hilfe weit weg.
00:02:51: Zugleich ist der medizinische Bedarf sehr hoch.
00:02:54: In Folge des Überfalls sind viele Gerettete stark unterkühlt und ausgezerrt.
00:02:58: Andere haben akute Verätzungen auf der Haut.
00:03:00: Das passiert, wenn die Menschen im Boot Salzwasser sowie Benzin vom Außenbootmotor abokommen.
00:03:05: Das ist ein richtig gefährlicher Mix und die Folgen davon sehen wir echt oft – es gibt noch mehr Herausforderungen!
00:03:11: Während die völlig entkräfteten Menschen in letzter Sekunde kurz vor dem Ertrinken gerettet, müssen meine Kolleginnen sie manchmal auch reanimieren.
00:03:19: Das zeigt medizinische Hilfe am Board ist super wichtig.
00:03:22: Meine Kollegin Mirel Cousine war beim ersten Einsatz mit unserem neuen Schiff dabei.
00:03:26: Hören wir uns mal an, was sie berichtet!
00:03:30: Bei unserer ersten Rettungsaktion mussten wir sehr lange suchen – eine ganze Nacht.
00:03:34: Glücklicherweise haben die Menschen am Morgen
00:03:37: gefunden.".
00:03:38: Auch die zweite Rettung war nachts und wir konnten sie nur dank ihrer leuchtenden Handys finden.
00:03:43: Was mir auffiel, war dass bei beiden Rettungsaktionen sehr kleine Kinder dabei waren – ein Baby war sechs Monate alt, ein anderes sogar nur sechs Wochen!
00:03:53: Sobald Sie an Bord waren schliefen viele von ihnen ein weil sie von der Reise völlig erschöpft waren Und das hat mich daran erinnert, dass keine Familie ihr sechs wochenaltes Baby auf ein solches Boot mitnehmen würde wenn es eine andere Möglichkeit
00:04:06: gäbe.
00:04:10: Sechs Wochen, das muss man sich mal vorstellen.
00:04:13: Da sind Mutter und Kind ja eigentlich noch im Wochenbett.
00:04:16: Und bei der Überfahrt haben viele Menschen nicht mehr dabei als sie am Körper tragen – und das ist oft nicht mehr als ihre völlig durchnächste Kleidung!
00:04:24: Und genau dafür haben wir ein fertiges Kit an Bord.
00:04:27: Es sieht aus wie ein Sportbörtel... Drinnen sind Unterwäsche, eine Hose ein Pullover, einen Handtuch, Zahnpasta und eine Zahmböste sowie eine Flasche Wasser und ein paar Kekse.
00:04:38: Das ist erstmal sehr simpel aber in dieser Situation total wichtig!
00:04:41: Und egal was passiert wir haben für jede Person die an Bord kommt immer so ein Kid zur Hand.
00:04:46: das finde ich total toll.
00:04:48: Es bietet ganz schnell ein kleines Stück Normalität wenn sie die Seenot hinter sich gelassen haben.
00:04:54: Jetzt wissen wir alles über dieses Kit und warum medizinische Versorgung direkt am Board echt wichtig ist.
00:04:59: Wenn du noch mehr über dieses Thema erfahren möchtest, hör dir doch unsere Folge Zehn Jahre Seenotrettung Erfolge und Herausforderungen an!
00:05:07: Bis zum nächsten Mal bei fünf Minuten Notaufnahme Deine Soses Wissen.
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